Franz Vital Lusser

Franz Vital Lusser (* 28. April 1849 in Altdorf; † 19. September 1927 in Zug)[1] war ein Schweizer Ingenieur und Bauunternehmer, der am besten für sein Mitwirken beim Gotthardtunnel und als Erbauer des Albistunnel bekannt ist.

Leben

Franz Vital Lusser kam am 28. April 1849 in Altdorf als Sohn von Franz Lusser und Aloisia Lusser (née Christen) zur Welt.[1][2] Er wuchs in Altdorf auf, wo er seine Schulzeit verbrachte. Nach dem Abschluss des Gymnasiums in Schwyz, begann er 1867 schliesslich seine Ausbildung zum Bauingenieur am Eidgenössischem Polytechnikum Zürich; das Diplom erhielt er 1871.[3][4]

Lusser heiratete Rosa Cavadini, die Schwester eines Arbeitskollegen, am 18. Januar 1880.[5] Zusammen hatten sie acht Kinder, darunter Augustin Lusser.[2] Nachdem sie wegen seines Berufes von einem Ort zum nächsten gezogen waren, liessen sich die Lussers 1906 schlussendlich in Zug nieder.

Lusser verstarb am 19. September 1927 in Zug im Alter von 78 Jahren infolge einer Lungeninfektion nach einem chirurgischen Eingriff.[6]

Beruflicher Werdegang

Lusser begann seine Karriere am Baudepartement des Kanton Zürichs. 1872, als die Erbauung des Gotthardtunnels begann, trat er der Gotthardbahn-Gesellschaft bei, wo er unter Ingenieuren wie Robert Gerwig, Wilhelm Hellwag und Louis Favre tätig war.[1][3] Dort assistierte er in der Errichtung des Abschnitts BrunnenSisikon und war später Bauführer sowohl beim Gleisabschnitt auf dem Seedamm von Melide, als auch beim Bau des Maroggiatunnel.[3]

Von 1874 bis 1881 war Lusser erster Ingenieur-Bauführer der Unternehmung Louis Favre und leitete den Bau des Gotthardtunnels von der Südseite. Als 1880 der Durchschlag erfolgte, reichte Lusser eine Fotografie von Favre durch das Bohrloch, um den ein Jahr zuvor verstorbenen Ingenieur zu ehren. Auf der Rückseite der Fotografie schrieb er:[3][5][6]

„Qui est plus digne, de passer par le premier, que celui qui nous était patron, ami et père. – Viva il Gottardo!“

„Wer wäre würdiger, als Erster zu durchqueren, als derjenige der für uns Patron, Freund und Vater war. – Es lebe der Gotthard.“

Nach dem Durchschlag wandte sich Lusser 1881 und 1882 an die Leitung des Ausbaus des Bahnhof Chiasso. Im darauffolgenden Jahrzehnt reiste er ins Ausland um in Serbien an der Bahnstrecke BelgradVranje und in Nordzypern für die Anatolische Eisenbahn am Bahnabschnitt Lefke zu arbeiten.[1][3]

1892 kehrte Lusser zurück in die Schweiz um den Bau des Albistunnel auf der Bahnstrecke Thalwil–Zug zu leiten. Bei der ersten von der NOB publizierten Bauauschreibung konnte er nicht genügend Kapital für die benötigte Kaution beschaffe. Erst bei der zweiten Ausschreibung war er schliesslich imstande den Vertrag abzuschliessen, nachdem er die Bauunternehmung Franz Lusser & Cie gründete.[5] Bemerkenswert am Bau des Tunnels war, dass ihm der Bau ein Jahr früher als projektiert und im Budgetrahmen gelang, obwohl der Tunnel zu seiner Zeit der zweitlängste der Schweiz war.[3][5]

Danach eröffnete Lusser ein Ingenieurbüro in Zug und war als Experte tätig. So war er bei der Errichtung von Elektrizitätswerken und Tunnels involviert, darunter der Albulatunnel in Graubünden und der Wocheinertunnel auf der Strecke KlagenfurtTriest, sein letztes Projekt im Ausland.[1][3]

1910 wurde Lusser vom Bundesrat zum Vizepräsidenten der Kreisdirektion V (Gotthardbahn) der SBB ernannt; er trat sein Amt am 1. April desselben Jahres an. Jedoch erlitt er noch im selben Jahr einen Schlaganfall, wodurch er teilweise gelähmt war. Er legte das Amt am 31. Dezember 1910 nieder.[1][3]

Commons: Franz Vital Lusser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Rolf Gisler-Jauch: Lusser, Franz Vital. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 29. Juli 2009, abgerufen am 22. November 2025.
  2. a b J. P. Zwicky von Gauen: Archiv für schweizerische Familienkunde. Band 2. Zwicky, 1948, ISSN 0258-5464, Ing. A. O. Lusser, Barbengo bei Lugano: Ahnentafel der Lusser vom Rosenhof in Zug. Mit 6 Tafeln, S. 10–20.
  3. a b c d e f g h Ernst Mathys: Männer der Schiene. 2. Auflage. Kümmerly & Frey, Bern 1955, OCLC 312224581, S. 72–74.
  4. Franz Odermatt: Land und Volk der Urschweiz. Selbstverlag, Stans 1940, OCLC 1271108674, S. 248–251.
  5. a b c d Martin Stuber: Lebensadern: Zuger Eisenbahngeschichte(n). Triner Media + Print, Schwyz 2023, ISBN 978-3-03310249-1, Zuger Spezialitäten – "Stadtbahn", Kollermühle, F. V. Lusser: Die Stadtbahn gab es schon 1902, S. 161–192.
  6. a b M. [Mirko] R. [Rŏs]: Lusser, Franz Vital. In: Carl Jegher (Hrsg.): Schweizerische Bauzeitung. Band 90, Nr. 18. Verlag Carl Jegher, 29. Oktober 1927, ISSN 0036-7524, S. 236 f. (e-periodica.ch [abgerufen am 22. November 2025]).