Flugzeugkollision über Nackenheim
Die Flugzeugkollision über Nackenheim war ein Zusammenstoß zweier F-16-Kampfflugzeuge am 29. Juni 1988 über dem nördlichen Ortsrand der rheinland-pfälzischen Gemeinde Nackenheim.[1][2] Es handelte sich um den neunzehnten und zwanzigsten F-16-Absturz der US Air Force in Europa.[3]
Beteiligte Luftfahrzeuge
Bei den verunfallten Maschinen handelte es sich um zwei General Dynamics F-16C Block 25F mit den Seriennummern 84-1395 und 85-1401. Erstere war am 5. Juni 1986 an die US Air Force ausgeliefert worden, letztere am 13. Juni 1986. Zum Zeitpunkt des Unfalls waren beide Flugzeuge als Teil des 313th Tactical Fighter Squadron, 50th Tactical Fighter Wing auf der Hahn Air Base stationiert.[4][5]
Hergang
Die beiden Jets simulierten in etwa 150 Metern Höhe einen sogenannten Dogfight, einen Luftkampf im Kurvenflug.[2] Als sie von der Flugsicherung aufgefordert wurden, ihren Kurs zu ändern, drehte einer der Piloten nach rechts ab, während der andere entgegen den Anweisungen Kurs hielt. Gegen 13:30 Uhr[6] und bei einer Geschwindigkeit von 800 oder 900 km/h kollidierten die Flugzeuge an den Tragflächen, explodierten und stürzten auf ein Feld im Bereich des heutigen Aldi-Marktes am Ortsrand von Bodenheim. Teile fielen auf die B9-Zubringerstraße L413. Einer der beiden Piloten (Captain Mike Crandall) starb, der andere (Captain Bob McCormack) konnte sich per Schleudersitz retten und wurde schwer verletzt in einem Getreidefeld aufgefunden.[7][2][1] Hätte sich der Zusammenstoß eine Sekunde früher ereignet, wären die Flugzeuge laut Chronik der Bodenheimer Feuerwehr im Bereich der Nackenheimer Schule niedergegangen, eine Sekunde später im Gewerbegebiet von Bodenheim.[1]
Untersuchung und Folgen
Der Flugunfall – es war der dritte und vierte F-16-Absturz innerhalb dreier Monate – löste bundesweit politische Diskussionen über die Tiefflüge von Militärflugzeugen über bewohntem Gebiet aus.[8][3][1] Die Untersuchung des Unfalls ergab, dass Mike Crandall bereits seit 18 Stunden im Dienst war, in diesem Zeitraum mehrere Flüge absolviert hatte und übermüdet war. Der dafür verantwortliche Staffelkapitän verlor seinen Posten. Bob McCormack arbeitete nach seiner Genesung für Continental Airlines.[9]
Der Landtag von Rheinland-Pfalz fasste eine Woche nach dem Unglück, am 6. Juli 1988, einstimmig eine Entschließung zur sofortigen Einstellung von Luftkampfübungen über Wohnsiedlungen und von Tiefflügen unterhalb von 300 Metern.[10]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Bodenheim, Feuerwehr Bodenheim, abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ a b c F-16 crashes in West Germany trigger complaints, United Press International, 30. Juni 1988.
- ↑ a b Am selben Nachmittag (laut AP-Meldung) stürzte bei Marxzell eine weitere F-16 ab, was (laut UPI-Meldung) der einundzwanzigste Absturz war.
- ↑ F-16C 84-1395 auf F-16.net (englisch), abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ F-16C 85-1401 auf F-16.net (englisch), abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ U.S. F-16s Crash in Mid-Air; Another F-16 Crashes in Black Forest, Associated Press, 29. Juni 1988.
- ↑ Informations- und Mahnstele zum Absturz von zwei F-16-Kampfjets der US-Luftwaffe am 29. Juni 1988 auf der Website der Gemeinde Bodenheim, abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ Serge Schnemann: 3 U.S. Jet Fighters Crash in Germany, New York Times, 30. Juni 1988.
- ↑ Biografie Bob McCormack auf racingjets.com (englisch), abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ Chronik des Landes Rheinland-Pfalz – Politik ab 1945, Teil 1; herausgegeben von der Landeszentrale für Politische Bildung, 2001; Datensatz 88/27 (siehe auch 88/25).
Koordinaten: 49° 55′ 22,4″ N, 8° 20′ 23,8″ O