Franz Lissner

Franz Leo Lissner (* 2. August 1900 in Eickfier, Kreis Schlochau; † 4. Februar 1945 im Konzentrationslager Neuengamme) war ein deutsches Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Er wurde im Zuge der Aktion Arbeitsscheu Reich 1938 verhaftet, mehrfach inhaftiert und schließlich im Konzentrationslager Neuengamme ermordet.

Leben

Franz Leo Lissner wurde am 2. August 1900 in Eickfier im damaligen Westpreußen geboren. Seine Eltern waren Pauline, geb. Wollschläger, und Karl Lissner, ein Schneidermeister. Die Familie war katholischer Konfession. Lissner besuchte die Volksschule in seiner Heimat und absolvierte zwischen 1917 und 1920 eine Lehre zum Maurer.

Nach seiner Wanderzeit zog Lissner 1925 oder 1926 nach Uetersen im Kreis Pinneberg. Dort heiratete er 1926 die in Uetersen geborene Else Katharina, geb. von Döhren; aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Die Ehe wurde jedoch nach vier Jahren geschieden. Später war Lissner mit Marta Leuke aus Hamburg-Altona verlobt. Seine letzte bekannte Wohnadresse in Uetersen war Kleiner Sand 47.

Beruflich ist über Lissners Tätigkeit wenig bekannt; er arbeitete zeitweise als Maurer und war 1941/1942 auch als Aushilfe auf dem Fliegerhorst tätig. In seinen Personalakten war zudem vermerkt, dass er aufgrund seines gesundheitlichen Zustands als invalide gilt.

Vorstrafen und erste Haft

Lissners Leben war von mehrfachen Vorstrafen geprägt, darunter Diebstähle, fahrlässige Körperverletzung und Verletzung der Unterhaltspflicht. Ab 1928 wurde er mehrfach vom Amtsgericht Uetersen zu Geldstrafen oder kurzen Gefängnisaufenthalten verurteilt.

Verhaftung im Zuge der Aktion „Arbeitsscheu Reich“

Im April 1938 wurde Lissner im Rahmen der sogenannten Aktion „Arbeitsscheu Reich“ verhaftet. Diese Aktion richtete sich gegen Männer, die von den nationalsozialistischen Behörden als „arbeitsscheu“ oder „asozial“ gebrandmarkt wurden – Kategorien, die im NS-Regime genutzt wurden, um Menschen ohne rechtliche Grundlage in Haft zu nehmen und in Konzentrationslager zu verschleppen. Reichsweit waren 1938 im Rahmen dieser Aktion über 10.000 Männer betroffen.

Lissner wurde am 20. April 1938 in das Konzentrationslager KZ Buchenwald überstellt. Parallel dazu verurteilte ihn das Amtsgericht Uetersen im November 1938 wegen „Rückfalldiebstahls“ zu einem Jahr Gefängnis. Im Januar 1939 wurde er aus Buchenwald in die Strafanstalt Lübeck überführt, um diese Strafe zu verbüßen.

Weitere Haft und Deportation

Nach Verbüßung seiner Haft kehrte Lissner zunächst nach Uetersen zurück. Im Oktober 1942 verurteilte das Amtsgericht Uetersen ihn erneut wegen Diebstahls „unter den Voraussetzungen des strafschärfenden Rückfalls sowie vorsätzlicher Körperverletzung“ zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sieben Monaten in der Strafanstalt Rendsburg. Er sollte regulär im Mai 1944 entlassen werden, doch dies geschah nicht: Die Strafanstalt vermerkte, dass er „keine Gewähr für künftiges Wohlverhalten“ biete, und beantragte seine Überführung in Vorbeugehaft, was zur erneuten Inhaftierung führte.

Im Zuge dieser erneuten Maßnahme wurde Lissner über das Polizeigefängnis KoLaFu (Hamburg-Fuhlsbüttel) in das Konzentrationslager Neuengamme verbracht.

Tod im KZ Neuengamme

Franz Leo Lissner starb am 4. Februar 1945 im KZ Neuengamme im Alter von 44 Jahren. Die offizielle Todesursache lautete „Enterokolitis“ (Darmentzündung), doch aus quellenkritischer Sicht bleibt sie nicht gesichert. Sein Tod fiel in die letzte Phase des Zweiten Weltkriegs, in der die Haftbedingungen in den Lagern besonders brutal waren.

Erinnerung

Am 15. Februar 2019 wurde im Kleinen Sand 47 in Uetersen ein **Stolperstein für Franz Leo Lissner** verlegt.

Literatur

  • Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! Widerstand und Verfolgung im Kreis Pinneberg 1933–1945. Hamburg 1983.
  • Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein (AKENS): Dokumentationen zum Widerstand im Kreis Pinneberg.