Flottendienstboot Klasse 424
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Das Flottendienstboot Klasse 424 ist ein Beschaffungsprogramm der Deutschen Marine für den Ersatz der Aufklärungsschiffe der Oste-Klasse (auch als Klasse 423 bezeichnet). Hauptsächlicher Nutzer wird der Cyber- und Informationsraum (CIR) mit Spezialisten aus dem Kommando Strategische Aufklärung, während die Deutsche Marine die Boote betreibt. Die Klasse 424 ist deshalb ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Marine und des CIR mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) als Beschafferin.[1]
Geschichte
Hintergrund
Die bisherigen Boote der Oste-Klasse wurden zwischen 1986 und 1989 gebaut, noch unter den Vorzeichen des Kalten Krieges und sollen deshalb ab 2029 durch Boote ersetzt werden, die besser auf die aktuellen Anforderungen und Bedrohungen zugeschnitten sind, unter anderem auch durch die Ausstattung mit neuer Sensorik.[2] Die Beschaffung wurde insbesondere vor dem Hintergrund der wachsenden Spannungen mit Russland ab 2014 in Auftrag gegeben.
Beschaffungsverfahren
Nach der Genehmigung des Programms durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags am 23. Juni 2021 wurde bereits am nächsten Tag der Bauvertrag über drei Boote mit der Fr. Lürssen Werft, ab Herbst 2021 unter NVL (Naval Vessel Lürssen) firmierend, abgeschlossen.[3] Die Boote sollen ab 2029 zulaufen.[4]
Als Kosten für die drei Boote und eine „Ausbildungs- und Referenzanlage Aufklärung“ (ARAA) waren zunächst 2,1 Mrd. Euro veranschlagt.[5] Bei der Technik dieser Boote handelt es sich um so genannte „nationale Schlüsseltechnologien“. Deshalb werden sowohl der Schiffbau als auch die informationstechnische Ausstattung und die Technik der Verschlüsselung nicht europaweit ausgeschrieben, sondern die Vergabe gezielt vorgenommen. Der Haushaltsausschuss versah die Freigabe der öffentlichen Gelder deshalb auch mit umfangreichen Vorgaben.[6]
Im April 2023 wurde bekannt, dass der Hersteller von Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich ausgeht. Der Bundesrechnungshof hatte im Vorfeld vor einer Vergabe des Auftrags an NVL gewarnt.[7][8][9] Nachdem der Haushalts- und der Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestags am 6. Juli 2023 der Beschaffung zugestimmt hatten, wurde am 10. Juli 2023 ein Änderungsvertrag zwischen dem BAAINBw und NVL geschlossen, mit dem das Projekt auf ein neues Beschaffungsverfahren umgestellt wird. War es bisher so, dass der Auftraggeber genaue Spezifikationen vorgab und dann auch für Fehler und Folgekosten haftbar war, die während der Umsetzung auftraten, ist es jetzt so, dass durch die Bundeswehr vorgegeben wird, wie die Spezifikationen lauten sollen, die Umsetzung aber NVL als Auftragnehmer obliegt und damit auch die Verantwortung bei der Umsetzung. Als Volumen sind nach Abschluss des Änderungsvertrages zunächst bis zu 3,26 Milliarden Euro vereinbart worden.[10]
Bau
Der Bau des ersten Bootes begann im November 2024.[11] Am 25. Februar 2025 wurde auf der Wolgaster Peene-Werft die Kiellegung gefeiert.[4] Anfang September 2025 wurde mit dem Bau des zweiten Bootes begonnen, mehrere Monate vor dem eigentlichen Zeitplan,[12] am 19. November erfolgte dessen Kiellegung.[13]
Einheiten
Über die Namensgebung der drei Boote ist derzeit noch nichts bekannt, insbesondere auch nicht, ob sie die Namen der drei Vorgängerboote (Alster, Oker, Oste) übernehmen.
| Kennung | Name | Rufzeichen | Werft | Kiellegung | Stapellauf | Auslieferung | Indienststellung | Heimathafen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Erste Einheit | Peene-Werft (NVL) | 25. Feb. 2025 | ||||||
| Zweite Einheit | Peene-Werft (NVL) | 19. Nov. 2025 |
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ Dorothee Frank: Bundeswehr erhält Flottendienstboote. In: Behörden Spiegel. 24. Juni 2021, archiviert vom am 5. Juli 2021; abgerufen am 7. Juli 2021.
- ↑ Pia Martino: Neue Flottendienstboote für bessere Aufklärungsergebnisse. In: Bundeswehr. 26. Februar 2025, abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Bremer Lürssen-Werft erhält erneut Rüstungsauftrag in Millionenhöhe. 8. Juli 2021, abgerufen am 26. September 2021.
- ↑ a b Dorothee FrankLeiterin Onlineredaktion: Kiellegung des ersten Flottendienstbootes Klasse 424 der Bundeswehr. 25. Februar 2025, abgerufen am 25. Februar 2025.
- ↑ Bericht bei augengeradeaus, abgerufen am 27. Juni 2021
- ↑ Lürssen baut neue Flottendienstboote – Marine soll neue Aufklärungsschiffe ab 2027 bekommen (Nachtrag: BAAINBw). In: Augen geradeaus! Abgerufen am 7. Juli 2021.
- ↑ Lars Hoffmann: Lürssen bündelt militärischen Schiffbau in neuer Gesellschaft. 1. Oktober 2021, abgerufen am 25. Juni 2023 (deutsch).
- ↑ Massimo Bognanni, Martin Kaul (WDR) und Nils Naber, Stella Peters (NDR): Kostenexplosion bei Spionageschiffen für die Bundeswehr. Abgerufen am 25. Juni 2023.
- ↑ Spionageschiffe der Bremer Lürssen-Werft: Kritik an Milliarden-Auftrag - buten un binnen. Abgerufen am 25. Juni 2023.
- ↑ Flottendienstboote Klasse 424. In: marineforum. 11. Juli 2023, abgerufen am 20. November 2025 (deutsch).
- ↑ Deutsche Marine: Lürssen startet den Bau der neuen Spionageschiffe - WELT. Abgerufen am 22. November 2024.
- ↑ Brennstart für zweites Flottendienstboot erfolgt. 5. September 2025, abgerufen am 5. September 2025.
- ↑ Flottendienstboot Klasse 424 – Kiellegung des zweiten Bootes früher als geplant. In: Hartpunkt. 19. November 2025, abgerufen am 20. November 2025.