Fränkisches Taufgelöbnis
Das sogenannte „Fränkische Taufgelöbnis“ (cod. 136 fol. 16r) und das „Merseburger Gebetsbruchstück“ (cod. 136 fol. 53r)[1] gehören zur Gattung der religiösen Gebrauchstexte in althochdeutscher Sprache. Sie stammen aus demselben Überlieferungszusammenhang wie die Merseburger Zaubersprüche, die nach dem Ort ihrer Auffindung in der Bibliothek des Domkapitels zu Merseburg benannt sind.
Zu diesem Taufgelöbnis existiert eine weitere Überlieferung, die sich in einer Handschrift (2° Germ,g· 37) in der Bayerischen Staatsbibliothek in München befindet.[2]
Herkunft und Form
Die Merseburger Zaubersprüche (MZ1+2) sowie das sogenannte „Fränkische Taufgelöbnis“ (fol. 16r) und das „Merseburger Gebetsbruchstück“ (fol. 53r) finden sich in einem Sakramentar des 9. Jahrhunderts, einer sechslagigen Sammelhandschrift mit doppelter Foliierung, aus der Bibliothek des Domkapitels zu Merseburg (Codex 136[3]). Dort wurden sie 1841 von dem Historiker Georg Waitz entdeckt.
Bereits Hanns Fischer vermutete, dass das fränkische Taufgelöbnis, zusammen mit einer lateinischen Auslegung der Messe und einem Taufritual (foll. 2r–21v), im Skriptorium von Fulda geschrieben wurde.[4] Bernhard Bischoff (1906–1991) bestätigte das Kloster Fulda als Ort der Niederschrift, wo sich der Codex nachweislich bis zum Jahre 990 befand.[5] Das fränkische Taufgelöbnis und die anderen liturgischen Texte wurden in insularer Schrift geschrieben, die Bischoff als "ungewöhnlich preziös geschriebene gerade spitzige angelsächsische Minuskel" mit „Überschriften in entsprechender angelsächsischer Halbunziale“ beschrieb.[6] Neuere paläographische Untersuchungen ordneten diese Texte dem insularen Spätstil zu, den das Fuldaer Skriptorium im zweiten Viertel des 9. Jahrhunderts unter Abt Hrabanus Maurus verwendete und der sich unter anderem durch mehrfach gebrochene Schäfte, gegabelte Schaftansätze und ein offenes d mit aufgebogenem Bogen auszeichnet.[7]
Transliteration
Die Eintragung auf fol. 16r der Handschrift stellt sich zeilengenau wie folgt dar:
Forsahhistu unholdun? Ih fursahu.
Forsahhistu unholdun uuerc indi uuillon? Ih fursahhu.
Forsahhistu allem them bluostrum indi den gelton indi den
gotum, thie im heidene man zi bluostrum indi zi geldom enti zi
gotum habent? Ih fursahhu.
Gilaubistu in got fater almahtigan? Ih gilaubu.
Gilaubistu in Christ gotes sun nerienton? Ih gilaubu.
Gilaubistu in heilagan geist? Ih gilaubu.
Gilaubistu einan got almahtigan in thrinisse inti in einisse?
Ih gilaubu.
Gilaubistu heilaga gotes chirichun? Ih gilaubu.
Gilaubistu thuruh taufunga sunteono forlaznessi? Ih gilaubu.
Gilaubistu lib after tode? Ih gilaubu.
Übersetzung des Fränkischen Taufgelöbnisses
Widersagst du dem Teufel? Ich widersage.
Widersagst du dem Werk und Willen des Teufels? Ich widersage.
Widersagst du allen Opfergaben, Opfern und
Göttern, die bei den Heiden als Opfergaben, Opfer und
Götter gelten? Ich widersage.
Glaubst du an Gott, den allmächtigen Vater? Ich glaube.
Glaubst du an Christus, Gottes Sohn, den Erlöser? Ich glaube.
Glaubst du an den Heiligen Geist? Ich glaube.
Glaubst du an einen allmächtigen Gott in Dreiheit und Einheit?
Ich glaube.
Glaubst du an die heilige Kirche Gottes? Ich glaube.
Glaubst du an die Vergebung der Sünden durch die Taufe? Ich glaube.
Glaubst du an ein Leben nach dem Tode? Ich glaube.
Literatur
- Eduard Sievers (Hg.): Das Hildebrandslied, die Merseburger Zaubersprüche und das Fränkische Taufgelöbnis mit photographischem Facsimile nach den Handschriften, Halle a. d. Saale 1872. online
- Elias von Steinmeyer (Hg.): Die kleineren althochdeutschen Sprachdenkmäler, Berlin 1916 (Nachdruck Dublin/Zürich 1971), S. 23–26. online
Einzelnachweise
- ↑ Hans-Hugo Steinhoff: Merseburger Zaubersprüche. Sp. 410.
- ↑ Hanns Fischer: Fränkisches Taufgelöbnis. In: Schrifttafeln zum althochdeutschen Lesebuch, Berlin, New York: Max Niemeyer Verlag, 1966, S. 11*.
- ↑ handschriftencensus.de
- ↑ Hanns Fischer: Schrifttafeln zum althochdeutschen Lesebuch. Tübingen 1966, S. 11*.
- ↑ Vgl. Wolfgang Beck: Die Merseburger Zaubersprüche (= Imagines Medii Aevi. Band 16). Reichert, Wiesbaden 2003, ISBN 3-89500-300-X, S. 377.
- ↑ Bernhard Bischoff: Katalog der festländischen Handschriften des neunten Jahrhunderts (mit Ausnahme der wisigotischen). 2: Laon - Paderborn. Wiesbaden 2004, ISBN 978-3-447-04750-0, S. 184, Nr. 2758.
- ↑ Charlotte Schrüfer: Aus fuldischen Handschriften. Neue Zeugnisse des insularen Spätstils von Fulda. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte. Band 77, 2025, ISSN 0066-6432, S. 453–455.