Francis Ronalds

Sir Francis Ronalds FRS (* 21. Februar 1788 in London; † 8. August 1873 in Battle[1]) war ein britischer Meteorologe, Wissenschaftler und Erfinder. Er war ein Pionier der elektrischen Telegrafie und einer der ersten Elektroingenieure.

Leben

Er wurde als zweites von elf Kindern geboren. Als er 19 Jahre alt war, starb sein Vater und er musste fortan zusammen mit seiner Mutter den Käsehandel der Familie fortführen, was er mit chemischen Experimenten verband.

Telegrafie

Im Jahr 1814, er war inzwischen 26, wurde er vom Schweizer Geologen und Meteorologen Jean-André Deluc (1727–1817) ermutigt, sich mit der Erforschung der Elektrizität zu befassen. Nur zwei Jahre später, 1816, hatte er im Garten seines Elternhauses im Londoner Stadtteil Hammersmith einen Versuchsaufbau für einen elektrostatischen Telegrafen errichtet.[2]

Dieser Telegraf bestand aus einem einzelnen langen Draht, der in ein Glasrohr gehüllt war und in einem hölzernen Trog in einem mit Erde gefüllten Graben platziert wurde. Der Draht wurde mithilfe einer Elektrisiermaschine aufgeladen. An jedem Ende konnte mithilfe eines Anzeigeblatts ähnlich einem Zifferblatt das übertragene Zeichen (Buchstaben oder Ziffer) abgelesen werden. In einem anderen Versuchsaufbau spannte er Draht mit einer Gesamtlänge von 13 km in ein Gerüst (Bild) und versuchte erfolglos, die Geschwindigkeit der Signalübertragung zu ermitteln.

Er meldete seine Erfindung niemals zum Patent an, schlug sie aber der britischen Admiralität zur staatlichen Nutzung vor. Die war jedoch nicht interessiert und hielt diese neue Art von Telegrafie für „völlig unnötig“ (englisch wholly unnecessary). Sie sah auch keinerlei Nutzen, der über den der damals gebräuchlichen optischen Telegrafie hinausging. Der junge Charles Wheatstone (1802–1875) hingegen griff diese Idee einige Jahre später auf und entwickelte zusammen mit William Cooke (1806–1879) im Jahr 1837 einen Nadeltelegrafen.

Francis Ronalds verbrachte danach einige Zeit mit Reisen nach Kontinentaleuropa und in den Nahen Osten. Aus den Erfahrungen und Erkenntnissen, die er dabei gewinnen konnte, sowie den zahlreichen wissenschaftlichen Schriften und Büchern, die er erwarb, entstand die Ronalds Library (deutsch Ronalds-Bibliothek).

Meteorologie

Im Jahr 1843 wurde er zum ersten Ehrendirektor und Leiter des Königlichen Observatoriums in Kew ernannt. Dort arbeitete er an der systematischen Erfassung meteorologischer Daten mittels Fotografie und entwickelte eine Kamera, die, durch eine Uhr gesteuert, automatisch zeitliche Abfolgen von Wetterphänomenen, insbesondere zu atmosphärischer Elektrizität, aufnehmen konnte. Das Verfahren wurde auch nach seinem Tod weiterhin verwendet.

Ruhestand

Im Jahr 1852 ging er in den Ruhestand, wobei er in Anerkennung seiner Verdienste um die Weiterentwicklung der Elektrizitätslehre und die Meteorologie eine jährliche Rente von 75 £ (Pfund Sterling) erhielt. Er nutze dies, um seine Bibliothek zu erweitern, wobei er den Fokus auf die Themen Elektrizität und Magnetismus legte. Für seine „frühen und bemerkenswerten Arbeiten in der Erforschung der Telegrafie“ (englisch early and remarkable labours in telegraph investigations) wurde er zum Ritter geschlagen.

Sir Francis Ronalds wurde 85 Jahre alt. Seine Bibliothek, die bei seinem Tod etwa 1500 Bücher und 5000 Broschüren umfasste, vermachte er der Institution of Electrical Engineers (IEE), Vorläuferin der heutigen Institution of Engineering and Technology (IET).[3]

Literatur

Commons: Sir Francis Ronalds – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Tagesneuigkeiten. In: Deutsche Zeitung, 17. August 1873, S. 4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/dzg
  2. Tom Standage: Das viktorianische Internet. Midas, St. Gallen 1999, ISBN 3-907100-72-7, S. 21.
  3. Archives Biographies – Sir Francis Ronalds 1788–1873. In: The IET. 2025, abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).