Flächendesinfektion
Eine Flächendesinfektion bezeichnet eine Desinfektion von Oberflächen. Die Flächendesinfektion findet breite Anwendung in der Hygiene, z. B. in Kliniken, im Haushalt und in der Tierhaltung.
Eigenschaften
Durch die Flächendesinfektion werden Mikroorganismen auf Flächen gezielt bekämpft. Die zur Keimzahlreduktion verwendeten Reinigungsmittel enthalten Wirkstoffe auf Oberflächen (Desinfektionsmittel), z. B. Alkohole, quartäre Ammoniumverbindungen wie Benzalkoniumchlorid,[1] starke Oxidationsmittel wie Wasserstoffperoxid oder Natriumhypochlorit.[1] Bei der Flächendesinfektion kommen verschiedene Desinfektionsmittel zur Anwendung. Die Wahl richtet sich nach der Flächengröße, die zu desinfizieren ist, nach der Materialbeständigkeit der Oberfläche gegenüber dem Desinfektionsmittel und nach einer eventuell erwünschten Remanenzwirkung des Desinfektionsmittels. Beispielsweise sollen alkoholbasierte Desinfektionsmittel nur in kleinen Mengen verwendet werden, um eine Brand- und Explosionsgefahr durch verdampftes Ethanol oder Isopropanol zu mindern.[2] Flüchtige Desinfektionsmittel haben darüber hinaus keine Remanenzwirkung (keine bleibende Wirkung), da sie nicht auf der Fläche verbleiben. Ein weiteres Kriterium der Wahl des Desinfektionsmittels ist das Wirkungsspektrum des Desinfektionsmittels bzw. die Tenazität von Erregern, denn unbehüllte Viren wie das Poliovirus sind relativ unempfindlich für Alkohole.
In Krankenhäusern werden meist quartäre Ammoniumverbindungen für die Flächendesinfektion verwendet, die eine gute Beständigkeit mit weitem Wirkungsspektrum sowie eine geringe Störanfälligkeit gegenüber Proteinen haben. Die Flächendesinfektion wird gemäß dem jeweiligen Hygieneplan als Wischdesinfektion durchgeführt und das Desinfektionsmittel eintrocknen gelassen, wodurch gleichzeitig eine Reinigungs- und Desinfektionswirkung erzielt wird.[3] Nach- oder Trockenwischen ist nicht erlaubt.[3] Das Einhalten von Einwirkzeiten ist nur bei bestimmten Erregern notwendig.[3] Neben der periodischen desinfizierenden Vollreinigung werden bei Kontaminationen Routine-Flächendesinfektionen der kontaminierten Oberflächen durchgeführt.[3]
Zum Entfernen von Kalkablagerungen und Fetten benutzt man stark saure oder stark alkalische Reinigungsmittel. Zudem entfalten diese Mittel aufgrund des extremen pH-Werts – als Zusatzeffekt – auch eine deutlich keimvermindernde Wirkung.[1]
Einzelnachweise
- ↑ a b c Hermann G. Hauthal, Günter Wagner: Reinigungs- und Pflegemittel im Haushalt – Chemie, Anwendung, Ökologie und Verbrauchersicherheit, Verlag für chemische Industrie – H. Ziolkowsky GmbH, Augsburg, 1. Auflage, 2003, S. 84, ISBN 3-87846-230-1.
- ↑ Frank Scheinichen, Harald Karutz, Klaus Runggaldier, Jürgen Luxem: Notfallsanitäter Heute: für den Rettungsdienst. Urban & Fischer, 2024. ISBN 978-3-4370-5-4785. S. 16.
- ↑ a b c d Heinz-Michael Just, Markus Dettenkofer, Martin Scherrer, Sebastian Lemmen, Uwe Frank: Praktische Krankenhaushygiene und Umweltschutz. Springer Berlin Heidelberg, 2018. ISBN 978-3-6424-0-6003. S. 544.