François-Xavier Joseph de Casabianca
François-Xavier Joseph de Casabianca (* 27. Juni 1796 in Nizza, Département Alpes-Maritimes; † 24. Mai 1881 im 8. Arrondissement („Arrondissement de l’Élysée“), Paris) war ein französischer Politiker, der unter anderem 1851 kurzzeitig Finanzminister sowie Landwirtschafts- und Handelsminister war und zudem 1852 das Amt eines Staatsministers bekleidete.
Leben
François-Xavier Joseph de Casabianca entstammte einer alten Adelsfamilie Korsikas, die zur Annexion der Insel an Frankreich beigetragen hatte, und war ein Neffe von Divisionsgeneral Raphaël de Casabianca. Nach dem Besuch des Lycée Napoléon absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität von Paris. 1820 wurde er bei der Rechtsanwaltskammer von Bastia auf Korsika zugelassen und war dort bis 1848 als Rechtsanwalt tätig. Da er Bonapartist war, hielt ihn die Regierung der Julimonarchie von König Louis-Philippe I.[1] von öffentlichen Ämtern fern. Nach der Februarrevolution 1848 wurde er am 23. April 1848 als Vertreter Korsikas für die Partei der Ordnung (Parti de l’Ordre) in die Verfassungsgebende Versammlung (Assemblée nationale constituante) gewählt und gehörte dieser beziehungsweise nach seiner Wiederwahl am 14. Mai 1849 der Nationalversammlung (Assemblée nationale) der Zweiten Französischen Republik bis zum 26. Oktober 1851 an. Nach der Präsidentschaftswahl vom 10. Dezember 1848 wurde er einer der eifrigsten Anhänger von Präsident Louis-Napoléon Bonaparte[2] und stimmte mit der monarchistischen Mehrheit im Parlament.
Nach dem Rücktritt von Louis-Joseph Buffet[3] wurde de Casabianca am 26. Oktober 1851 als Minister für Landwirtschaft und Handel (Ministre de l’Agriculture et du commerce) in das Kabinett Faucher berufen und bekleidete dieses Amt bis zu seiner Ablösung durch Noël Lefebvre-Duruflé[4] am 22. November 1851.[5] Daraufhin übernahm er selbst wiederum im Kabinett Faucher als Nachfolger von Antoine Blondel[6] vom 22. November bis zum 2. Dezember 1851 das Amt des Finanzministers (Ministre des Finances).[7][8]
Als Präsident Louis-Napoléon Bonaparte ihn am Vortag über den geplanten Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 informierte, weigerte er sich aus Prinzip, daran teilzunehmen, und wurde vorübergehend seines Amtes enthoben. Am 22. Januar 1852 wurde er im Kabinett Bonaparte II in das neu geschaffene Amt eines Staatsministers (Ministre d’État) berufen und behielt dieses Amt bis zum 28. Juli 1852.[9][10] Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung wechselte er in den Senat (Sénat), wo er für die Gründung des Zweiten Kaiserreiches am 2. Dezember 1852 stimmte und fortan mit der Mehrheit votierte. Er gehörte dem Senat bis 1864 an und war zugleich zwischen 1852 und 1853 erstmals Präsident des Generalrates von Korsika. 1856 wurde er abermals Mitglied des Generalrates von Korsika und vertrat in diesem bis 1861 den Kanton Bastia-Terra Nova. Für seine langjährigen Verdienste wurde er am 30. Juli 1858 zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt.[11]
Nach seinem Ausscheiden aus dem Senat wurde er durch Dekret vom 5. März 1864 als Nachfolger von Jules Collart-Dutilleul zum Generalstaatsanwalt am Rechnungshof (Procureur général près la Cour des comptes) ernannt und übte diese Funktion bis zu seiner Ablösung durch Gustave Rouland[12] am 5. Juni 1871 aus.[13] Nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges (19. Juli 1870 – 10. Mai 1871) war er in der Dritten Französischen Republik 1871 noch einmal kurzzeitig Präsident des Generalrates von Korsika, dem er von 1874 bis 1880 für den Kanton Bastia-Terra Nova noch einmal als Mitglied angehörte. Am 14. Mai 1876 kehrte er kurzzeitig in die Politik zurück, als er für die bonapartistische Partei Aufruf an das Volk (Appel au peuple) zum Mitglied der Abgeordnetenkammer (Chambre des députés) für den neu geschaffenen Wahlkreis „Bastia“ gewählt wurde und gehörte dieser bis zum 25. Juni 1877 an, woraufhin sein Sohn Joseph Marie Raphaël de Casabianca[14] neuer Abgeordneter wurde. Sein jüngerer Sohn war der Rechtsanwalt und Politiker Paul de Casabianca,[15] der zwischen 1885 und 1903 Senator war.
Weblinks
- Xavier, François, Joseph de Casabianca. Nationalversammlung (Frankreich), abgerufen am 21. Dezember 2025 (französisch).
- CASABIANCA François-Xavier: Ancien sénateur du Second Empire. Senat (Frankreich), abgerufen am 21. Dezember 2025 (französisch).
- Segris, Émile Alexis. rulers.org, abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- Francois-Xavier Casabianca. Prabook, abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ Louis-Philippe I. rulers.org, abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Napoléon III. rulers.org, abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Louis, Joseph Buffet. Nationalversammlung, abgerufen am 21. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Noël, Jacques Lefebvre-Duruflé. Nationalversammlung, abgerufen am 21. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ France Ministries 1700–1870: Commerce Ministers. rulers.org, abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ BLONDEL Antoine-Philippe-Léon: Ancien sénateur du Second Empire. Senat, abgerufen am 4. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ France Ministries 1700–1870: Finance Ministers. rulers.org, abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Gouvernement Faucher ( vom 4. Dezember 2022 im Internet Archive)
- ↑ France Ministries 1700–1870: Ministry of State. rulers.org, abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Gouvernement Bonaparte 2 ( vom 4. Dezember 2022 im Internet Archive)
- ↑ CASABIANCA DE, François Xavier. Archives nationales, abgerufen am 21. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ ROULAND Gustave: Ancien sénateur du Second Empire. Senat, abgerufen am 4. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Les anciens Procureurs généraux. Cour des comptes, abgerufen am 21. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Joseph, Marie, Raphaël de Casabianca. Nationalversammlung, abgerufen am 21. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ CASABIANCA (de) Paul: Ancien sénateur de la Corse. Senat, abgerufen am 4. Dezember 2025 (französisch).