Flagge Brasiliens

Flagge Brasiliens
Vexillologisches Symbol
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Offiziell angenommen Grunddesign:
19. November 1889
Heutige Form:
11. Mai 1992

Die Flagge Brasiliens zeigt eine gelbe Raute auf grünem Grund, darin das Kreuz des Südens, welche die Leitsterne der portugiesischen Seefahrer durch die südliche Hemisphäre gewesen waren, und darüber der verkürzte positivistische Grundsatz „Ordem e Progresso“.

Beschreibung

Der blaue Bereich in der Raute stellt den Himmel über Rio de Janeiro am 15. November 1889 um 8:30 Uhr dar[1] – der Ort und die Zeit der Proklamation der Republik. Die Abbildung ist invertiert, als befände sich der Betrachter außerhalb der Himmelskugel und würde durch die auf derselben angeordneten Sternbilder auf Brasilien blicken. Die 27 Sterne stehen für die 26 Bundesstaaten Brasiliens und den Bundesdistrikt. Ihre Zahl erhöhte sich von 21 (1889–1960) über 22 (1960–1968) und 23 (1968–1992) auf 27 Sterne (seit 1992).

Das portugiesische Motto ordem e progresso [ɔɾdeĩ i pɾu'gɾɛsu], deutsch ‚Ordnung und Fortschritt‘, des weißen Spruchbandes geht auf den Franzosen Auguste Comte zurück, dessen Philosophie (dem Positivismus) die Gründerväter der Republik anhingen.[2] Die Initianten der Flagge unterschlugen jedoch das erste der drei Wörter des von Comte vertretenen Leitsatzes, denn das Wort „Liebe“ fand nicht Eingang in die Flagge.[1]

Die Farben stehen ursprünglich nicht für das Grün der weiten Urwälder und die zahlreichen Bodenschätze (gelb) des Landes. Grün ist vielmehr die Farbe des Hauses Braganza, Gelb die der Habsburger. Mit der Vorstellung, wonach Grün das Haus Breganza repräsentiere wurde jedoch schon durch Auguste Comte gebrochen, der sagte, Grün sei die Farbe der Hoffnung.[1]

Farben

Die Farben der Flagge sind in keinem rechtlichen Dokument hinterlegt. Ungefähre Farben sind unten aufgeführt.[3]

Farbe Grün Gelb Blau Weiß
RGB 0/168/89 255/204/41 62/64/149 255/255/255
HEX 00A859 FFCC29 3E4095 FFFFFF
CMYK 100/0/100/0 0/20/100/0 100/100/0/0 0/0/0/0
Pantone Green 355 C Yellow C Blue 280 C White

Geschichte

Anlässlich der Erklärung der Unabhängigkeit von Portugal nahm das Kaiserreich Brasilien am 18. September 1822 eine von Jean-Baptiste Debret[1] entworfene grüne Flagge mit einer gelben Raute an, deren Ecken den Rand der Flagge berührten. Die in der Vexillologie ungewöhnliche Rautenanordnung soll französische Regimentsfahnen des Ersten Kaiserreichs zum Vorbild haben.[4]

Die Farben der Flagge gehen auf den brasilianischen Kaiser Pedro I. zurück, der Grün, die Farbe seines Hauses (Bragança), anlässlich seiner Eheschließung mit Maria Leopoldine von Österreich mit dem Gelb der Habsburger verband. In der Mitte der Flagge erschien ein gekrönter grüner Schild, der von grünen Kaffee- und Tabakzweigen umgeben war. Auf dem Schild lag eine weiße Scheibe mit dem karmesinroten Kreuz des Christusordens in der Mitte. Dezember 1822 wurde das Kaiserwappen in die Mitte der Flagge gesetzt.

1889 wurde Pedro II., der letzte brasilianische Kaiser, gestürzt. Die Erste Brasilianische Republik ersetzte das kaiserliche Wappen auf der Flagge durch eine blaue Himmelskugel mit den Sternen des südlichen Himmels, durchzogen von einem weißen Band, das die Aufschrift Ordem e progresso trägt. Dieser Wahlspruch geht auf brasilianische Politiker, die den Kaiser gestürzt und die Republik gegründet hatten, zurück und bezieht sich auf einen Ausspruch des positivistischen französischen Philosophen Auguste Comte. Mit dem gestalterischen Entwurf wurde der Maler Decio Villares[1] (1851–1931) beauftragt. Der Kriegs- und Bildungsminister Benjamin Constant Botelho de Magalhães (1836–1891) ersuchte ab dem 17. November 1889 den Regierungschef Manuel Deodoro da Fonseca[1] um Annahme der Flagge. Sie wurde am 19. November 1889 per Dekret eingesetzt.

Die Begründer der positivistischen Kirche hatten Kontakt zur Freimaurerei. Das gilt ebenso für die Mehrheit der Militärführung der Republik 1889 (u. a. Benjamin Constant Botelho de Magalhães, Manuel Deodoro da Fonseca). Die geometrischen Symbole auf der brasilianischen Flagge werden daher auch als Freimaurersymbole interpretiert.

Die aktuelle Darstellung der Flagge wurde durch das Flaggengesetz Nummer 8421 am 11. Mai 1992 angenommen.

Sterne

Nr. Staat Stern Sternbild Größe
01 Pará α Virginis (Spica) Jungfrau (Virgo) 1
02 Amazonas α Canis Minoris (Prokyon) Kleiner Hund (Canis Minor) 1
03 Mato Grosso do Sul α Hydrae (Alphard) Wasserschlange (Hydra) 2
04 Acre γ Hydrae 3
05 Mato Grosso α Canis Majoris (Sirius) Großer Hund (Canis Major) 1
06 Amapá β Canis Majoris (Murzim) 3
07 Rondônia γ Canis Majoris (Muliphein) 4
08 Roraima δ Canis Majoris (Wezen) 2
09 Tocantins ε Canis Majoris (Adhara) 2
10 Goiás α Carinae (Canopus) Kiel des Schiffs (Carina) 1
11 Bahia γ Crucis (Gacrux) Kreuz des Südens (Crux) 2
12 Minas Gerais δ Crucis (Decrux) 3
13 Espírito Santo ε Crucis 4
14 São Paulo α Crucis (Acrux) 1
15 Rio de Janeiro β Crucis (Becrux) 2
16 Piauí α Scorpii (Antares) Skorpion (Scorpius) 1
17 Maranhão β Scorpii (Graffias) 3
18 Ceará ε Scorpii 2
19 Rio Grande do Norte λ Scorpii (Shaula) 2
20 Paraíba κ Scorpii (Girtab) 3
21 Pernambuco µ Scorpii 3
22 Alagoas θ Scorpii (Sargas) 2
23 Sergipe ι Scorpii 3
24 Santa Catarina β Trianguli Australis (Betria) Südliches Dreieck
(Triangulum Australe)
3
25 Rio Grande do Sul α Trianguli Australis (Atria) 2
26 Paraná γ Trianguli Australis 3
27 Distrito Federal σ Octantis (Polaris Australis) Oktant (Octans) 5

Siehe auch

Literatur

  • The Flag Institute (Hrsg.): Nationalflaggen der Welt. Edition Maritim, Hamburg 2000, ISBN 3-89225-402-8.
  • Karl-Heinz Hesmer: Flaggen und Wappen der Welt. Geschichte und Symbolik der Flaggen und Wappen aller Staaten. Bertelsmann, Gütersloh 1992, ISBN 3-570-01082-1.
  • Jens Soentgen: Die Bandeira Brasileira. In: Neue Ästhetik. Das Atmosphärische und die Kunst, Festschrift für Gernot Böhme. Wilhelm Fink Verlag, München 2002, ISBN 3-7705-3639-8, S. 153–172.
Commons: Flaggen Brasiliens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Yves Saint-Geours: Le drapeau brésilien. In: Olivier Wieviorka, Michel Winock (Hrsg.): Les lieux mondiaux de l’histoire de France. Éditions Perrin, Paris 2025, ISBN 978-2-262-10860-1, S. 177–191, hier S. 180 f., 185 f.
  2. Carl D. Goerdeler: Das Gesetz des Glücks. In: Die Zeit. Nr. 50, 2007 (zeit.de).
  3. Flagge Brasiliens (vgl. CDR- oder EPS-Datei)
  4. Karl-Heinz Hesmer: Flaggen und Wappen der Welt. Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh 1992, S. 34.