Fleckmantel-Faulvogel
| Fleckmantel-Faulvogel | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
|
Fleckmantel-Faulvogel | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Nystalus maculatus | ||||||||||||
| (Gmelin, JF, 1788) |
Der Fleckmantel-Faulvogel (Nystalus maculatus), Syn. Alcedo maculata, ist eine Vogelart aus der Familie der Faulvögel (Bucconidae).[1]
Der Vogel kommt in Südamerika vom Nordosten Brasiliens bis Nordwesten Argentiniens vor.
Der Lebensraum umfasst Mischwald, Waldränder, Savanne, Weideland und Kulturland, im südlichen Teil des Verbreitungsgebietes auch trockene subtropische Wälder, Waldinseln bis über 2000 m Höhe in Bolivien.[2]
Merkmale
Die Art ist 18–19 cm groß und wiegt zwischen 32 und 42 g. Die Kopfkappe ist dunkelbraun und kräftig gelbbraun gesprenkelt. Weißliche Federn an der Schnabelbasis und an den Ohrdecken tragen graue Spitzen und eine leichte Strichelung, deutlicher am Hinteraugenstreif und Zügel. Der Überaugenstreif ist gelbbraun. Hinzu kommt ein breites blass rotbraunes Nackenband. Die Oberseite ist braun und gelbbraun gebändert und gefleckt, auch der lange, schmale Schwanz ist breit schwarz gebändert mit schmalen gelbgrauen Spitzen. Die Kehle ist orange bis rotbraun, die Oberbrust breit orange, die Unterbrust weißlich kräftig gefleckt, die Unterseite weißlich mit schwarz gestrichelten Flanken, die Unterschwanzdecken sind gelblich bis bräunlich. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. Die Iris ist hellgelb, der Schnabel überwiegend rot mit grauer Spitze, grauer Basis und grauem Schnabelfirst. Die Beine sind dunkelgrau bis bräunlich olivfarben. Jungvögel haben einen kürzeren, grauen Schnabel, sind an Nackenhalsband und Brust blasser, die Flecken der Unterseite sehen wie Diamanten oder wie Streifen aus.[2]
Geografische Variation
Es werden folgende Unterarten anerkannt:[2][3][4] ok
- N. m. maculatus (Gmelin, JF, 1788)[5], Nominatform, – Nordost- und Zentralbrasilien
- N. m. striatipectus (P. L. Sclater, 1854)[7] – Ostbolivien bis Zentral- und Südbrasilien südlich bis Westparaguay und Zentralargentinien, kräftiger gestreift im Gesicht, Halsband blasser, mehr weiße Flecken auf der Kopfkappe, weniger deutliche Zeichnung auf der Oberseite, Schwanz enger gebändert; mehr, aber blasseres Rotbraun an der Brust, Flanken gestrichelt, weniger gefleckt, dünnerer Schnabel
- vorgeschlagene Unterart N. m. pallidigula Cherrie & Reichenberger, 1923[8] aufgrund nur minimaler Unterschiede nicht allgemein anerkannt und subsumiert
- N. m. striatipectus wurde im Jahre 1991 abgespalten als Chacofaulvogel (Nystalus striatipectus)[9][1], aber aufgrund unzureichender Unterschiede wieder als Unterart zurückgeführt.[10]
Nystalus maculatus nuchalis Cory, 1919[11] wird als weiteres Synonym zur Nominatform betrachtet.
Stimme
Die Lautäußerungen werden als ein Auf und Ab von „tewre-tewtewretewtewre“ oder wiederholtes „tuhú tuhú tuhú“ beschrieben, die Art singt im Gegensatz zu anderen Faulvögeln gern, oft zu Zweit oder zu Dritt.[2]
Lebensweise
Die Art ist überwiegend ein Standvogel, in einigen Gegenden kann es zu örtlichen Wanderungen kommen. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten einschließlich Schmetterlingsraupen, auch mal eine Schlange (Chironius flavolineatus). Gejagt wird von niedrigen Ansitzen aus.
Die Brutzeit liegt in Paraguay im Oktober, in Bolivien zwischen Januar und Februar. Das Nest wird in einer Höhle am Boden oder in einer Böschung angelegt. Das Gelege besteht aus 2 bis 3 Eiern.[2]
Etymologie und Forschungsgeschichte
Die Erstbeschreibung des Fleckmantel-Faulvogels erfolgte 1788 durch Johann Friedrich Gmelin unter dem wissenschaftlichen Namen Alcedo maculata. Als Verbreitungsgebiet gab er Brasilien an.[5] 1863 führten Jean Louis Cabanis und Ferdinand Heine junior die für die Wissenschaft neue Gattung Nystalus ein. Der Begriff hat seinen Ursprung in νυσταλος nystalos für schläfrig.[12] Der Artname maculatus hat seinen Ursprung in lateinisch maculatus ‚gefleckt‘.[13] Striatipectus ist ein Wortgebilde aus lateinisch striatus, striare, stria ‚gestreift, streifen, Furche‘ und lateinisch pectus, pectoris ‚Brust‘.[14] Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay ein Balg, gesammelt von Michael Mathias Kiefer (1902–1980) im Bergland des Río Apa bei San Luis de la Sierra im Departamento Concepción, zur Verfügung. Er sah diesen als ersten Nachweis für das Land, denn Arnaldo de Winkelried Bertoni[15] nannte in seiner Publikation nur allgemein Paraguay. Allerdings betrachtete Laubmann durch Exemplare, die durch Moriz Sassi aus Matto Grosso erhalten hatte, als gültige Unterart N. m. pallidigula. Es ist die kürzere Flügellänge und die reduzierte Fleckung mit weniger Streifen, die ihn zu diesem Urteil brachte. In Paraguay betrachte er nur die Nominatform als verbreitet.[16] Parvirostris leitet sich von lateinisch parvus ‚klein‘ und lateinisch -rostris, rostrum ‚-schnablig, Schnabel‘ ab[17], pallidigula von lateinisch pallidus, pallere ‚blass, blass sein‘ und lateinisch gula ‚Kehle‘[18] und nuchalis von lateinisch nuchalis, nuchus ‚den Nacken betreffend, am Nacken, Nackenbereich‘.[19]
Gefährdungssituation
Der Bestand gilt als „nicht gefährdet“ (Least Concern).
Literatur
- Arnaldo de Winkelried Bertoni in Mosè Giacomo Bertoni: Fauna paraguaya. Catálogos sistemáticos de los vertebrados del Paraguay : peces, batracios, reptiles, aves, y mamíferos conocidos hasta 1913. In: Descripcion fisica y economica del Paraguay. Band 59, Nr. 1. Establecimiento Gráfico M. Brossa, Asunción 1914, S. 1–86 (google.de).
- Jean Louis Cabanis, Ferdinand Heine junior: Museum Heineanum Verzeichniss der ornithologischen Sammlung des Oberamtmann Ferdinand Heine auf Gut St. Burchard vor Halberstadt. Mit kritischen Anmerkungen und Beschreibung der neuen Arten systematisch bearbeitet von Dr. Jean Cabanis, erstem Custos der Königlichen zoologischen Sammlung zu Berlin und Ferdinand Heine, Stud. philos. In: IV. Theil, die Klettervögel enthaltend Heft 2: Spechte. Band 4, Nr. 1. R. Frantz, Halberstadt 1863 (biodiversitylibrary.org – 1862-1863).
- Charles Barney Cory: Catalogue of birds of the Americas. In: Field Museum of Natural History Publication 203 (= Zoological Series. Band 13). Nr. 2, 1919, S. 317–607 (biodiversitylibrary.org).
- George Kruck Cherrie, Elsie Margaret Binger Reichenberger: Descriptions of proposed new birds from Brazil and Paraguay. In: American Museum novitates. Nr. 58, 1923, S. 1–8 (amnh.org [PDF; 666 kB]).
- Johann Friedrich Gmelin: Systema Naturae per Regna Tria Naturae, Secundum Classes, Ordines, Genera, Species, Cum Characteribus, Differentiis, Synonymis, Locis. Band 1, Nr. 1. Georg Emanuel Beer, Leipzig 1788 (biodiversitylibrary.org).
- Carl Eduard Hellmayr: An account of the birds collected by Mons. G. A. Baer in the State of Goyaz, Brazil. In: Novitates zoologicae - a journal of zoology in connection with the Tring Museum. Band 15, Nr. 2, 1908, S. 13–102 (biodiversitylibrary.org).
- Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S. 198–199 (google.de).
- Philip Lutley Sclater: A synopsis of the fissirostral family Bucconidæ. In: Annals and Magazine of Natural history including Zoology, Botany, and Geology (= 2. Band 13). Nr. 77, 1854, S. 353–365 (biodiversitylibrary.org).
Weblinks
- Nystalus maculatus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2025.1. Eingestellt von: BirdLife International, 2024. Abgerufen am 3. Oktober 2025.
- BirdLife International: Species Factsheet – Spot-backed Puffbird (Nystalus maculatus)
- Fleckmantel-Faulvogel (Nystalus maculatus) bei Avibase
- Fleckmantel-Faulvogel (Nystalus maculatus) auf eBird.org
- Nystalus maculatus im Integrated Taxonomic Information System (ITIS)
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Fleckmantel-Faulvogel (Nystalus maculatus)
- Caatinga Puffbird (Nystalus maculatus) in der Encyclopedia of Life. (englisch).
- Oiseaux.net
- Macaulay Library Multimedia
- Fleckmantel-Faulvogel auf Briefmarken
Einzelnachweise
- ↑ a b P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF
- ↑ a b c d e P. C. Rasmussen und N. Collar: Spot-backed Puffbird (Nystalus maculatus), version 1.0. In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie und E. de Juana (Herausgeber): Birds of the World, 2020, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. Nystalus maculatus
- ↑ IOC 15.1 Jacamars, puffbirds, barbets, toucans, honeyguides
- ↑ AviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025
- ↑ a b Johann Friedrich Gmelin (1788), S. 451.
- ↑ Carl Eduard Hellmayr (1908), S. 86.
- ↑ Philip Lutley Sclater (1854), S. 364.
- ↑ George Kruck Cherrie u. a. (1923), S. 6–8.
- ↑ J. M. C. da Silva: Sistemática e biogeografia da superespécie Nystalus maculatus (Piciformes: Bucconidae). In: Ararajuba, Band 2, S. 75–79, 1991, PDF
- ↑ J. del Hoyo J & NJ Collar: HBW and BirdLife International Illustrated Checklist of the Birds of the World. Volume 1: Non-passerines., 2014, ISBN 978-84-96553-94-1
- ↑ Charles Barney Cory (1919), S. 398.
- ↑ Jean Louis Cabanis u. a. (1863), S. 139
- ↑ maculatus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
- ↑ striatipectus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
- ↑ Arnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 49.
- ↑ Alfred Laubmann (1939), S. 198–199
- ↑ parvirostris The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
- ↑ pallidigula The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
- ↑ nuchalis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling