Francisco Curt Lange

Francisco Curt Lange (* 12. Dezember 1903 in Eilenburg, Provinz Sachsen, Preußen; † 3. Mai 1997 in Montevideo) war ein deutsch-uruguayischer Musikwissenschaftler und gilt als Pionier und Nestor der Musikwissenschaft in Lateinamerika.

Leben

Lange studierte nach einem Architekturstudium Musik in Leipzig, Berlin und München und promovierte 1929 an der Universität Bonn mit einer Arbeit über die Polyphonie in niederländischen Motetten. 1930 wurde er von der uruguayischen Regierung zur Betreuung verschiedener Musikprojekte eingeladen, u. a. zum Aufbau der Schallplattenbibliothek des Servicio Oficial de Difusión Radio Eléctrica (SODRE).

Er setzte sich für die kulturelle Integration des amerikanischen Kontinents durch die Musik (americanismo musical) ein und veröffentlichte 1934 die Schrift Americanismo musical: la sección de investigaciones musicales, su creación, propósitos y finalidades. Er verbreitete seine Idee durch Publikationen und Vorträge in vielen amerikanischen Städten und fand vor allem in den USA großen Anklang. Er engagierte sich für den Aufbau und die Verbesserung von Musikfakultäten an den Universitäten verschiedener lateinamerikanischer Staaten und gründete in Montevideo ein Institut, das Dutzende Werke lateinamerikanischer Komponisten und andere Publikationen veröffentlichte.

Von 1936 bis 1946 gab er das Boletín Latino-Americano de Música heraus, die erste wissenschaftliche Zeitschrift, die sich auf die Musik Lateinamerikas konzentrierte. In Brasilien forschte er zur Geschichte der Musik in der Kolonialzeit des 18. und 19. Jahrhunderts in Minas Gerais und markierte mit seiner Publikation zu dem Thema 1946 den Beginn der komparativen Musikgeschichtsforschung in diesem Land. Die Coleção Francisco Curt Lange im Museu da Inconfidência in Ouro Preto, bestehend hauptsächlich aus religiösen Werken, Blasmusik, einigen Orchester- und Klavierstücken, Volksliedern und Opernausschnitten, umfasst mehr als eintausend gedruckte oder handschriftliche Musikwerke sowie zahlreiche Fragmente, Fotografien und Dokumente.

Quellen