Frankenberg (Adelsgeschlecht)

Frankenberg ist der Name eines schlesischen Uradelsgeschlechts, das sich nach der Burg Frankenberg bei Frankenstein im Fürstentum Münsterberg nennt.[1] Nachkommen der Stämme Frankenberg und Ludwigsdorf sowie Frankenberg und Proschlitz gibt es bis heute.

Die im Mannesstamm zum Geschlecht derer von Lüttwitz gehörende Linie Frankenberg-Lüttwitz wird unter Lüttwitz beschrieben.

Geschichte

Die Familie wird am 31. März 1206 in Dresden mit Henricus de Frankenberg erstmals[2] urkundlich als Zeugen des Markgrafen Dietrich von Meißen erwähnt.[3] Die Stammreihe beginnt mit Dietrich von Frankenberg, urkundlich 1283–1323.[1]

Standeserhebungen

Linien

Frankenberg und Ludwigsdorf

Der Stamm Ludwigsdorf benannte sich nach dem Ort „Ludwigsdorf“ (seit 1945 polnisch: Bystre in der Landgemeinde Oleśnica).

Gräfliche Linie von Frankenberg und Ludwigsdorf

Diese 1937 im Mannesstamm erloschene Linie stammte direkt von dem im Jahr 1700 gegraften Hans Wolfgang Wenzel von Frankenberg, Freiherr von Schellendorf, ab. Zu ihr gehörte Graf Fred von Frankenberg und Ludwigsdorf, Freiherr von Schellendorf (1835–1897), auf Tillowitz usw., königlich preußischer Wirklicher Geheimer Rat und Major a. D., Mitglied des preußischen Staatsrats und Mitglied des preußischen Herrenhauses auf Lebenszeit, Ehrenritter des souveränen Malteser-Ritterordens, der 1872 in Slawentzitz Prinzessin Luise zu Hohenlohe-Öhringen (1851–1920) heiratete. Sie war eine Tochter des königlich preußischen Generals der Infanterie à la suite der Armee, des Fürsten Hugo zu Hohenlohe-Öhringen, Herzog von Ujest, und der Prinzessin Pauline zu Fürstenberg. Deren Kinder waren Graf Konrad und Gräfin Luise. Graf Konrad von Frankenberg und Ludwigsdorf (1877–1937) war der letzte männliche Vertreter dieser gräflichen Linie.[1]

Graf Konrad Graf von Frankenberg und Ludwigsdorf (1877–1937) war Ehrenritter des souveränen Malteser-Ritterordens und heiratete 1907 in London die in Berlin geborene Alice Friedmann (1879–1927), Tochter eines Fabrikbesitzers. Aus der Ehe gab es keine Kinder, aber Gräfin Alice war in erster Ehe mit dem von ihr geschiedenen Kaufmann George Solman verheiratet, von dem sie zwei Töchter hatte, Yvonne Solman (* 1902 in Berlin; † 1946 in Kairo) und Liselotte Solman (* 1903 in Berlin). Diese wurden von Graf Konrad, als ihrem zweiten Ehemann, 1926 adoptiert. Deshalb führten sie den Namen Gräfin von Frankenberg und Ludwigsdorf als Geburtsnamen. Yvonne von Frankenberg war dreimal, erst mit dem Berliner Berti Treek, dann dem Musikverleger Otto Fürstner (1886–1958), von denen sie jeweils geschieden wurde, und zuletzt mit dem Handelsattaché der Ägyptischen Botschaft, de Nasr, verheiratet. Ihre Schwester Liselotte war seit 1923 mit Dr. jur. Clemens Graf von Westphalen zu Fürstenberg (* 1896), Leiter der Rechtsabteilung der GEMA, verheiratet. Von ihm wurde sie 1931 geschieden. 1935 heiratete sie in London Ben Meigs und lebte später in New York. Die Schwester des letzten Grafen von Frankenberg und Ludwigsdorf, Gräfin Luise (1879–1941), heiratete 1901 in Tillowitz den auf Schloss Laer geborenen Lubbert Graf von Westphalen zu Fürstenberg (1872–1932), der königlich preußischer Vize-Oberstallmeister und Major a. D., vormals à la suite der Armee, war.[1] Die letzte Ruhestätte des Ehepaares befindet sich als Mausoleum auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.

Frankenberg und Proschlitz

Der Stamm Proschlitz stellte vor allem Offiziere. Im 17. und 18. Jahrhundert waren Angehörige zu Omichau (ab 1679 Dietrich von Frankenberg) und (bis 1724) zu Boroschau ansässig, im 18. Jahrhundert auch auf Lessa, Buchwald und Klein Deutschen.

Frankenberg'sche Porzellanmanufaktur

Die Familie war, wie häufig beim schlesischen Adel zutreffend, auch industriell tätig und betrieb eine Frankenberg'schen Porzellanmanufaktur. Die Erzeugnisse trugen eine Prägung „T“, nach dem Gutsstandort Tillowitz bezeichnet. Nachfolgend kam eine weitere Prägung „T b F“ hinzu, hier benannt nach dem Ort „Tillowitz bei Frankenberg“ oder „Tillowitz b. F“. Aus dem Unternehmen entwickelte sich die „Steingutfabrik Tillowitz O/S“.[5]

Wappen

  • Beim gräflichen Wappen Frankenberg und Ludwigsdorf im Diplom von 1714 anlässlich der Namen- und Wappenvereinigung mit den im Mannesstamm erloschenen Freiherren von Schellendorf ist der Hauptschild geviert und belegt mit geviertem Mittelschild, der wiederum mit dem Stammwappen als Herzschild belegt ist; Mittelschild: in Feld 1 und 4 in Rot drei in schroffe Spitzen aufsteigende grüne Berge (Grafen von Hochberg), 2 in Schwarz ein golden gekrönter rechtsgekehrter goldener Löwe (auch Grafen von Hochberg), 3 in Schwarz ein linksgekehrter silberner Fuchs (Variante der Stammwappenhelmzier); Hauptschild (Freiherren von Schellendorf): 1 und 4 in Silber ein roter Balken, begleitet oben und unten von vier blauen Wecken, 2 und 3 in Schwarz ein einwärts gekehrter, golden gekrönter goldener Löwe. Drei Helme; auf dem rechten und linken ein wachsender gekrönter goldener Löwe (Freiherren von Schellendorf), auf dem mittleren mit rot-goldenen Decken ein rechtshin sitzender naturfarbener Fuchs mit drei roten Hahnenfedern im Fang (Stammwappenhelm).[1]

Bedeutende Vertreter

Frankenberg und Ludwigsdorf

Frankenberg und Proschlitz

Literatur

  • [Brünner] Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Brünn 1879, S. 390 ff.; Brünn 1885, S. 136; Brünn 1888, S. 161 u. 642. [1894 eingestellt.].[6]
  • Moritz von Frankenberg-Ludwigsdorff: Notizen über die Familie der Grafen, Freiherrn und Herrn von Frankenberg-Proschlitz, Ludwigsdorff und Lüttwitz. Fr. Würtz (Johannes Waitz), Darmstadt 1878. (Digitalisat)
    • Ders. Nachtrag, Darmstadt 1887.
  • Carl Alexander von Frankenberg und Proschlitz: Bilder aus Frankenberg`scher Vergangenheit. Heft 2, Heft 3, Breslau 1900, Berlin 1902.
  • Franz und Egbert von Frankenberg-Ludwigsdorf: Die v. Frankenberg in der Armee. Berlin 1914.
  • Wilhelm von Frankenberg und Proschlitz: Stammtafeln der Familien v. Frankenberg. Manuskript. Berlin 1937/1939.
  • Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser A (Uradel). Band IX, Band 43 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, Walter von Hueck, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1969, ISSN 0435-2408, S. 112–155.
  • Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon. Band III, Band 61 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, Walter von Hueck, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1975, ISSN 0435-2408, S. 347–350.
  • Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser. A (Uradel). Band XVII, Band 81 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1983, ISSN 0435-2408, S. 204–248.
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr, 1857, Justus Perthes, Gotha 1856, S. 193 f.; 1873, Gotha 1872, S. 165 f.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel. (Uradel)., 1904, Justus Perthes, Gotha 1903, S. 250 ff.;
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. 1920. Justus Perthes, Gotha 1919, S. 252 ff; ff. 1922, S. 262; 1924, S. 244; 1929, S. 241; ff. b.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1934. Justus Perthes, Gotha 1933, S. 181 ff.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Teil A (Uradel). 1940. Justus Perthes, Gotha 1939.
  • Peter Poscharsky: Frankenberg, von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 5. Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 348 (deutsche-biographie.de).
Commons: Frankenberg family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Hans Friedrich von Ehrenkrook, Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch des Adels. Gräfliche Häuser A. Band IV, Band 28 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1962, S. 191–193.
  2. Eckhart Leisering: Acta sunt hec Dresdene - die Ersterwähnung Dresdens in der Urkunde vom 31. März 1206. Sächsisches Staatsarchiv, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) und Dresden 2005, ISBN 978-3-8981-2320-4, S. 5/13/55/102. (Erstnennung: Henricus de Frankenberg).
  3. Regesten des Breslauer Staatsarchivs.
  4. Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der Preussischen Monarchie. Band 3, Selbstverlag, Berlin 1860/1861, Textblatt. 146.
  5. Unpagnierte Online-Ressource, In: Suzanna Wycisk-Müller: Schöpferisches Schlesien von A bis Z. 1. Auflage, Online-Ressource, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2014, ISBN 978-3-95744-654-1.
  6. (Brünner) Genealogische Taschenbuch der Adeligen Häuser., Vgl. Vorwort, In: Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser Östserreichs. 1905. Erster Jahrgang, Otto Maass` Verlag, Wien 1904/1905, S. III.