Francesco Mastrogiovanni

Francesco Mastrogiovanni, besser bekannt als Franco Mastrogiovanni (* 2. Oktober 1951 in Pollica;[1]4. August 2009 in Vallo della Lucania), war ein italienischer Lehrer und Anarchist.

Er erlangte überregionale Bekanntheit nach seinem Tod während einer psychiatrischen Zwangsbehandlung (Trattamento Sanitario Obbligatorio, TSO) in einem Krankenhaus der Region Kampanien. Der Fall führte zu strafrechtlichen Ermittlungen, gerichtlichen Verurteilungen wegen Freiheitsberaubung sowie zu einer breiten öffentlichen Debatte über psychiatrische Zwangsmaßnahmen in Italien.[2][3]

Leben

Mastrogiovanni arbeitete als Grundschullehrer in der Provinz Salerno. Er war politisch aktiv und bekannte sich zum Anarchismus. Über sein Privatleben ist wenig öffentlich dokumentiert.[4]

Zwangsbehandlung und Tod

Am 31. Juli 2009 wurde Francesco Mastrogiovanni nach einem mutmaßlichen Autounfall in Cilento in das Krankenhaus von Vallo della Lucania eingeliefert und gemäß den Bestimmungen des italienischen Trattamento Sanitario Obbligatorio (TSO) zwangsweise psychiatrisch behandelt.[5]

Während seines Aufenthalts wurde er über mehrere Tage hinweg überwiegend mechanisch fixiert.[6] Am 4. August 2009 verstarb Mastrogiovanni im Krankenhaus. Videoaufzeichnungen dokumentierten, dass er über einen Großteil des Zeitraums der Behandlung fixiert war.[2]

Ermittlungen und Gerichtsverfahren

Nach dem Tod Mastrogiovannis wurden strafrechtliche Ermittlungen gegen medizinisches Personal eingeleitet. In mehreren Instanzen wurden Ärzte und Pflegekräfte wegen Freiheitsberaubung verurteilt. Die Urteile wurden später vom italienischen Kassationsgericht bestätigt.[7]

Öffentliche Rezeption

Der Fall Mastrogiovanni fand in Italien große mediale Aufmerksamkeit und wurde im Zusammenhang mit der Kritik an psychiatrischen Zwangsmaßnahmen diskutiert.

Der Dokumentarfilm 87 ore – Gli ultimi giorni di Francesco Mastrogiovanni [auf Deutsch: »87 Stunden – Die letzten Tage Francesco Mastrogiovannis»] von Costanza Quatriglio thematisierte die Umstände seines Todes.[3][2] Der Fall wird bis heute in Debatten über Patientenrechte und psychiatrische Ethik in Italien erwähnt.

Einzelnachweise

  1. Undici anni senza Franco Mastrogiovanni, il maestro elementare morto durante il Tso. In: Giornale del Cilento. 4. August 2020, abgerufen am 9. Januar 2026 (italienisch).
  2. a b c Blog | Caso Mastrogiovanni: '87 ore' per trasformare la cura in decesso. 7. November 2015, abgerufen am 9. Januar 2026 (italienisch).
  3. a b La morte disumana di Franco Mastrogiovanni nel film “87 ore”. In: Quotidiano Sanità. 20. November 2025, abgerufen am 9. Januar 2026 (italienisch).
  4. Caso Mastrogiovanni, Morì legato in ospedale: condannati i medici. 31. Oktober 2012, abgerufen am 10. Januar 2026 (italienisch).
  5. Caso Mastrogiovanni: morì durante Tso, la Cassazione conferma le condanne ai sanitari. 22. Juni 2018, abgerufen am 9. Januar 2026 (italienisch).
  6. Così hanno ucciso Mastrogiovanni. Abgerufen am 10. Januar 2026 (italienisch).
  7. “La contenzione fisica non è un atto terapeutico”. La Cassazione sul caso “Mastrogiovanni”. In: Quotidiano Sanità. 20. November 2025, abgerufen am 10. Januar 2026 (italienisch).