Franz Toula

Franz Toula, auch Franz Edler von Toula, (* 20. Dezember 1845 in Wien; † 3. Jänner 1920 ebenda) war ein österreichischer Paläontologe und Geologe.

Leben

Toula besuchte die Schottenfelder Realschule und studierte Geologie und Paläontologie an der TH Wien bei Ferdinand von Hochstetter, dessen Assistent er 1869 wurde. 1872 wurde er Lehrer (in Österreich Professor) für Naturgeschichte und Geographie an der Realschule in Gumpendorf. 1877 wurde er nach der Habilitation Privatdozent und 1880 als außerordentlicher Professor und ab 1884 als Professor für Geologie und Mineralogie an der TH Wien Nachfolger von Hochstetter, der 1880 die Leitung des Naturhistorischen Museums übernahm. 1893/94 war er Rektor. 1917 ging er in den Ruhestand. Er war Hofrat.

Er befasste sich anfangs mit der Bearbeitung von Sammlungen aus Spitzbergen, Ostgrönland und Nowaja Semlja, schrieb aber auch für Wiener Tageszeitungen über Geologie (so von einer Ural-Expedition 1872/73 oder vom Vesuv) und hielt Vorträge im Wiener Verein zur Verbreitung Naturwissenschaftlicher Kenntnisse, dessen Vizepräsident er 1886 wurde.

Er bekannte sich offen zum Darwinismus und beteiligte sich am Ehrengeschenk der deutschen Anhänger zu Darwins 69. Geburtstag, einem vom Rechnungsrat und Naturforscher Emil Rade (1832–1931) initiierten, von Ernst Haeckel geförderten und im Wesentlichen von Arthur Fitger mit insgesamt 21 Blättern gestalteten mit Silber-(und Gold-)beschlägen reich verzierten 50 cm hohen und 43 cm breiten Album (Darwin-Album von 1877),[1] in dem ab Blatt 3 zahlreiche Fotografien seiner Anhänger in je ein bis zehn passepartoutartig geschnittenen Feldern eingefügt sind. Als Dr. Franz Toula (fehlerhaft Druck Denen/korrigiert handschriftlich auf Toula) und dem Zusatz Mit herzlichem Glückauf wurde er auf Blatt 7 (Wien II) in diesem Album, das Darwin im Februar 1877 überreicht wurde, aufgenommen.[2]

1888 wurde er Mitglied der Leopoldina.[3]

Geologisch erforschte er ab den 1870er Jahren im Auftrag der Akademie der Wissenschaften den westlichen Balkan und Bulgarien (wie gleichzeitig Melchior Neumayr in Griechenland). Weitere Forschungsreisen an den Balkan folgten 1880, 1884 und 1890. Außerdem forschte er 1888 auf der Krim, 1892 in der Dobrudscha, 1893 in der Bukowina, 1895 am Bosporus und in Kleinasien und 1896/97 in Rumänien. Mit Theodor Fuchs und anderen gründete er in Wien den Naturwissenschaftlichen Orientverein. Ein weiterer Schwerpunkt war die Geologie und Paläontologie der Umgebung von Wien, wobei er sich sowohl mit Wirbellosen (Ammoniten, auch Mikropaläontologie von Tiefbohrungen im Wiener Becken) als auch mit Wirbeltieren (Funde des Tertiär aus Österreich) befasste und ein geschickter Präparator war.

Zu seinen Assistenten gehörte August Rosiwal.

Schriften

  • Eine geologische Reise nach Kleinasien, (Bosporus und Südküste des Marmarameeres), Beiträge zu Paläontologie Österreich-Ungarns, Band 12, Heft 1, 1898, Digitalisat
  • Geologische Untersuchungen im östlichen Balkan und in den angrenzenden Gebieten, Wien, 1890, Digitalisat
  • Lehrbuch der Geologie, Wien: Hölder 1900 (Text- und Atlas-Band), 2. Auflage 1906, 3. Auflage 1918
  • Die Steinkohlen, ihre Eigenschaften, Vorkommen, Entstehung und nationalökonomische Bedeutung, 1888
  • Die Tiefbohrung bis 600 m Tiefe auf dem Gebiete der Fabrik chemischer Produkte und zwar der Holzverkohlungs-Industrie-Aktien-Gesellschaft in Liesing bei Wien. In: Nova Acta. Abhandlungen der Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher. Band C Nr. 3. Halle 1914.

Er bearbeitete auch die Neuauflagen des Leitfaden der Mineralogie und Geologie für die oberen Klassen der österreichischen Realschulen von Hochstetter und Anton Bisching.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Das Album enthält insgesamt 165 Porträts und befindet sich heute noch in der Darwin Collection im Down House, London, Luxted Road, Downe, Orpington, BR6 7JT
  2. Brunhild Gries: Emil Rade (1832–1931), sein Anteil an der naturkundlichen Erforschung Westfalens und das Darwin-Album von 1877. Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde, 68, 2, Münster 2006 (PDF)
  3. Mitgliedseintrag von Franz von Toula bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 18. Juni 2016.