Frank R. Pfetsch
Frank R. Pfetsch (* 2. September 1936 in Karlsruhe; † 18. November 2021) war ein deutscher Politikwissenschaftler. Er lehrte von 1979 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2003 als Professor für Politikwissenschaft an der Universität Heidelberg. Er war ein international anerkannter Experte im Bereich der Europäischen Integration.
Leben und Wirken
Frank Pfetsch, Sohn von Gerti Pfetsch und des Rechtsanwalts Wilhelm Pfetsch,[1] besuchte die Karlsruher Helmholtzschule und legte dort 1956 das Abitur ab. Er studierte zwischen 1956 und 1964 die Fächer Volkswirtschaft und Politikwissenschaft. Das Studium begann er in Karlsruhe. Für 1958/59 erhielt er ein Stipendium für Frankreich und studierte am Institut d’études politiques de Paris. Von Ende 1959 bis Mitte 1961 studierte er an der Freien Universität Berlin und erhielt 1961 dort das Diplom als Volkswirt. Das Studienjahr 1961/62 verbrachte er am Institut universitaire d’études européennes de Turin. Ab Sommersemester 1962 studierte er an Universität Heidelberg. Für seine Arbeit an der Dissertation ging er 1963 für acht Monate an die Harvard University.[2] Er wurde 1964 in Heidelberg zum Dr. phil. promoviert mit einer von Carl Joachim Friedrich und Ernst Topitsch betreuten Arbeit über die Entwicklung zum faschistischen Führerstaat in der politischen Philosophie von Robert Michels. Von 1964 bis 1967 gehörte er der Studiengruppe für Systemforschung an der Universität Heidelberg an, von 1967 bis 1968 war er am Bundesministerium für Wirtschaft und Finanzen in Bonn tätig, und von 1968 bis 1969 an den Universitäten von Mannheim und Konstanz. Ab 1970 war er wieder an der Universität Heidelberg. In Heidelberg erfolgte 1974 auch seine Habilitation über das Thema Zur Entwicklung der Wissenschaftspolitik in Deutschland: 1750–1914.[3] Anschließend folgten Tätigkeiten an Forschungsinstitutionen und im früheren Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung sowie als Berater der UNESCO in verschiedenen Ländern Asiens. Von 1979 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2003 lehrte er als Professor für Politikwissenschaft in Heidelberg. Dort gründete er das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK).
Seine Arbeitsschwerpunkte lagen in den Internationalen Beziehungen unter besonderer Berücksichtigung der Konfliktforschung und im Bereich der Europäischen Integration. Im Jahr 1981 veröffentlichte er zwei Bücher über die deutsche Außenpolitik, die teilweise ins Englische übersetzt und mehrere Auflagen erfuhren. Er wurde 1999 mit einer Jean Monnet-Professur der Europäischen Kommission ausgezeichnet. Er hatte zahlreiche Gastprofessuren (unter anderem in Paris, Pittsburgh oder Seoul) und war für sechs Jahre im Präsidium der Europäischen Politologenvereinigung. Noch 2019 erschien die dritte Auflage seiner Darstellung über die politischen Theoretiker von der griechischen Antike bis heute.
Frank Pfetsch war evangelisch, ab 1970 mit Helga Pfetsch, geborener Höfert, verheiratet und hatte zwei Söhne.
Schriften (Auswahl)
Monographien
- Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Von Adenauer zu Merkel. 2. Aufl. Wochenschau-Verlag, Stuttgart 2014, ISBN 3-89974-840-9.
- Das neue Europa. VS, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 3-531-15515-6.
- Verhandeln in Konflikten. Grundlagen – Theorie – Praxis. VS, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-15084-7.
- Die Europäische Union. Geschichte, Institutionen, Prozesse (= UTB. Band 1987). 3. erweiterte und aktualisierte Auflage. Fink München 2005, ISBN 3-8252-1987-9
- Theoretiker der Politik. Von Platon bis Habermas. 3., aktualisierte Auflage. Nomos, Baden-Baden 2019, ISBN 978-3-8487-5015-3.
- Erkenntnis und Politik. Philosophische Dimensionen des Politischen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995, ISBN 3-534-12413-8.
- Handlung und Reflexion. Theoretische Dimensionen des Politischen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995, ISBN 3-534-12414-6.
- Einführung in die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Eine systematisch-theoretische Grundlegung (= Studienbücher zur Sozialwissenschaft. Band 43), Westdeutscher Verlag, Opladen 1981.
- mit Peter Beutel, Hans-Martin Stork, Gerhard Treutlein: Leistungssport und Gesellschaftssystem: Sozio-politische Faktoren im Leistungssport. Die Bundesrepublik Deutschland im internationalen Vergleich (= Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft. Band 2). Hofmann Verlag, Schorndorf 1975, ISBN 978-3-778-0367-16.
- Zur Entwicklung der Wissenschaftspolitik. Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 978-3-428-0306-51
Herausgeberschaften
- Internationale Dimensionen in der Wissenschaft. Erlangen 1979, ISBN 3-88150-043-X.
- International relations and Pan-Europe. Theoretical approaches and empirical findings. Lit, Münster u. a. 1993, ISBN 3-89473-945-2.
- Verfassungsreden und Verfassungsentwürfe. Länderverfassungen 1946–1953 (= Verfassungspolitik. Band 1). Lang, Frankfurt am Main u. a. 1986, ISBN 3-8204-8342-X.
- Innovationsforschung als multidisziplinäre Aufgabe. Beiträge zur Theorie und Wirklichkeit von Innovationen im 19. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1975.
Literatur
- Pfetsch, Frank. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 944.
Weblinks
- Literatur von und über Frank R. Pfetsch im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Seite von Pfetsch an der Universität Heidelberg
Anmerkungen
- ↑ Pfetsch, Frank. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe, Lübeck 1985, S. 944.
- ↑ Die Vita-Angaben sind vor allem dem Lebenslauf seiner Dissertation entnommen.
- ↑ Vgl. dazu die Besprechungen von Terry Nichols Clark in: American Journal of Sociology 81, 1975, S. 203–204; Peter Lundgreen in: Historische Zeitschrift 220, 1975, S. 731–734; R. Steven Turner in: Isis 67, 1976, S. 143–145; Rainald von Gizycki in: Minerva 14, 1976, S. 268–274.