François-Joseph Talma

François-Joseph Talma (* 15. Januar 1763 in Paris; † 19. Oktober 1826 in Paris) war ein französischer Schauspieler.

Leben

Talma war der Sohn des Zahnarztes Michel Talma, der zunächst als Kammerdiener gearbeitet hatte und der bald nach der Hochzeit mit Mademoiselle Mignonet nach England zog. Aufgrund seiner guten Verdienste konnte er all seinen dreizehn Kindern eine gute Erziehung ermöglichen. Talma wuchs zunächst bis zum Alter von sechs Jahren bei seiner Tante in Flandern und in England auf und kam im Alter von neun Jahren nach Paris in ein privates Internat unter der Leitung von Monsieur Verdier im Jardin du Roi. Dort lernte er auch Schultheatervorstellungen kennen. Von Monsieur Verdier wurde Talma eine kleine Rolle in dessen Tragödie Tamerlan zugewiesen. Mit seiner ausdrucksstarken Mimik und den anmutigen Bewegungen faszinierte er die Zuschauer. Doch plötzlich geriet in Verwirrung, begann zu stottern, brach in Tränen aus und fiel in Ohnmacht. Er hatte sich zu sehr in die Figur hineinversetzt, die er darstellte.[1]

Er kehrte nach dem Abschluss seines Studiums nach London zurück, wo er sich weiterhin dieser Kunst widmete. Zu den Kunden seines Vaters zählten mehrere Franzosen, die sich eine große Vorliebe für das Französische Theater bewahrt hatten und zu dieser Zeit die Aufführung des Barbiers von Sevilla vorbereiteten. Talma wurde in diese Theatergesellschaft aufgenommen und er erhielt die Rolle des Grafen im Barbier von Sevilla. Obwohl der Vater für ihn den Beruf des Zahnarztes vorgesehen hatte, schlug Talma durch diesen ersten Erfolg ermutigt, später eine Laufbahn als Theaterdarsteller ein. Daher kehrte er nach Paris zurück, betrieb zunächst für achtzehn Monate in der Rue Mauconseil eine Zahnarztpraxis und wandte sich dem Spiel der Tragödie zu. Er schloss sich einer Schauspielgesellschaft an, die in Versailles und Saint-Germain auftraten. Seine Erfolge sprachen sich bis an das Théâtre Français herum und er wurde eingeladen dort aufzutreten. Am 21. November 1787 debütierte er als Seïde im Mahomet von Voltaire und wurde zwei Jahre später Mitglied der Société de la Comédie-Française. Er wurde von allen Seiten derart gelobt, dass seine Schauspielkollegen es ihm neideten und ihm für seine zweite Rolle im Brutus lediglich eine winzige Szene zugedachten. Für diese Rolle hatte er sich eigens eine Tunika schneidern lassen, die bei den Schauspielern für Belustigung und Verhöhnung sorgte. Doch kam seine Kleidung beim Publikum so gut an, dass die anderen Schauspieler sie später imitieren mussten. Seine Darstellungstreue und die Natürlichkeit des Spiels, mit der er sich des geschichtlichen Kostüms anstelle des modernen französischen bediente, begründeten eine neue Epoche in der dramatischen Kunst Frankreichs.

Am 27. November spielte er den jungen Brahmanen in La Veuve du Malabar (Hervé), am 29. trat er in L’Enfant prodigue (Voltaire) auf und spielte den Valère in L’École des Maris (Molière) und den Nérestan in Zaïre (Voltaire). Außerdem verkörperte er in seinen ersten Rollen den Saint-Albin in Le Père de Famille (Diderot) und den Pilade in Iphigénie en Tauride (Gluck).

Später begründete er das Théâtre de la République, an dem er große Triumphe feierte, gastierte auch in der Provinz sowie in London und Brüssel. Außerdem hatte er immer wieder Gastrollen in anderen Pariser Theatern, wie dem Théâtre Doyen. Talma begleitete Napoléon Bonaparte des Öfteren, so kam er mit diesem 1808 nach Erfurt und 1813 nach Dresden. Die meiste Zeit des 19. Jahrhunderts blieb ein nach ihm, häufig als „Talma“ bezeichnetes, Cape verschiedener Länge für Männer und Frauen in Mode. Es war kreisförmig geschnitten, manchmal zusätzlich mit kürzeren Capes versehen.[2]

Das Musée Robert Dubois-Corneau in Brunoy widmet François-Joseph Talma einen Themenschwerpunkt.

Familie

Talma war zweimal verheiratet:

  • Louise Julie Careau (8. Januar 1756 – 5. Mai 1805)
    • Zwillinge Henri-Castor Talma und Charles-Pollux Talma (* 30. April 1791) Früh verstorben.
    • Tell Talma († 31. Mai 1794) starb im Alter von zwei Monaten.
  • 1802 mit Caroline Vanhove, eine der bekanntesten Schauspielerinnen ihrer Zeit.

1812 soll er eine Liebesaffäre mit Napoleons Schwester Pauline Bonaparte gehabt haben. Auch mit einer weiteren Dame Madeleine-Jacqueline Bazile hatte er eine Beziehung aus der mehrere Kinder hervorgingen.[3]

Wichtige Rollen (Auswahl)

Schriften (Auswahl)

  • Memoire sur Lekain et sur l’art dramatique. A. Delavault, Brüssel 1827 (französisch, archive.org).
  • Reflexions on the actor’s art New York 1915 (englisch, archive.org).
  • Réflexions sur Lekain et sur l’art théâtral. Editions Desjonquières 2002, ISBN 2-84321-044-5 (Reprint der Ausgabe Paris 1825).

Literatur

  • Charles F. Moreau: Mémoires historiques et litteraires sur F.-J. Talma. Paris 1826 (französisch, archive.org).
  • Talma, François Joseph. In: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. Band 26: Submarine Mines – Tom-Tom. London 1911, S. 379–380 (englisch, Volltext [Wikisource]).
  • André Antoine: La vie amoureuse de François-Joseph Talma : janvier 1763 – octobre 1826. E. Flammarion, Paris 1924 (französisch, archive.org).
  • Joseph Lehmann: Frankreich in Aus Talma’s Leben. Von Alexandre Duval. In: Magazin für die Literatur des Auslandes. Nr. 114. A. W. Hayn, Berlin 21. September 1838, S. 453–454 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Alexandre Dumas der Ältere: F.-J. Talmas Memoiren. 2 Bände, Verlag Heinrich, Wien 1850.
  • Talma, François Joseph. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 15, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 502.
Commons: François-Joseph Talma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Charles F. Moreau: Mémoires historiques et litteraires sur F.-J. Talma. Paris 1826, S. 4–6 (französisch, Textarchiv – Internet Archive).
  2. R. Turner Wilcox: The Mode in Furs. Charles Scribner Son’s, New York und London, 1951, S. 120 (englisch).
  3. François Joseph Talma, Paolina Bonaparte: Lettres d’amour inédites de Talma a la princesse Pauline Bonaparte. Hrsg.: Hector Fleischmann, Pierre Bart. Librairie Charpentier et Fasquelle, Paris 1911, S. 12 (französisch, Textarchiv – Internet Archive).