Fragmente (Petronius)

Dieser Artikel behandelt die verstreut überlieferten Fragmente aus dem Satyricon des Titus Petronius, genannt Arbiter (Richter).

Überlieferung

Neben den weitgehend zusammenhängend erhaltenen Teilen des Satyricon wurden separat einzelne Bruchstücke und Gedichte überliefert.

Fragmente der Antike und Spätantike

Insbesondere Grammatiker fanden an den sprachlichen Besonderheiten des Arbiter Gefallen, so dass immer wieder einzelne Worte oder ganze Sätze überliefert bzw. zitiert sind, so bei:

Einzelne Anklänge an das Satyricon finden sich auch bei Ausonius, Claudius Claudianus, Dracontius, Eugenius von Toledo und Fortunatus.

Die Gedichtsammlungen

Daneben wurde eine ganze Reihe von Petronius-Gedichten wegen ihrer überragenden Qualität in Gedichtsammlungen übertragen. Neben dem alten Codex Salmasianus überliefern eine größere Anzahl dieser Gedichte vor allem:

  • der Codex Belovac ed. Binet 1579 (X, heute verloren)
  • der Codex Leidensis Vossianus F 111 (Y)
  • der Leid. Vos.. lat. Q 86 (Z).

Petronfragmente im Mittelalter

Die Erwähnung oder Verwendung Petrons im Mittelalter ist beachtlich: er wird erwähnt bei

Keines dieser Zeugnisse geht jedoch über den uns heute noch bekannten Umfang des Satyricon hinaus. Nur in dem Papias-/Hugutioglossar finden sich zwei sonst nicht überlieferte Wörter.

Ältere Fragmentsammlungen

Schon Pierre Pithou führte in seinen Petronius-Ausgaben von 1577 und 1587 diverse dieser Bruchstücke auf.

Wesentlichen Zuwachs erfuhren die Petronius-Gedichte durch den 1579 von Claudius Binetus herausgegebenen (heute verlorenen) Codex Isidoris Bellovacensis.

Nach der Wiederentdeckung der Cena Trimalchionis um 1650 und ihrer Herausgabe (Padua 1664) kam es zu einer intensiven Suche nach weiteren Petronius-Fragmenten. Die Ausgabe von Hadrianides (Amsterdam 1669) ist ein Produkt dieser Vollständigkeits-Manie und listet völlig unsystematisch eine größere Anzahl Fragmente und Gedichte auf, dabei grob fehlerhaft und voller willkürlicher Fehlzuschreibungen, wie dies schon in der Ausgabe von „Erhard“ (= M. Goldast?) 1610 vorbereitet war. Die im Internet kursierende Liste von 35 Fragmenten Fragmenta Petroniana. FRAGMENTA PETRONII QVAE QVIBUS IN LOCIS REPONENDA SINT, INCERTVM EST. ist eine unkommentierte Wiedergabe dieser Liste. Vor einer unkritischen Weiterverbreitung muss dringend gewarnt werden.

Die Sammlung bei Burman (2. Aufl. 1743) ist zwar stark kommentiert, folgt aber weitgehend Hadrianides und teilt dessen systematische Schwächen.

Moderne Fragmentsammlungen

Erst Franz Bücheler sondierte 1862 die Petron tatsächlich zugeschriebenen Fragmente. Auf ihn geht die Nummerierung der ersten 25 Fragmente zurück, die sich (außer in Italien und Frankreich) bis heute durchgesetzt hat.

Konrad Müller, der bis 1995 nur 30 Fragmente als echt anerkannte, nennt in seiner revidierten großen Ausgabe (2003) immerhin 51 Fragmente.

Eine Konkordanz der Fragmentnummern von Müller, Bücheler, Riese und Shackleton Bailey findet sich bei Giulio Vannini: Petronius 1975-2005: bilancio critico e nuove proposte. (Göttingen 2007) 13f.

Allerdings ist auch die abweichende Zählung von Ernout weiterhin verbreitet (63 Fragmente).

Literatur

  • Franz Bücheler, Berlin 1862, die grundlegende wissenschaftliche Ausgabe (6. Aufl. von Heraeus Berlin 1922).
  • Petronii Arbitri Satyricon Reliquiae. Hrsg. Konrad Müller. Erweiterte und korrigierte Ausgabe der 4. Auflage von 1995. München und Leipzig 2003.