Franz Christian Lerse

Franz Christian Lerse, auch Lersé (* 9. Juni 1749 in Buchsweiler im Elsass; † 15. Juni 1800 in Wien), war ein deutscher Pädagoge und früher Kunsthistoriker. Bekannt wurde er durch seine Freundschaft mit Johann Wolfgang von Goethe und durch die erste Beschreibung des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald noch aus der Zeit vor der Französischen Revolution.

Leben

Franz Christian Lerse wurde am 9. Juni 1749 in Buchsweiler geboren. Seine Eltern waren der Regierungsrat Philipp Jakob Lerse und seine Frau Marie Susanne geb. Barth.[1] In der weiterführenden Literatur werden noch sechs, teilweise sogar sieben Geschwister genannt.[Anm. 1] Sein Vater trat Anfang der 1760er Jahre in den Dienst bei Christian IV. ein und die Familie zog nach Zweibrücken, wo Franz Christian das Gymnasium besuchte. Für das Theologiestudium ging er zuerst nach Leipzig und schrieb sich dann am 25. Mai 1767 als Franciscus Christianus Lersé aus Buxovilla-Alsatus in Gießen ein.[2] Später wechselte er nach Straßburg und immatrikulierte sich als theologiae candidatus am 8. Juni 1770 an der dortigen Universität. Gewohnt hat er „bey der Frau Dr. Wilhelmini“.[3]

In Straßburg schloss sich Lerse dem Kreis um Johann Daniel Salzmann an, war häufig Gast der Mittagsgesellschaft und verkehrte dort mit Johann Heinrich Jung-Stilling, dem ebenfalls aus Buchsweiler stammenden Friedrich Leopold Weyland, Heinrich Leopold Wagner und dem gleichaltrigen Johann Wolfgang von Goethe. Jung-Stilling schreibt im dritten Teil seiner Autobiografie Heinrich Stillings Wanderschaft über eine dieser Zusammenkünfte mit Lerse und Goethe:

„Nun kam auch ein Theologe, der hieß Lerse, einer von den vortrefflichsten Menschen, Göthens Liebling, und das verdiente er auch mit recht, denn er war nicht nur ein edles Genie, und ein guter Theologe, sondern er hatte auch die seltene Gabe, mit trockener Miene die treffendste Satire in Gegenwart des Lasters hinzuwerfen. Seine Laune war überaus edel."“[4]

Im Herbst 1771 ging Goethe zurück nach Frankfurt und Lerse zog nach Versailles, wo er als Hauslehrer für die Kinder des Diplomaten Christian Friedrich Pfeffel von Kriegelstein tätig war. Schon 1773 kehrte Lerse in das Elsass zurück, ging nach Colmar und schloss sich Gottlieb Konrad Pfeffel an, der ihn als Lehrer für neuere Sprachen und Geschichte an seine École militaire berief. Pfeffel verlor später während der Französischen Revolution sein gesamtes Vermögen und die Schule musste 1792 wegen finanzieller Schwierigkeiten endgültig schließen.

Lerse war kurz Offizier in der neugebildeten Nationalgarde und blieb noch bis Februar 1793 als Distriktsarchivar und leitender Bibliothekar in Colmar. Es war dies die Zeit, in der er sich für die Rettung der in den Kirchen verbliebenen Kunstwerke einsetzte, darunter waren die Tafeln des Isenheimer Altars und Martin Schongauers bekannte Madonna im Rosenhag. Im Frühjahr 1793 verließ Lerse dann endgültig Colmar und ging nach Wien.[5] Er folgte als Hofmeister einem seiner ehemaligen Schüler an der École militaire, dem Reichsgrafen Moritz von Fries.

Im Herbst 1794 begleitete Lerse seinen Schüler Fries nach Leipzig, wo dieser mit einem Jurastudium seine Ausbildung abschließen sollte. Am 18. Oktober 1794 immatrikulierten sich beide an der dortigen Universität. Zu Fries heißt es in den Matrikelbüchern: „Fries a commes maur. Vindobonen. i 18. X. 1794“ und zu Lerse: „Lerse a Franc. Christ., consiliarius aulicus Bipontin. i 18. X. 1794, dp. Gießen.“[6]

Sie blieben bis September 1797 in Leipzig und unternahmen „zahlreiche Reisen […], die den Erzieher und seinen an der Kunst begeisterten Schüler nach Dresden, nach Berlin und natürlich auch des öfteren zu Goethe nach Weimar führten. [Eine für] Moritz Fries, seinen Charakter, wie auch seinen späteren Lebensweg sicherlich prägende Zeit.“[7]

Wieder in Wien lernte Lerse 1798 im Hause des Bankiers Nathan Adam von Arnstein die junge Sophie Brentano kennen, die sich zusammen mit ihrer Stiefmutter ebenfalls in der Stadt aufhielt. Er warb vergebens um die viele Jahre jüngere Frau, die ihn folgendermaßen beschrieb:

„Hofrat Lerse, Mentor des jungen Grafen, nah an 50. keplerigten Angesichts, groß, mager, Ailes de Pigeon. Schriftsteller, langsam und umständlich im reden, ergo auch langweilig, sagt das weib. Homme de reputation, soll ausgezeichnete Verdienste haben.“[8]

Beide blieben am Ende unverheiratet. Sophie Brentano verstarb mit nur 24 Jahren am 19. September 1800 auf dem Gut von Christoph Martin Wieland in Oßmannstedt. Lerse starb bereits wenige Monate vorher am 15. Juni 1800 im Alter von 51 Jahren im damaligen Palais Fries,[9] dem heutigen Palais Pallavicini am Josefsplatz 5 in Wien. Aus Anlass seines Todes erschien wenige Tage später in der Zeitschrift Der Teutsche Merkur ein anonym verfasster Nachruf:

„Durch den unvermutheten Tod des Hofraths Lerse, des vieljährigen Führers und geprüften Freundes unseres durch Kenntnisse und Humanität allgemein geschätzten Grafen Friese, hat Teutschland einen seiner geübtesten Kunstkenner […] verloren. […] Er war ein seltener Mann von Festigkeit und Güte, und ein Freund seiner Freunde, wie wenige!

Zwei Tage vor seinem Tode brachte [man ihm] noch einen herzlichen Gruß von Göthe, mit welchem er in jüngeren Jahren frohe Tage in Straßburg verlebt hatte. Dies war vielleicht die letzte angenehme Empfindung, mit der er aus der Welt ging. Menschen seines Gleichen werden immer weniger. Darum müsse uns sein Andenken heilig seyn.“[10]

Als Todesursache wurden damals nicht näher bezeichnete Lungengeschwüre genannt. Beigesetzt wurde Lerse in Wien.[11] Nähere Angaben können auch deshalb nicht gemacht werden, weil der zentrale evangelische Friedhof Matzleinsdorf erst 1858 geweiht wurde. Vorher wurden die Verstorbenen evangelischen Glaubens auf verschiedenen katholischen Friedhöfen der Stadt beerdigt, die heute teilweise nicht mehr existieren.

Freundschaft mit Goethe

Goethe und Lerse lernten sich 1770 als 21-jährige Studenten in Straßburg kennen. Sie beide waren Teilnehmer der Mittagsgesellschaft um den Juristen Johann Daniel Salzmann. Der Philologe Karl August Böttiger, der lange Zeit in Weimar gelebt hatte, schrieb rückblickend auf diese Zeit:

„Im Jahre 1770 kam Lerse von Gießen nach Straßburg, nachdem er vorher schon in Leipzig […] viele Geniestreiche gemacht hatte. Sie [Goethe und Lerse] waren in dieser Zeit unzertrennlich. Oft gingen sie auf den Münster und saßen stundenlang auf seinen Zinnen. Dort entstand Goethes Erwin, die erste Schrift, die Goethe drucken ließ. [Es könnte Goethes Text Von Deutscher Baukunst gemeint sein mit Verweis auf den Baumeister Erwin von Steinbach].

Oft fuhren sie den Rhein hinauf, lasen bei der Laterne in Ruprechtsau Ossian und Homer, schliefen in einem Bette zusammen, ohne doch zu schlafen. Da gerieth Goethe oft in hohe Verzückung […]. Er hatte ein unbegrenztes Zutrauen zu Lerse, der ihn lenken konnte, wohin er wollte. Sechs Wochen, nachdem er aus Straßburg war, schickte er ihm seinen Götz von Berlichingen ganz vollendet, da er vorher gewiß noch nicht daran gearbeitet hatte. Lerse tadelte einige gar zu freie Stellen, und diese blieben auch weg. Er schrieb damals sehr fleißig an Lerse […].

Als Goethe nach Weimar gekommen war, fingen seine Briefe an seltener zu werden. Dafür empfahl er Lerse an seine Schwester Cornelia, die Schlosserin. So wurde Lerse mit Schlosser bekannt, bei welchem er oft wochenlang in Emmendingen sich aufhielt.“[12]

Goethe setzte seinem Freund in dem erwähnten Drama Götz von Berlichingen ein literarisches Denkmal, indem er den treuen und klugen Knappen des Götz nach ihm benannte. Noch in diese frühe Zeit gehört ein weiteres schriftliches Dokument ihrer Freundschaft. Beide verband auch die gemeinsame Liebe zu dem englischen Dichter William Shakespeare.

Lerse trug den Straßburger Freunden am 14. Oktober 1771, dem Shakespeares-Tag, die von Goethe zu diesem Anlass geschriebene Rede vor, die dieser zeitgleich in Frankfurt hielt. Als Dank dafür schenkte Goethe ihm ein Exemplar des Buches Othello. The Moor of Venice, a tragedy written by Mr. William Shakespeare aus dem Jahr 1766. Folgende Widmung findet sich auf der Innenseite des Buchdeckels: Seinem und Schäkespears würdigem Freund Lersen, zum ewigsten Angedenken Goethe. Und Lerse hat noch hinzugefügt: Ewig sey mein Herze dein. Mein lieber Goethe. Lerse.[13] Das Buch befindet sich heute im Besitz des Goethe-Museums in Düsseldorf.

In den folgenden Colmarer Jahren, in denen zu Goethe nur brieflicher Kontakt bestand, war Lerse häufig zu Gast bei Goethes Schwester Cornelia und ihrem Mann Johann Georg Schlosser in Emmendingen. An diese Besuche erinnert eine Gedenktafel am Eingang des Schlosserhaus, in dem sich heute die Stadtbibliothek befindet.

Es ist kein Bildnis von Franz Christian Lerse überliefert. Sein Freund Goethe beschreibt ihn in seinem autobigrafischen Werk Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit mit diesen Worten:

„Bey allem diesen hatte er [Lerse] nichts Steifes in seinem Aeußeren. Er sprach treuherzig, bestimmt und trocken lebhaft, wobey ein leichter ironischer Scherz ihn gar wohl kleidete. An Gestalt war er gut gebildet, schlank und von ziemlicher Größe, sein Gesicht pockennarbig und unscheinbar, seine kleinen blauen Augen heiter und durchdringend. […]

Da er sich nun durchaus gleich blieb und als ein rechtes Muster einer guten und beständigen Sinnesart angesehen werden konnte, so prägte sich der Begriff von ihm so tief als liebenswürdig bey mir ein, und als ich den Götz von Berlichingen schrieb, fühlte ich mich veranlaßt, unserer Freundschaft ein Denkmal zu setzen und der wackern Figur, die sich auf so eine würdige Art zu subordiniren weiß, den Namen Franz Lerse zu geben.“[14]

Lerse und der Isenheimer Altar

Die einzige Beschreibung des vollständig erhaltenen Isenheimer Altars aus der Zeit vor der Französischen Revolution stammt aus der Hand von Franz Christian Lerse. Ihr „kommt [auch] deswegen eine herausragende Bedeutung zu, [weil sie] uns einen dokumentarischen Eindruck vom originalen Zustand des Werkes vermittelt.“[15] Lerse verfasste sie 1780/81 und gab ihr den Titel Anzeige der Gemählde und Statuen der ehemaligen Antonier Kirche zu Isenheim im Obern Elsaß. Am 24. Januar 1781 trug er die Beschreibung seinen Freunden in Colmar vor.[16] Das Manuskript befindet sich heute in der Stadtbibliothek in Colmar (Bibliothèque municipale de Colmar, Ms 761–1[2]).

Die erste Veröffentlichung des Manuskripts findet sich 1875 bei Charles Goutzwiller in seinem Werk Le Musée de Colmar: Martin Schongauer et son École, allerdings nur in französischer Übersetzung.[17] 1884 bezog sich Friedrich Niedermayer in seinem Aufsatz: Mathias Grünewald auf dieses Buch und gab erstmals Auszüge der Beschreibung auf Deutsch heraus, benannte aber als wahrscheinlichen Autor noch Jean-Pierre Marquaire (1770–1833), Lerses Nachfolger als Bibliothekar in Colmar.[18] Erst 1911 publizierte Heinrich Alfred Schmid die vollständige deutsche Originalfassung als Quelle Nr. 48 in seinem Standardwerk zur Grünewald-Forschung Die Gemälde und Zeichnungen von Matthias Grünewald und vermutete nun Franz Christian Lerse als Verfasser,[19] eine Zuweisung, an der heute keinerlei Zweifel mehr besteht.

Lerses „Text leitete den langen Prozess der Wiederentdeckung […] des Werks von Grünewald ein, der zu einer neuen Wertschätzung des Künstlers […] führte [und er] spielte während der Zeit der Französischen Revolution eine wichtige Rolle bei der Rettung der Hauptbestandteile des Altars.“[20]

Er schrieb als leitender Bibliothekar am 31. Oktober 1792 einen Brief an das Direktorium des Bezirks Colmar, in dem er inständig darum bat, die noch verbliebenen Kunstschätze der Kirchen und Klöster in der Bibliothek einzulagern, um sie vor der weiteren Zerstörung zu bewahren:[Anm. 2]

„Je crois de mon devoir de fixer votre attention sur des monuments qui se trouvent dans plusieurs églises et méritent d’être conservés avec le plus grand soin. Martin Schoen [Schongauer], […], est l’auteur de ces œuvres d’un mérite éminent, […] et qui sont ainsi conservées à Colmar. La cathédrale, l’église des Dominicains et celle de l’hôpital renferment encore plusieurs de ses tableaux et quelques autres faits par ses élèves. L’un de ces tableaux, le plus remarquable de Martin Schoen, connu dans l’histoire de l’art, se trouvait sur un autel derrière le chœur de la cathédrale. […] Ne pourrait-on pas lui assigner […] une place propre à les conserver, en les exposant en même temps aux yeux des curieux et des amateurs ? Le corridor de la bibliothèque offrirait une place aussi sûre que convenable, et l’amour du bibliothécaire pour les beaux-arts vous répond du zèle avec lequel il veillera sur ces intéressantes antiquités. Les tableaux de l’église de l’ordre de Malte à Issenheim ont été longtemps l’objet de la curiosité des voyageurs instruits ; ils sont très remarquables et risquent d’être entièrement gâtés dans l’église délaissée depuis plusieurs années.“[21]

Lerses eindringliche Bitte um Rettung und Einlagerung der Kunstschätze in der Bibliothek von Colmar wurde erhört. 1793 fertigte er einen Catalogue des tableaux et statues qui se trouvent à la Bibliothèque du District (Bibliothèque municipale de Colmar, boîte 6C3/1) an, wo er die geretteten Werke auflistete. Dort heißt es:[Anm. 3]

„Huit tableaux de l'eglise d'Issenheim peints sur bois en guise d'armoire. ~~dont deux de 8' 9" 6'" de heut sur 10' de large quatre de la même auteur et de la moitié de la largeur et 2 de 7' 10" de haut sur 2' 11" de largeur.~~“[22]

Zumindest die Altartafeln waren gerettet, denn „in der nun folgenden Schreckenszeit bis Herbst 1794 wurde ein großer Teil der Kunstwerke im Bezirk [Colmar] zugrunde gerichtet. […] Der Altaraufbau selber stand, wenn auch durch das Ausbrechen der Statuen etwas beschädigt, noch Anfang 1795 an Ort und Stelle.“[23] Erst danach verlieren sich seine Spuren. So ist es Lerses „kultureller Heldentat [zu verdanken], dass wir heute immer noch […] die Skulpturen und Gemälde des großartigen Isenheimer Altars sehen können.“[24]

Schriften

  • Anzeige der Gemählde und Statuen der ehemaligen Antonier Kirche zu Isenheim im Obern Elsaß. Colmar 1780 (Bibliothèque municipale de Colmar, Ms 761–1[2])[25]
  • Grundriß des akademischen Erziehungshauses in Colmar, Colmar 1781, zusammen mit Gottlieb Konrad Pfeffel (digitalisat)
  • Geschichte der Einführung der Reformation in der ehemaligen freien Reichstadt Colmar und ihrer Folgen bis zum Jahr 1632. Colmar 1790. (digitalisat)
  • Catalogue des tableaux et statues qui se trouvent à la Bibliothèque du District. Colmar 1793 (Bibliothèque municipale de Colmar, boîte 6C3/1)[26]

Die folgenden Schriften wurden ohne Angaben zum Verfasser veröffentlicht, werden aber Franz Christian Lerse zugeschrieben:[27]

  • Bemerkungen über die dem Kaiser Trajanus Decius zugeschriebene Verfolgung der Christen. In: Berlinische Monatsschrift, Bd. 1., Berlin 1795, S. 478–515. (digitalisat)
  • Bemerkungen über den gegenwärtigen Zustand der Kunst in Deutschland. In: Lyceum der schönen Künste. Bd. 1, Teil 1, Berlin 1797, S. 11–31. (digitalisat)

Zu folgendem Lehrbuch verfassten Gottlieb Konrad Pfeffel und Franz Christian Lerse die Vorrede:

  • Tabellarisches Lehrbuch der neuesten Geographie und Statistik aller europäischen Staaten. Ausgearbeitet von Friedrich Leopold Brunn, Bd. 1, Basel 1786 (digitalisat)

Lerse schrieb außerdem eine Parodie auf Goethes Gedicht Mignon, welche von Johann Friedrich Reichardt vertont und in seine Sammlung Lieder der Liebe und der Einsamkeit von 1798 aufgenommen wurde:[28]

Kennst Du ein Land? Wo stets die Veilchen blühn,
Am ewig grünen Busch die Rosen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Der Obstbaum reich und hoch der Weinstock steht?
Kennst Du es wohl? dahin, dahin
Möcht' ich mit Dir geliebte Freundin ziehn!

Kennst Du ein Land? Wo unter eignem Dach
Der Landmann ruht im reinlichen Gemach,
Wo Tugend herrscht, wo Freiheit mit ihr wohnt,
Das Laster nie auf goldnen Stätten thront?
Kennst Du es wohl? dahin, dahin
Möcht' ich mit Dir geliebte Freundin ziehn!

Kennst Du ein Land, von fern von Eitelkeit,
Man hoher Einfalt nur Ältäre weiht,
Wo Unschuld knüpft der reinen Liebe Band,
Und Weisheit mehr gilt als gelehrter Tand?
Kennst Du es wohl? O lass dahin,
Lass eilends uns, geliebte Freundin ziehn.

Briefe (Auswahl)

Das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar verwahrt in seinen Beständen drei Briefe von Lerse an seinen Jugendfreund Goethe:

Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden besitzt fünf Briefe Lerses aus den Jahren 1797–1799 an Carl August Böttiger:

In der Staatsbibliothek zu Berlin befindet sich im Nachlass von Friedrich Carl von Savigny ein Brief Lerses an Sophie Brentano:

  • Nachl. Friedrich Carl v. Savigny, Mappe 129

Im Stadtarchiv Colmar (Archives municipales de Colmar) ist heute ein Brief Lerses vom 7. November 1792 auffindbar, in der er um die Freistellung vom Dienst in der Nationalgarde bittet:

  • Archives municipales, RE E 42, 14

Literatur

  • Erich SchmidtLerse, Franz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 18, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 431 f.
  • Woldemar von Biedermann: Franz Lerse in Weimar. In: Goethe-Forschungen. Anderweitige Folge. Leipzig 1899, S. 107–110. (digitalisat)
  • Albert Becker: Franz Lerse, ein Zweibrücker Goethefreund. In: Mannheimer Geschichtsblätter. (Monatsschrift für die Geschichte, Altertums- und Volkskunde Mannheims und der Pfalz), hrsg. vom Mannheimer Altertumsverein e. V., 28. Jg., Nr. 5, Mannheim 1927, Sp. 115–117. (digitalisat)
  • Louis Kubler: François-Christian Lersé et la patrimoine artistiǫue du Haut-Rhin. In: Annuaire de la Société historique et littéraire de Colmar. Colmar 1953, S. 116–123. (digitalisat)
  • Egon Komorzynski: Goethe und die Grafen von Fries. In: Goethe. Neue Folge des Jahrbuchs der Goethe-Gesellschaft. hrsg. vom Andreas B. Wachsmuth, Bd. 19, Weimar 1957, S. 169–195. (digitalisat)
  • Maria Lanckoronka: Franz Christian Lerse, ein Jugendfreund Goethes. In: Jahrbuch der Sammlung Kippenberg. hrsg. vom Vorstand der Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung.Goethe-Museum Düsseldorf, Bd. 2, Frankfurt 1970, S. 151–169.
  • Christina Florack-Kröll: Lerse (Lersé), Franz. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 14. Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 320–321 (deutsche-biographie.de).
  • Roger Paulin: Franz Christian Lerses Straßburger Rede zum Shakespeares-Tag. (Fußnoten zur deutschen Literatur, hrsg. von Wulf Segebrecht, Bd. 53), Bamberg 2005, ISBN 3-935167-08-3.
  • François-René Martin: Décrire et sauver. François-Christian Lersé et les Primitifs allemands. In: Patrick Michel (Hrsg.): Art français et art allemand au XVIIIe siècle: regards croisés. (Rencontres de l’École du Louvre, Bd. 20), Paris 2008, ISBN 978-2-904187-22-3, S. 151–171, (Mit Abdruck des Catalogue des tableaux et statues qui se trouvent à la Bibliothèque du District, 1793).
  • Christian Steeb: Goethes Jugendfreund Franz Christian Lerse und seine Berufung nach Wien im Jahre 1793. In: Wiener Geschichtsblätter. 65. Jg., Nr. 3, Wien 2010, S. 199–220.
Commons: Franz Christian Lerse – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Albert Becker: Franz Lerse, ein Zweibrücker Goethefreund. In: Mannheimer Geschichtsblätter. Band 5. Mannheim 1927, S. 115.
  2. Otfried Praetorius, Friedrich Knöpp (Hrsg.): Die Matrikel der Universität Gießen. Zweiter Teil, 1708–1807. Neustadt a.d.Aisch 1957, S. 113.
  3. Gustav C. Knod (Hrsg.): Urkunden und Akten der Stadt Straßburg. 3. Abt: Die Alten Matrikeln der Universität Straßburg. 1621 bis 1793. Band 1:Die allgemeinen Matrikeln und die Matrikeln der philosophischen und theologischen Facultät. Straßburg 1897, S. 86.
  4. Johann Heinrich Jung-Stilling: Heinrich Stillings Wanderschaft: Eine wahrhafte Geschichte. Berlin 1778, S. 159 f.
  5. Österreichisches Staatsarchiv (OeStA): Lerse, Franzose, Erzieher, Aufenthaltsbewilligung (AT-OeStA/AVA Inneres PHSt 223.1793). 17. November 2025, abgerufen am 17. November 2025.
  6. Georg Erler (Hrsg.): Die Jüngere Matrikel der Universität Leipzig 1559–1809. 3: Die Immatrikulation vom Wintersemester 1709 bis zum Sommersemester 1809. Leipzig 1909, S. 98, 236.
  7. Christian Steeb: Goethes Jugendfreund Franz Christian Lerse und seine Berufung nach Wien im Jahre 1793. In: Wiener Geschichtsblätter. 65. Jg., Nr. 3. Wien 2010, S. 211.
  8. Christian Steeb: Goethes Jugendfreund Franz Christian Lerse und seine Berufung nach Wien im Jahre 1793. In:Wiener Geschichtsblätter. 65. Jg., Nr. 3. Wien 2010, S. 215.
  9. Christian Steeb: Goethes Jugendfreund Franz Christian Lerse und seine Berufung nach Wien im Jahre 1793. In: Wiener Geschichtsblätter. 65. Jg., Nr. 3. Wien 2010, S. 216.
  10. Anonym: Nachruf auf Franz Christian Lerse. In: Der Teutsche Merkur, Bd. 2. Weimar 1800, S. 258.
  11. Egon Komorzynski: Goethe und die Grafen von Fries. In: Andreas B. Wachsmuth (Hrsg.): Goethe. Neue Folge des Jahrbuchs der Goethe-Gesellschaft. Band 19. Weimar 1957, S. 174.
  12. Karl Wilhelm Böttiger (Hrsg.): Literarische Zustände und Zeitgenossen. Band 1. Leipzig 1838, S. 60 f.
  13. Roger Paulin: Franz Christian Lerses Straßburger Rede zum Shakespeares-Tag. In: Fußnoten zur deutschen Literatur. Band 53. Bamberg 2005, S. 12 f.
  14. Johann Wolfgang von Goethe: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. Band 2. Tübingen 1812, S. 385 ff.
  15. Reiner Marquard: Mathias Grünewald und die Reformation. Berlin 2009, S. 231.
  16. Maria Lanckoronka: Franz Christian Lerse, ein Jugendfreund Goethes. In: Jahrbuch der Sammlung Kippenberg. Band 2. Frankfurt 1970, S. 163.
  17. Charles Goutzwiller: Le Musée de Colmar: Martin Schongauer et son École. Colmar 1875, S. 139–152.
  18. Friedrich Niedermayer: Mathias Grünewald. In: Repertorium für Kunstwissenschaft. Band 7. Berlin 1884, S. 245–266.
  19. Heinrich Alfred Schmid: Die Gemälde und Zeichnungen von Matthias Grünewald. Band 2 (Textband). Straßburg 1911, S. 87.
  20. François-René Martin, Michel Menu, Sylvie Ramond: Grünewald. Köln 2013, S. 280.
  21. Louis Kubler: François Christian Lersé et la Patrimoine Artistiǫue du Haut-Rhin. Colmar 1953, S. 121 f.
  22. François-René Martin: Décrire et sauver. François-Christian Lersé et les Primitifs allemands. Paris 2008, S. 170.
  23. Heinrich Alfred Schmid: Die Gemälde und Zeichnungen von Matthias Grünewald. Band 2 (Textband). Straßburg 1911, S. 106.
  24. François-René Martin, Michel Menu, Sylvie Ramond: Grünewald. Köln 2013, S. 105.
  25. Lersé, François Christian: Anzeige der Gemählde und Statuen der ehemahligen Antonier Kirche zu Isenheim im Obern Elsass. In: AGORHA. Institut national d'histoire de l'art, 2025, abgerufen am 9. Dezember 2025.
  26. Lersé, François Christian: Catalogue des Tableaux et statues qui se trouvent à la Bibliothèque du District. In: AGORHA. Institut national d'histoire de l'art, 2025, abgerufen am 9. Dezember 2025.
  27. Maria Lanckoronka: Franz Christian Lerse, ein Jugendfreund Goethes. In: Jahrbuch der Sammlung Kippenberg. Band 2. Frankfurt 1970, S. 162.
  28. Iris Winkler: Spätgeburt der Aufklärung: Reichardts Liederspiel Kunst und Liebe. Bubenreuth 1995, S. 24.

Anmerkungen

  1. Zu einzelnen Aspekten der Biografie von Franz Christian Lerse gibt es in der Literatur widersprüchliche Aussagen, die heute nicht mehr aufzulösen sind. So wird von drei, manchmal sogar vier Brüdern gesprochen. Historisch belegbar sind Ludwig Heinrich (1746–1809), der als Landesdirektionsrat im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken wirkte und in Mannheim verstarb, sowie Philipp, der bayerischer Regierungsrat war. Es werden weiterhin drei Schwestern angeführt. Urkundliche Belege gibt es aber nur für Henriette und Luise, denen vom Pfalzgrafen Max Joseph 1796 eine jährliche Pension zugesprochen wurde (vgl. Westpfälzische Geschichtsblätter, Bd. 26, Zweibrücken 1927, S. 443). Sich widersprechende Angaben gibt es auch zum Sterbeort von Lerse. Meistens wird das Schloss Vöslau der Familie Fries genannt. Christian Steeb, der sich 2010 eingehend mit der Biografie von Lerse und seinen letzten Lebensjahren beschäftigt hat, führt hingegen das Stadtpalais der Familie am Wiener Josephslatz an (vgl. Christian Steeb: Goethes Jugendfreund Franz Christian Lerse und seine Berufung nach Wien im Jahre 1793. In: Wiener Geschichtsblätter. 65. Jg., Nr. 3, Wien 2010, S. 216). Und so steht es auch in der Wiener Zeitung vom 25. Juni 1800 (S. 2047): Den 16. Juni. In der Stadt. H[er]r. Franz v. Lerse, herrs[chaftlicher] Gouverneur u[nd] Churpfälz[ischer] Hofrath, alt 50 J[ahre] am Josephespl[atz] R.1224. Aber hier wird, abweichend zu allen anderen Schriften, der 16. Juni als Todestag genannt.
  2. Die bei Louis Kubler 1953 in seinem Aufsatz genannte Signatur des Briefs im Stadtarchiv Colmar ist falsch. Unter dieser ist er heute nicht mehr auffindbar. Ob der Brief letztendlich verschollen ist, ist bis auf weiteres unklar. Die deutsche Übersetzung lautet: „Ich halte es für meine Pflicht, Ihre Aufmerksamkeit auf Denkmäler zu lenken, die sich in mehreren Kirchen befinden und die mit größter Sorgfalt erhalten werden sollten. Martin Schoen [Schongauer], […], ist der Schöpfer dieser Werke von herausragendem Wert, […] die in Colmar aufbewahrt werden. Die Kathedrale, die Kirche der Dominikaner und die des Hospitals beherbergen noch mehrere seiner Gemälde und einige andere, die von seinen Schülern geschaffen wurden. Eines dieser Gemälde, das bemerkenswerteste von Martin Schoen [Madonna im Rosenhag], das in der Kunstgeschichte bekannt ist, befand sich auf einem Altar hinter dem Chor der Kathedrale. […] Könnte man ihnen nicht […] einen geeigneten Ort zuweisen, der ihrer Erhaltung dient, und sie zugleich den Augen von Liebhabern und Kennern zugänglich macht? Der Korridor der Bibliothek böte einen ebenso sicheren wie geeigneten Ort, und die Liebe des Bibliothekars zu den schönen Künsten wäre ein sicherer Garant für den Eifer, mit dem er über diese interessanten Altertümer wachen würde. Die Gemälde der Malteserkirche in Isenheim waren lange Zeit Gegenstand der Neugier gebildeter Reisender; sie sind sehr bemerkenswert und laufen Gefahr, in der seit mehreren Jahren verlassenen Kirche völlig zu verfallen.“ (übersetzt mit DeepL)
  3. „Acht Gemälde aus der Kirche von Issenheim, auf Holz gemalt in Form eines Schranks. ~~Davon zwei mit einer Höhe von 8' 9" 6'" [8 Fuß, 9 Zoll und 6 Linien ≙ 2,68 Meter] und einer [gesamten] Breite von 10' [10 Fuß ≙ 3,05 Meter], vier vom gleichen Künstler und mit der Hälfte der Breite und zwei mit einer Höhe von 7' 10" [7 Fuß und 10 Zoll ≙ 2,39 Meter] und einer Breite von 2' 11" [2 Fuß und 11 Zoll ≙ 89 cm]~~“(übersetzt mit DeepL). Lerse hat die Maße des großen Kreuzigungsbildes fast exakt wiedergegeben, diese jedoch später wieder gestrichen. Dies deutet darauf hin, dass er die eingelagerten Altartafeln selbst gesehen und vermessen hat.