Four Piano Blues

Die Four Piano Blues des US-amerikanischen Komponisten Aaron Copland (1900–1990) für Klavier zu zwei Händen entstanden zwischen 1926 und 1948.

Entstehung

Zwei der späteren Four Piano Blues von Aaron Copland gehen auf das Jahr 1926 zurück, waren für eine nicht zu Ende geführte Klaviersuite („Five Sentimental Melodies“) vorgesehen und wurzeln ihrerseits in Entwürfen zu Coplands Klavierkonzert. Eines dieser zwei Stücke sollte dann zunächst Teil einer Folge von zwei Blues für Klavier werden („Blues No. 2“), von denen allerdings nur das erste als „Sentimental Melody“ publiziert wurde. Das andere für die Suite vorgesehene Stück erhielt den Titel „Hommage à Milhaud“ und wurde 1934 zur Grundlage des „Dove Dance“ in Coplands Ballett „Hear Ye! Hear Ye“. 1947 und 1948 komponierte Copland zwei kurze, jazzinspirierte Klavierstücke, die vielleicht Entwurfsmaterial zu seinem Klarinettenkonzert (1948) nutzen. Diese beiden kombinierte Copland mit der „Hommage à Milhaud“ an zweiter und dem „Blues No. 2“ an letzter Stelle zu seinen Four Piano Blues, die dann im Verlag Boosey & Hawkes veröffentlicht wurden.

Die Uraufführung spielte Leo Smit am 13. März 1950 in New York.[1]

Copland plante in den späten 1970er Jahren eine Orchestrierung der Four Piano Blues für Kammerorchester, die allerdings unvollendet und unpubliziert blieb.[2] Ferner existiert ein Arrangement für Saxophonquartett von Paul Cohen (2010 erschienen bei Boosey & Hawkes).

Charakterisierung

Die Spieldauer der Four Piano Blues liegt bei etwa 8 bis 9 Minuten. Jedes Stück trägt neben dem Titel eine Widmung, die jeweils einem Pianisten mit Beziehungen zu Coplands Klaviermusik gilt:

  1. Freely poetic (for Leo Smit)
  2. Soft and languid (for Andor Foldes)
  3. Muted and sensuous (for William Kapell)
  4. With bounce (for John Kirkpatrick)

Alle vier Stücke besitzen, abgesehen von einigen charakteristischen harmonischen Abfolgen, nur entfernte Stil-Anklänge an den folkloristischen oder kommerziellen Blues, greifen eher dessen Stimmungen auf und zeigen Einflüsse von George Gershwin, Claude Debussy und Maurice Ravel.

Der amerikanische Pianist und Komponist Leo Smit, Widmungsträger des ersten Stückes, nahm 1978 neben weiteren Klavierwerken Coplands auch die Four Piano Blues für das Label CBS auf. Dieses in langsamem Tempo gehaltene, zart nostalgisch wirkende Stück verbindet Charakteristika von Gershwin und Debussy.

Andor Foldes war eng mit Béla Bartók verbunden, aber auch ein Freund von Copland. Das zweite Stück spielt mit subtilen polytonalen Harmonien und lässt zuweilen die folkloristisch inspirierte Musik von Coplands späteren Balletten erahnen.

William Kapell, Widmungsträger des dritten Stücks, sollte 1953 31-jährig bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommen. Die etwas an Debussy anklingende Musik wirkt vorwiegend gedämpft und zurückhaltend und zeigt eine asketischere Seite des Komponisten, die er in späteren Jahren weiterentwickeln sollte.

Die Musik des letzten Stückes nähert sich dem Geist des Ragtime und beginnt mit einem lebhaften, ausgelassenen Hauptthema, das von einem verträumten Alternativthema abgelöst wird. Der Widmungsträger John Kirkpatrick war eng mit dem Werk von Charles Ives verbunden, aber auch mit Copland bekannt.

Literatur

  • CD-Beilage La Musica (LMU011D), Piano Recital David Lively, Text: Sylviane Falcinelli

Einzelnachweise

  1. Werkangaben, The Aaron Copland Fund for Music
  2. Werkangaben, The Aaron Copland Fund for Music