Fluchtsymbol
Unter einem Fluchtsymbol versteht man in der Informatik ein besonderes Maskierungszeichen, wie beispielsweise das Escape-Steuerzeichen[1] oder den Backslash.[2] Mittels des Fluchtsymbols ist ein darauf folgendes Metazeichen ein normales Zeichen, das nun nicht mehr für seine vorgesehene Funktion steht.
Beispiel
In Unix-Dateisystemen sind außer dem Schrägstrich / und dem Nullwert \0 grundsätzlich alle anderen Zeichen erlaubt, somit auch Metazeichen und Wildcards.
Da auf einer Unix-Shell ein Sternchen (auch Asterisk) * normalerweise als Wildcard interpretiert wird, Dateinamen aber ein Sternchen enthalten dürfen, muss der Asterisk per Fluchtsymbol maskiert werden, wenn er nicht für ein Wildcard stehen soll:
Das Kommando:
# touch Dateiname\ mit\ \*\ im\ Namen.txt
erstellt eine leere Datei mit dem Namen Dateiname mit * im Namen.txt. Um nicht als zusätzlicher Kommandozeilenparameter interpretiert zu werden, müssen neben dem Sternchen auch die Leerzeichen maskiert werden, wenn der gesamte Name nicht in Anführungszeichen gesetzt wird:
# touch 'Dateiname mit * im Namen.txt'
Hier dient das einfache Anführungszeichen ' als Funktionszeichen: alles, was zwischen einem Paar gleicher Anführungszeichen liegt, kennzeichnet für die Shell ein einziges Argument; andernfalls würden die Leerzeichen als Funktionszeichen die Parameter trennen. Um nun auch Anführungszeichen in einem Dateinamen unterzubringen, müssen wiederum Fluchtsymbole verwendet werden:
# mv "Dateiname mit * im Namen.txt" Sonderzeichen\ \*,\ \?,\ \',\ \",\ \\,\ \$\ \(auszugsweise\)\ im\ Dateinamen.Erweiterung
Das Ergebnis dieses Unix-Kommandos ist, dass die zuvor erstellte leere Datei Dateiname mit * im Namen.txt (erstes Argument, diesmal zusammengefasst durch doppelte Anführungszeichen) umbenannt wird in Sonderzeichen *, ?, ', ", \, $ (auszugsweise) im Dateinamen.Erweiterung (zweites Argument, durchwegs per Fluchtsymbol zusammengefasst).
Einzelnachweise
- ↑ Manfred Braun, Thomas Giese, Ulrich Hüttermann, Rolf Krattenmacher, Gerhard Schweitzer: Gabler-Kompakt-Lexikon EDV und Informatik: 2000 Begriffe. Gabler, 1993, ISBN 978-3-409-19928-5, S. 59 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): „ESC; (Abk. für: Escape); (dt.: Fluchtsymbol); Kontrollzeichen des ASCII-Zeichensatzes zum Einleiten einer Steuersequenz.“
- ↑ Jürgen Gulbins: UNIX – Eine Einführung in UNIX, seine Begriffe und seine Kommandos. Springer Compass, 1984, ISBN 978-3-662-00616-0, 3. Erste Schritte in UNIX; 3.7 Parameterexpansion, S. 33 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): „Das Metazeichen ‚\‘; Zuweilen mochte man eines der Metazeichen an der Shell vorbeischmuggeln, da es nicht von dieser, sondern vom eigentlichen Programm interpretiert werden soll. Dies kann geschehen, indem man dem Metazeichen das Fluchtsymbol \ voranstellt. Das Fluchtsymbol hat im Sinne der Kommandosyntax für die Shell die Bedeutung: Interpretiere das nachfolgende Zeichen nicht, es ‚maskiert‘ das nachfolgende Zeichen.“