Frank Gotthardt (Unternehmer)
Frank Rudolf Gotthardt (* 28. August 1950 in Siegen) ist ein deutscher Informatiker und Unternehmer aus Koblenz. Er ist Gründer und Verwaltungsratsvorsitzender des Software-Unternehmens CompuGroup Medical (CGM), das zu den größten IT-Unternehmen im Gesundheitsbereich gehört.
Gotthardt betreibt die rechtspopulistischen Medienportale Nius und exxpress sowie die Fernsehsender DRF1, TV Mittelrhein und WWTV, die er mitfinanziert. Zudem ist er der Hauptinvestor des Eishockey-Erstligisten Kölner Haie und Eigentümer des Restaurants Gotthardt's by Yannick Noack in Koblenz.
Jugend und Ausbildung
Gotthardt wurde 1950 in Siegen geboren und wuchs in Wülfrath-Düssel auf. Er besuchte das Gymnasium Wuppertal-Vohwinkel und war dort zwischenzeitlich Vorsitzender des Schülerparlaments.[1] Als Stadtschülersprecher organisierte er Sitzstreiks.[1] Nach einem Studium der Informatik in Bonn[2] machte Gotthardt sich selbstständig.
Berufsleben
Gotthard entwickelte zunächst Software für die Fleischwarenindustrie. Durch seine Frau, die Zahnärztin Brigitte Gotthardt, kam er in Kontakt mit der Medizinbranche und gründete 1987 gemeinsam mit vier Zahnärzten das Unternehmen Dentev, aus dem sich später die CompuGroup Medical (CGM) entwickelte. Im Laufe der Jahre kaufte Gotthardt andere Arztsoftwareunternehmen wie Arcos, Dorsymed, Sysmed-KDV, Data Vital und die Hauptkonkurrenten TurboMed und Medistar hinzu, die in die CompuGroup Medical integriert wurden.
Als die Kassenärztliche Bundesvereinigung 2000 einen eigenen Onlinedienst gründen wollte, klagte Gotthardt wegen des Eingriffs in den Wettbewerb durch eine öffentlich-rechtliche Körperschaft und bekam vor Gericht Recht.[2] Im Mai 2007 brachte Gotthardt CGM an die Börse, unter anderem um Kapital für eine internationale Expansion zu beschaffen.[3] Insgesamt betrug das Emissionsvolumen 300 Millionen Euro.[4] Die CGM entwickelte sich nach zahlreichen weiteren Übernahmen zu einem der weltweit führenden Unternehmen für Informationstechnologie in der Gesundheitsversorgung. Anfang 2021 wechselte Gotthardt in den Verwaltungsrat des Unternehmens.[5]
Gotthardt ist Eigentümer des Restaurants Gotthardt's by Yannick Noack in Koblenz, das 2025 mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde.[6] Für angrenzende Luxuswohnanlagen wurde seinem Unternehmen durch den Koblenzer Stadtrat die in Koblenz seit 2020 verpflichtende Sozialwohnungsquote von 30 % erlassen.[7][8][9] Gotthardt ist parteilos und Ehrenvorsitzender des Landesverbandes Rheinland-Pfalz der Lobbyorganisation Wirtschaftsrat der CDU,[10] bei dem er lange Jahre Landesvorsitzender und damit auch Mitglied des Bundesvorstands war.[11][12]
Medienunternehmer
Seit 2015 ist Gotthardt Eigentümer der DRF-Mediengruppe mit den Marken TV Mittelrhein (lineares Regionalfernsehen und online), Wwtv und DRF1.[13] Er unterstützt seit 2022 den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt:[14] So vermietet er CompuGroup Medical Räume an Reichelts Rome Medien GmbH, die sich ihren Sitz mit der Vius Management SE und Vius SE teilt und ihre IT-Dienstleistungen nutzt.[15][16] Gotthardt ist Mehrheitsgesellschafter der Vius Management SE, bei der Julian Reichelt und Christian Opitz geschäftsführende Direktoren sind. Die Firma startete 2022 das rechtspopulistische Nachrichtenportal Nius.[17]
Kölner Haie
2010 stieg Gotthardt als einer von mehreren Gesellschaftern beim finanziell angeschlagenen Eishockeyclub Kölner Haie ein. Er übernahm 96 Prozent der Anteile des Clubs von dem Immobilienunternehmer Heinz-Hermann Göttsch. Der Kölner Stadt-Anzeiger bezeichnete die Investoren um Gotthardt in diesem Zusammenhang als „Glücksfall“ und schrieb 2013, ohne sie würde es den Traditionsverein wahrscheinlich nicht mehr geben.[18] Im Laufe der Jahre unterstützte Gotthardt die Haie mit 25 Millionen Euro, da diese, wie auch viele andere Profi-Clubs in Deutschland, defizitär arbeiten.[19]
Privates
Frank Gotthardt ist verheiratet und hat einen Sohn, der als Medizin-Professor an der Universität Heidelberg lehrte[20] und 2015 die Gotthardt Healthgroup AG gründete.[21]
Zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn hielt Frank Gotthardt 2020 etwas weniger als die Hälfte der Anteile der CompuGroup Medical. Laut Manager Magazin schrumpfte sein Vermögen von 1,4 Milliarden (Stand 2020)[22] auf 500 Millionen Euro (Stand 2024).[23]
Positionen
In einem Interview mit der Rhein-Zeitung kritisierte Gotthardt 2021, dass die Politik zu wenig gegen den Fachkräftemangel in der IT-Branche unternehme. Die Politik kümmere sich zu sehr um konkrete Projekte, für die sie nicht aufgestellt sei. Als Beispiel nannte Gotthardt die europäische Cloud Gaia-X, die grundsätzlich etwas Gutes sei. Sinnvoller sei es aber, wenn sich die Politik um geeignete Rahmenbedingungen kümmere und in die Ausbildung von Fachkräften an Universitäten investiere.[24]
Einzelnachweise
- ↑ a b Daniel Meyer: Das Silicon Valley am Mittelrhein, in: Label 56 (2016)
- ↑ a b Arzt-EDV-Pionier Frank Gotthardt hört auf. In: aerztezeitung.de. 26. Dezember 2020, abgerufen am 19. Oktober 2022.
- ↑ Compugroup-IPO | Klaus Esser mischt mit. manager-magazin.de, 22. April 2007, abgerufen am 24. April 2024.
- ↑ Mathieu Klos: Börsengang der CompuGroup. juve.de, 29. Juni 2007, abgerufen am 24. April 2024.
- ↑ Mit 70 Jahren tritt Frank Gotthardt kürzer | Börsen-Zeitung. Abgerufen am 23. April 2024.
- ↑ Alle Sternerestaurants - Guide MICHELIN Deutschland 2025. Abgerufen am 18. Juni 2025.
- ↑ Kritik im Koblenzer Stadtrat: Frank Gotthardt darf Luxus-Wohnanlage bauen - Koblenz & Region - Rhein-Zeitung. 9. Mai 2025, abgerufen am 22. Juli 2025.
- ↑ Dezernat 4 – 61-Amt für Stadtentwicklung und Bauordnung: Beschlussvorlage – Bebauungsplan Nr. 353 "Wohnanlage An der Fähre". Hrsg.: Stadtrat Koblenz. BV/0115/2025, 28. Februar 2025 (koblenz.de [PDF]): „Aufgrund des geplanten exklusiven Standards der Wohnanlage möchte der Investor auf das Erbringen der Sozialwohnungsquote (30%) verzichten.“
- ↑ Stadtrat Koblenz: Wortprotokoll – Bebauungsplan Nr. 353 "Wohnanlage An der Fähre". 8. Mai 2025 (koblenz.de [PDF]): „Die WGS-Fraktion […] Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen […] die Fraktion LINKE-Partei […] die FW-Fraktion lehnt die Vorlage ab. Die SPD-Fraktion […] Die CDU-Fraktion stimmt der Vorlage zu, ebenso die FDP-Fraktion. (Anm.: Abstimmung Ja: 29, Nein: 18, Enthaltung: 2, Befangen: 0)“
- ↑ Landesvorstand. Abgerufen am 23. April 2024.
- ↑ Thomas Wolff in den Bundesvorstand des Wirtschaftsrates der CDU e.V. gewählt. Abgerufen am 19. Oktober 2022.
- ↑ Was läuft da zwischen Reichelt und dem TV-Sender-Besitzer aus Rheinland Pfalz? Abgerufen am 19. Oktober 2022.
- ↑ Patrick Prangenberg kressköpfe – Detail. In: kress.de. Abgerufen am 22. August 2022.
- ↑ Jonas Mueller-Töwe, Lars Wienand: Comeback des Ex-„Bild“-Chefs: Neue Hinweise auf Kooperation mit Milliardär. 16. August 2022, abgerufen am 20. Februar 2023.
- ↑ Nils Altland, Claus Hessling, Sebastian Friedrich, Iris Ockenfels: Wie Julian Reichelt die Wirklichkeit verdreht – und was dahinter steckt. In: ARD Mediathek. ZAPP. NDR, BR, 17. Februar 2023, abgerufen am 12. April 2023.
- ↑ Lars Wienand, Jonas Mueller-Töwe: Julian Reichelts Comeback: Reicher Förderer und sein Netzwerk in der CDU. In: t-online. 17. Februar 2023, abgerufen am 12. April 2023.
- ↑ Frank Gotthardt: Warum der Inhaber der Kölner Haie das rechtspopulistische Portal „Nius“ gegründet hat. 12. März 2024, abgerufen am 23. April 2024.
- ↑ Kölner Stadtanzeiger, Die Erfolgsgeschichte der Haie, 11. April 2013
- ↑ Frank Gotthardt: Warum der Inhaber der Kölner Haie das rechtspopulistische Portal „Nius“ gegründet hat. 12. März 2024, abgerufen am 23. April 2024.
- ↑ Frank Gotthardt – Vermögen und Biografie. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 22. August 2022; abgerufen am 19. Oktober 2022.
- ↑ Compugroup: Gotthard übernimmt Gotthard. 22. November 2022, abgerufen am 23. April 2024.
- ↑ Julian Olk: Compugroup-Chef Frank Gotthardt – Der Pionier der digitalen Medizin hört auf. In: handelsblatt.de. 12. Mai 2020, abgerufen am 20. Juli 2025.
- ↑ Martin Murphy, Michael Scheppe: Frank Gotthardt – Millionär will mit „Nius“ das deutsche Fox News aufbauen. In: handelsblatt.com. 12. Dezember 2024, abgerufen am 12. Dezember 2024.
- ↑ CompuGroup-Chef Frank Gotthardt: Klare Ansage der Wirtschaft an die Hochschulen, Rhein-Zeitung, 17. März 2021