Franz Georg Karl von Metternich
Franz Georg Karl Graf von Metternich-Winneburg, seit 1803 Fürst von Ochsenhausen (* 9. März 1746 in Koblenz; † 11. August 1818 in Wien) war Diplomat und Minister in österreichischen Diensten.
Familie
Er stammte aus der Linie Winneburg-Beilstein des Adelsgeschlechts Metternich und war der Sohn des Grafen Johann Hugo von Metternich-Winneburg und dessen Frau Clara Luise, Freiin von Kesselstatt. Er selbst heiratete 1771 Gräfin Maria Beatrix von Kageneck.
Kinder aus dieser Ehe waren:
- Pauline Kunigunde Walburga von Metternich-Winneburg (1771–1855) ⚭ 1817 Ferdinand Friedrich August, Herzog zu Württemberg, österreichischer Feldmarschall.
- Clemens Wenzel Lothar von Metternich-Winneburg (1773–1859), österreichischer Haus-, Hof- und Staatskanzler
- Joseph Lothar Clemens von Metternich-Winneburg (1774–1830) ⚭ Juliane Franziska Sulkowska (1776–1839), polnische Adelige
- Friedrich Ludwig von Metternich-Winneburg (1777–1778)
Biografie
Ausbildung und berufliche Anfänge
Da sein Vater bereits früh gestorben war, wuchs Metternich unter der Vormundschaft seines Onkels Franz Ludwig von Metternich-Winneburg auf. Metternich studierte Rechtswissenschaften in Mainz. Außerdem lernte er am Reichskammergericht in Wetzlar, dem Reichstag in Regensburg und am Reichshofrat in Wien das Funktionieren von Justiz und Verwaltung im Heiligen Römischen Reich kennen. Anschließend begab sich Metternich auf eine Grand Tour durch Italien.
Nach seiner Rückkehr wurde Metternich 1768 Gesandter des Kurfürsten von Trier Clemens Wenzeslaus in Wien. Später wurde er vom Kurfürsten zum Staats- und Konferenzrat für auswärtige Angelegenheiten ernannt. Metternich stand dabei für eine eher frankreichfreundliche Politik. Da er sich damit gegenüber den maßgeblichen Ministern nicht durchsetzen konnte, ging er 1773 an den kaiserlichen Hof.
Kaiserlicher Gesandter
In Wien wurde er vor allem von Wenzel Anton Kaunitz gefördert. Er wurde zum Gesandten für die Kurfürstentümer Trier und Köln sowie für den Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis ernannt. Er spielte bei der Wahl von Maria Kunigunde von Sachsen zur Fürstäbtissin von Essen (1780) sowie bei der Wahl von Maximilian Franz von Österreich zum Erzbischof von Köln und Bischof von Münster eine bedeutende Rolle. Allerdings scheiterte Metternich dabei, den Kandidaten des kaiserlichen Hofes auch in den Bistümern Lüttich, Hildesheim und Paderborn durchzusetzen. Zeitweise war Metternich auch Gesandter in Mainz, verlor aber durch Intrigen das Vertrauen von Kurfürst Friedrich Karl von Erthal und wurde von diesem Posten wieder abberufen. Der Versuch Metternichs eine Stelle als Kammerrichter am Reichskammergericht oder gar die eines Reichsvizekanzlers zu erringen, scheiterte an mangelnder Unterstützung von Kaunitz. Stattdessen wurde Metternich bei der Kaiserwahl von Leopold II. von 1790 zum zweiten kurböhmischen Wahlbotschafter ernannt.
Im Jahre 1782 wurde er in Straßburg Mitglied des Freimaurerbundes; die Loge Karoline zu den drei Pfauen in Neuwied führte ihn im Jahr 1784 in ihren Akten als Meister vom Stuhl.[1][2] Er war außerdem Mitglied des Illuminatenordens.[3]
Minister für die Österreichischen Niederlande
Später spielte er bei der Beendigung der Lütticher Revolution eine Rolle. In der Folge wurde Metternich zum bevollmächtigten Minister für die Österreichischen Niederlande ernannt. Sein Einflussbereich wurde allerdings vom offiziellen Statthalter Herzog Albert von Sachsen-Teschen deutlich eingeschränkt. Metternich kam den Landständen entgegen, konnte diese aber nicht wirklich überzeugen. Seine Lage in Brüssel wurde 1792 durch den Beginn des Ersten Koalitionskrieges gefährlich und er zog sich zwischenzeitlich zurück. Durch den Rücktritt von Kaunitz verlor Metternich seinen wichtigsten Fürsprecher in Wien. Nach dem Verlust der Österreichischen Niederlande an Frankreich 1794 kehrte Metternich nach Wien zurück. Durch den Vormarsch der Franzosen verlor er einen Großteil seiner Besitzungen im Rheinland und die Familie geriet dadurch in finanzielle Schwierigkeiten. Zunächst ohne weitere Verwendung wurde er 1797 Gesandter des Reiches auf dem Kongress zu Rastatt. Nach dem für Österreich eher negativen Verlauf, wofür Metternich nicht verantwortlich war, verlor er jeden Rückhalt am Hof in Wien.
Standeserhöhung und späte Jahre
Die titelgebende Machtbasis der Familie, die Reichsgrafschaften Winneburg und Beilstein, gingen während der Koalitionskriege an Frankreich verloren, was nach der Logik des Alten Reichs eigentlich auch den Verlust der Grafenwürde bedeutete. Im Gedanken an die Zukunft seiner Familie hatte Franz Georg bereits am 26. Mai 1803 ein persönliches Gesuch an den Kaiser um die Verleihung der Fürstenwürde gestellt. Es galt den sozialen Abstieg zu verhindern, dafür bedurfte es eines Ersatzes für die verlorenen linksrheinischen Familienbesitzungen; eine neue Herrschaft als Legitimationsgrundlage, die Kaiser Franz II. aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses und in Anerkennung der dreißigjährigen Dienste Metternichs für Kaiser und Reich gerne zu geben bereit war. Die in Württemberg gelegene ehemalige Reichsabtei Ochsenhausen wurde säkularisiert und zum Fürstentum umgewandelt. Franz Georg wurde am 30. Juni 1803 zum Reichsfürst von Ochsenhausen erhoben. Ganz umsonst war diese Standeserhöhung jedoch nicht, Franz Georg musste 31.612 Gulden in bar an das Taxamt der kaiserlichen Hofkanzlei bezahlen. Angesichts der finanziell prekären Lage, in der er sich schon seit Jahren befand, keine unerhebliche Summe.[4]
1804 wurde er zum Staats- und Konferenzminister ernannt, ohne dass damit eine praktische Aufgabe verbunden gewesen wäre. Ochsenhausen war eine größere und reichere Herrschaft als die alten linksrheinischen Besitzungen, weshalb Franz Georg zuerst Hoffnung hatte, dass sich seine finanzielle Lage bessern könnte, doch dem wurde nicht so. Die Schulden der Metternichs stiegen, was sie bis vor das Reichskammergericht führte nach einer Anklage durch einen ihrer Gläubiger, der zwei Obligationen von Franz Georg einzutreiben suchte. Das Gerichtsurteil fiel am 3. Juni 1806 zu dessen Gunsten aus, Franz Georg hatte 7000 Gulden samt Verzugszinsen und Gebühren zu bezahlen. Die fällige Summe, die Franz Georg allgemein seinen Gläubigern schuldete belief sich 1806 auf 625.796 Gulden. In Belange seiner vielen offenen Forderungen war es zwei Jahre später dann endgültig offensichtlich geworden, dass Metternich diese nicht mehr aus eigener Kraft tilgen konnte, mittlerweile betrug die Schuldenlast über eine Million Gulden. Der einzige Ausweg war den gesamten Besitz und dessen Verwaltung an Clemens zu überschreiben, wogegen sich Franz Georg zu anfangs jedoch noch teilweise wehrte. Erst nach einer umfassenden Finanzaufstellung und der Erstellung eines Tilgungsplans fand er sich am 23. Dezember 1808 dazu bereit auf einen Familienvertrag einzugehen, durch den er das Fideikommiss Königswart und weitere Güter samt aller damit verbundenen Schulden und Hypotheken an Clemens abtrat. Die Sanierung der Familienfinanzen war fortan Sache seines Sohnes.[5]
Verschärft wurde die finanzielle Lage 1809 zunächst mit dem Verlust Ochsenburgs nach einer Beschlagnahme durch den König von Württemberg, welche aber durch Franz Georgs Sohn Clemens ein Jahr später aufgrund dessen besonderer politischer Stellung rückgängig gemacht werden konnte (1825 endgültig verkauft zugunsten der Domäne Plaß ein Jahr später).
Während sich Clemens 1810 wegen der Hochzeit von Marie-Louise von Österreich mit Napoleon in Paris aufhielt, vertrat ihn Franz Georg als Leiter der Hof- und Staatskanzlei. Als solcher suchte er die Annäherung Österreichs an Russland. Nach der Rückkehr von Clemens machte dieser die Anordnungen seines Vaters rückgängig, da er zu diesem Zeitpunkt für eine Politik an der Seite Frankreichs plädierte. Als Inhaber der mediatisierten Herrschaft Ochsenhausen war Metternich virilstimmberechtigtes Mitglied der württembergischen Ständeversammlungen von 1815 bis 1817, nahm aber an den Sitzungen in Stuttgart nicht persönlich teil, sondern ließ sich durch Graf Richard von Schaesberg-Thannheim vertreten.
Metternich starb dreiundsiebzigjährig am 11. August 1818 in der Tuchlauben Nr. 602 in Wien an Altersschwäche. Die Beisetzungszeremonie fand am 13. August in der Wiener Peterskirche statt, ehe sein Leichnam zur letzten Ruhe nach Böhmen in die metternich'sche Familiengruft in Königswart gebracht wurde.[6]
Titel und Ehren
1773 trug Franz Georg zum Zeitpunkt der Geburt seines ältesten Sohnes folgende Titel:
„Seine Erlaucht, Franz Georg Karl von Metternich, Graf von Winneburg und Beilstein, Herr in Königswart, Spurkenburg, Naunheim, Reinhardstein und Pousseur, erblicher Mainzer Erzkämmerer, kaiserlicher wirklicher Kammerherr, kurfürstlich trierischer geheimer Konferenzminister und Vize-Oberhofmarschall“
Wie bei jedem Adeligen mit einer vergleichbaren langjährigen Verwendung im Staatsdienst verschiedener Landesfürsten wandelte sich dieser Titel im Laufe des Lebens. So kamen später jene eines kaiserlichen Gesandten an die kurfürstlichen Höfe in Mainz, Trier und Köln hinzu. Weitere explizit österreichische Titel und Ehren waren die eines kaiserlich-königlichen wirklichen Kämmerers, wirklicher kaiserlicher und königlicher Geheimrat, Ritter des Goldenen Vlies und Großkreuz-Träger des königlich-ungarischen St. Stephansordens.
Literatur
- Constantin von Wurzbach: Metternich-Winneburg, Franz Georg Fürst. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 18. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1868, S. 60–62 (Digitalisat).
- Helmut Mathy: Franz Georg von Metternich, der Vater des Staatskanzlers. Studien zur österreichischen Westpolitik am Ende des 18. Jahrhunderts (= Mainzer Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte, Bd. 8). Hain, Meisenheim am Glan 1969.
- Karl Otmar Freiherr von Aretin: Franz Georg Graf von Metternich-Winneburg. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 17. Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 235–236 (deutsche-biographie.de).
- Wolfram Siemann: Metternich: Stratege und Visionär. C.H. Beck Verlag, München 2016
Weblinks
- Sterbeeintrag von Franz Georg Karl von Metternich: Sterbebuch der Pfarre St. Peter 1810 - 1827
Einzelnachweise
- ↑ Robert A. Minder: Freimaurer Politiker Lexikon. Studienverlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2004, ISBN 3-7065-1909-7, S. 160.
- ↑ Die Freimaurerei in Neuwied in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, Dr. iuri Arwid Liersch, 1899, S. 69 [1]
- ↑ FactGrid:The Gotha Illuminati Research Base - FactGrid. Abgerufen am 26. April 2025.
- ↑ Wolfram Siemann: Metternich: Stratege und Visionär. C.H. Beck Verlag, München 2016, Seiten 52–53
- ↑ Wolfram Siemann: Metternich: Stratege und Visionär. C.H. Beck Verlag, München 2016, Seiten 742–744
- ↑ Österreichischer Beobachter, 14. August 1818