Franz Mönks
Franz Josef Mönks (* 2. April 1932 in Goch; † 10. März 2020 Nijmegen) war ein deutsch-niederländischer Psychologe und Professor der Katholike Universiteit Nijmegen (jetzt Radboud-Universität Nijmegen); er war Mitbegründer des Internationalen Centrums für Begabungsforschung (ICBF) sowie langjähriges Mitglied im Kuratorium der Stiftung Internationales Centrum für Begabungsforschung.[1][2]
Leben
Er ist als Sohn eines Metzgers in einer antinazistischen Familie in Goch bei Kleve in Deutschland aufgewachsen. Er studierte Psychologie und Germanistik in Nijmegen, Münster und Bonn; an der Universität Bonn promovierte er 1966 unter der Betreuung von Hans Thomae über die Zukunftsvisionen von Jugendlichen. 1962 wurde er Mitarbeiter am Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie an der Faculty of Social Sciences der Radboud-Universität Nijmegen. 1967 wurde er dort ordentlicher Professor und Leiter des Lehrstuhls. 1988 erhielt er den neu eingerichteten Lehrstuhl für die Entwicklung hochbegabter Kinder und wurde gleichzeitig Direktor des dort neu gegründeten Zentrums für Hochbegabtenforschung (CSG). Von 1973 bis 1978 war er zudem Professor für Entwicklungspsychologie an der Universität Leuven.
Nach seiner Emeritierung 1997 war er noch an der Universität Münster und der Universität Antwerpen als Berater in Angelegenheiten der Hochbegabtenförderung und der Hochbegabtenforschung tätig.
Werk
Er wird als einer der Pioniere der Begabungsforschung und der Begabtenförderung in Europa angesehen. Er hat 1988 an der Universität Nijmegen das Centrum voor Begaafdheidsonderzoek (dt. Zentrum für Hochbegabtenforschung) mitgegründet und entscheidende Impulse und Empfehlungen für die Gründung des Internationalen Centrums für Begabungsforschung an der Universität Münster im Jahre 2001 gegeben. In seiner Zeit als Präsident des European Council for High Ability (ECHA) zwischen 1992 und 2008 fällt die von ihm initiierte Entwicklung des Weiterbildungsstudiums zum Erwerb des ECHA-Diploms „Specialist in Gifted Education“. 1988 gründete er die Hugo-de-Groot-Stiftung für Hochbegabtenforschung. Er war Mitbegründer und mehrere Jahre lang Leiter der daraus entstandenen Zentren für Hochbegabtenforschung in Antwerpen, Salzburg, Münster und Gaesdonck. In seinen Werken hat er auch eine Vielzahl praktischer Tipps zur Förderung und Unterstützung hochbegabter Kinder vorgestellt. Sein dazugehörendes Werk „Hochbegabte Kinder zu Hause und in der Schule“ ist in zwölf Sprachen (und Ländern) erschienen.
Von ihm stammt auch das „Triadische Interdependenzmodel der Hochbegabung“, mit dem verdeutlicht wird, dass die Manifestation einer hohen Begabung nicht ausschließlich von Persönlichkeitsmerkmalen abhängig ist, sondern auch entscheidend durch die soziale Umgebung beeinflusst wird. Die drei wichtigsten Bereiche der sozialen Umgebung sind für ein Kind seine Familie, das schulische Umfeld und die Peergroup (Freunde): „Hochbegabung als besondere (intellektuelle) Leistung ist das Resultat eines förderlichen Zusammenspiels (Interaktion) zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen Kreativität, Motivation und hohe (intellektuelle) Fähigkeiten und den Sozialbereichen Familie, Schule und Freundeskreis“. Für eine gelingende Interaktion zwischen einem Individuum und seiner Umwelt ist es zwingende Voraussetzung, dass das Individuum über ausreichende soziale Kompetenzen verfugt. Gerade hochbegabte Kinder sind aber beim Erwerb sozialer Kompetenzen benachteiligt, da sie wegen des großen Unterschiedes in der Entwicklung häufig Schwierigkeiten haben.[3]
Ehrungen/Positionen
- 1989–1996: Vizepräsident des Weltverbands für Hochbegabtenförderung (WCGTC).
- 1995: Ehrendoktorat der Päpstlichen Katholischen Universität von Peru in Lima
- 1996: Präsident des Europäischen Rates für Hochbegabung (ECHA)
- 1998: Ehrendoktorat der Pädagogischen Universität Havanna
- 2000: Kelemen-László-Preis der Ungarischen Gesellschaft für Psychologie
- 2004: drei Mal wiedergewählt als Präsident des ECHA
- 2006: Ehrendoktorat der Padjajaran-Universität in Bandung
- 2012: Lifetime Achievement Award der ungarischen Talentförderungsorganisation
- 2012: Lifetime Achievement Award von Mensa International
- 2019: Ehrenpräsident der ECHA
- Gastprofessuren in Hamburg, Düsseldorf, Lima, Bandung, Jakarta, Yogyakarta, Lexington (Kentucky), Debrecen, Hefei und Shanghai
Publikationen (Auswahl)
- Monografien
- Mit Irene H. Ypenburg: Hoogbegaafdheid bij kinderen. Boom Uitgevers, Amsterdam 2011, ISBN 978-94-6105-621-4.
- Rumänische Ausgabe: Copilul Nostru Este Supradot. Polirom, Iași 2017, ISBN 978-973-46-6864-9.
- Deutsche Ausgabe: Mit Irene H. Ypenburg: Unser Kind ist hochbegabt: Ein Leitfaden für Eltern (5., neu gest. und aktual. Auflage, revidierte Ausgabe). Ernst Reinhardt Verlag, München 2012, ISBN 978-3-497-60038-0.
- Mit Alphons M. Knoers: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. UTB, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8252-8080-2.
- Mit A. F. Hendriks: Erziehung als sozialer Prozess. Kohlhammer, Stuttgart 1973, ISBN 978-3-17-001498-5.
- Herausgeberschaften
- Mit Christian Fischer; Christiane Fischer-Ontrup; Friedhelm Käpnick; Claudia Solzbacher: Giftedness Across the Lifespan - Begabungsförderung von der frühen Kindheit bis ins Alter. Forder- und Förderkonzepte aus der Forschung. LIT Verlag, Münster 2015, ISBN 978-3-643-12962-8.
- Mit Bea Van den Bergh; Luc Goossens; Gerbert Haselager: Ontwikkelingspsychologie: inleiding tot de verschillende deelgebieden. Koninklijke Van Gorcum, Assen 2015, ISBN 978-90-232-5224-5.
- Mit William W. Hartup; Jan de Wit: Determinants of Behavioral Development. Academic Press, London 2013, ISBN 978-1-4832-4367-2.
- Mit Christian Fischer; Christiane Fischer-Ontrup; Friedhelm Käpnick; H. Scheerer; Claudia Solzbacher: Individuelle Förderung multipler Begabungen. Allgemeine Forder- und Förderkonzepte. LIT Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-643-11544-7.
- Mit Ulrike Kempter; George T. Betts; Jolene K. Kercher: Der Weg des selbstbestimmten Lernens: Auf dem Weg zum autonomen Leben: Auf dem Weg zum autonomen Leben. Tiefenstudium, Orientierung, Individuelle Entwicklung, Enrichment, Projektarbeit. LIT Verlag, Münster 2008, ISBN 978-3-8258-0023-9.
- Mit Christian Fischer; U. Westphal: Individuelle Förderung: Begabungen entfalten - Persönlichkeit entwickeln. Fachbezogene Forder- und Förderprojekte. LIT Verlag, Münster 2008, ISBN 978-3-8258-1180-8.
- Mit Christiane Fischer-Ontrup; Friedhelm Käpnick; Nils Neuber; Claudia Solzbacher; Christian Fischer: Potenzialentwicklung. Begabungsförderung. Bildung der Vielfalt: Beiträge aus der Begabungsforschung (Begabungsförderung: Individuelle Förderung und Inklusive Bildung). Waxmann, Münster 2017, ISBN 978-3-8309-3716-6.
- Mit Herman W. Van Boxtel; Michael W. Katzko: Education of the Gifted in Europe: Theoretical and Research Issues (European Meetings on Educational Research, Part A: Vol 28). Swets & Zeitlinger, Leiden 1992, ISBN 978-90-265-1262-9.
- Mit Christian Fischer; Esther Grindel: Curriculum und Didaktik der Begabtenförderung. Begabungen fördern, Lernen individualisieren. LIT Verlag, Münster 2009, ISBN 978-3-8258-7737-8.
- Mit Kurt A. Heller; A. Harry Passow: International Handbook of Research and Development of Giftedness and Talent. Pergamon, London 1993, ISBN 978-0-08-041398-3.
- Mit Gerhard Lehwald; Lieselotte Ahnert: Neugier, Erkundung und Begabung bei Kleinkindern. E. Reinhardt Verlag, München 1991, ISBN 978-3-497-01231-2.
- Mit John P. Hill: Adolescence and Youth in Prospect. IPC Science & Technology Press, Guildford 1977, ISBN 978-0-902852-66-2.
Weblinks
- Literatur von und über Franz Mönks im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Prof. Franz Mönks auf European Talent Centre Budapest, abgerufen am 15. November 2025.
- Franz Mönks auf Research Gate, abgerufen am 15. November 2025.
- Tyler Clark: In Memoriam: Dr. Franz Mönks, abgerufen am 15. November 2025.
- Anja Settnik: Trauer um den Gocher Begabungsforscher auf Rheinische Post vom 13. März 2020, abgerufen am 15. November 2025.
- Franz Mönks (1932–2020) Oral history ADNG auf YouTube, abgerufen am 15. November 2025.
Literatur
- Albert Ziegler (Hrsg.): Gifted education as a lifelong challenge : essays in honour of Franz J. Mönks. LIT Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-643-90275-7.
Einzelnachweise
- ↑ Nachruf Prof. Dr. Franz J. Mönks auf Internationales Centrum für Begabungsforschung, abgerufen am 14. November 2025.
- ↑ Peter Csermely: Franz Mönks (1932–2020) auf ECHA-News, abgerufen am 14. November 2025.
- ↑ Martina Kolcava; Stephanie Schmitt-Bosslet: Interdependenzmodell von F. J. Moenks (1986), abgerufen am 14. November 2025.