Franz Schreiber (Politiker)

Franz Schreiber (* 11. Januar 1897 in Weseritz, Österreich-Ungarn; † 15. Februar 1947 in Prag) war ein sudetendeutscher Politiker in der Tschechoslowakei und in der Zwischenkriegszeit Abgeordneter der SdP im tschechoslowakischen Parlament.

Leben

Franz Schreiber war der Sohn von Adalbert Schreiber (1855–1927), einem Notar, Stadtrat und Bürgermeister von Weseritz. Nach Ablegung der Matura nahm Schreiber von 1915 bis 1918 als Angehöriger der k.u.k. Kaiserjäger am Ersten Weltkrieg teil. Aufgrund einer schweren Kriegsverletzung (er verlor eine Hand) wurde er mehrfach ausgezeichnet. Nach Kriegsende absolvierte er ein Ingenieurstudium an der landwirtschaftlichen Abteilung der Technischen Hochschule in Prag, das er als Diplom-Ingenieur abschloss. Nach einem landwirtschaftlichen Praktikum war er ab 1929 als Gutsverwalter in Roßbach unweit der Grenze zu Deutschland tätig.

Schreiber engagierte sich in deutschböhmischen Vereinigungen und politisch zunächst im Bund der Landwirte. Ab 1933 war er Mitglied der Sudetendeutschen Heimatfront (SHF), deren Ortsgruppe in Roßbach er leitete. Für die SdP, der Nachfolgepartei der SHF, gehörte er dem tschechoslowakischen Parlament in Prag von 1935 bis zum Oktober 1938 an. Während der Sudetenkrise setzte er sich im September 1938 in das nationalsozialistische Deutsche Reich ab und betätigte sich in einem Stab des Sudetendeutschen Freikorps. Nach dem Münchner Abkommen kam er wieder in seine Heimat zurück. Eine Aufnahme in die NSDAP scheiterte zunächst wegen seiner jüdischen Verwandtschaft, wurde aber durch einen Gnadenerlass Adolf Hitlers 1941 ermöglicht. Schreiber beantragte die Aufnahme in die Partei am 30. Mai 1941 und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.664.295).[1] Ab 1942 war er Vorstand des Bodenamtes in Pilsen und ab 1944 Leiter des Bodenamts in Brünn.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Schreiber im Juni 1945 in der wiedergegründeten Tschechoslowakei festgenommen und im Februar 1947 im sogenannten Abgeordnetenprozess in Prag wegen Hochverrat zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/39510729