Fjodor Matwejewitsch Ochlopkow
Fjodor Matwejewitsch Ochlopkow (russisch Фёдор Матвеевич Охлопков; wiss. Transliteration Fëdor Matveevič Ochlopkov; * 2. März 1908 in Krest-Chaldschai, Russisches Kaiserreich; † 28. Mai 1968 ebenda, Jakutische ASSR, Sowjetunion) war ein sowjetischer Scharfschütze während des Zweiten Weltkrieges und Held der Sowjetunion. Mit 429 bestätigten Abschüssen gehört Ochlopkow zu den tödlichsten Scharfschützen der Geschichte.
Leben vor dem Zweiten Weltkrieg
Fjodor Ochlopkow wurde am 2. März 1908 in der Ortschaft Krest-Chaldschai, im russischen Fernen Osten als Sohn einer jakutischen Bauernfamilie geboren. Er verfügte nur über eine Grundschulausbildung und wurde im Alter von zwölf Jahren zum Waisen. Schon in jungen Jahren musste er bereits für seine Familie sorgen und arbeitete deswegen in verschiedenen Stellen, zunächst als Schlepper in einem Bergwerk und später als Maschinenführer auf einem Kollektivhof. In seiner Freizeit absolvierte er eine Ausbildung zum Scharfschützen bei der vormilitärischen Massenorganisation OSSOAWIACHIM und zeichnete sich durch seine Treffsicherheit aus, was ihm das Abzeichen "Woroschilow-Schütze" einbrachte. Seit 1929 war er Mitglied des Komsomol, der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei.
Scharfschütze während des Zweiten Weltkrieges
Nachdem Ochlopkow im September 1941 in die Rote Armee einberufen wurde, setzte man ihn als Maschinengewehrschütze im 1243. Infanterieregiment der 375. Infanteriedivision ein. Diese Division bestand überwiegend aus Sibiriern. Sein Brudes Wassili gehörte derselben Division an, er fiel im Januar 1942[1]. Bevor er zum Scharfschützen ausgebildet wurde, war Ochlopkow bereits Kommandeur eines Trupps von Maschinengewehrschützen.
Im Oktober 1942 wurde Ochlopkow dem 234. Infanterieregiment zugeteilt. Aufgrund seines Geschicks als Schütze wurde er dort zum Scharfschützen ernannt. Anfang August 1943 wurde er zum vierten Mal im Kampf verwundet. Seine Verletzungen waren so schwer, dass er in ein Lazarett in Iwanowo evakuiert werden musste. Zu dieser Zeit hatte seine Division fast 80 % ihrer Soldaten durch feindliche Angriffe verloren.
Nachdem er als Scharfschütze wieder an die Front zurückgekehrt war, konnte er die Anzahl seiner Tötungen erheblich steigern. Für seine treffsicheren Schüsse erhielt er mehrere Medaillen. Bei seinen Kameraden war er für seine außergewöhnliche Präzision bekannt, da er selten mehr als einen Schuss brauchte, um sein Ziel zu treffen. Er führte lange Scharfschützenduelle mit feindlichen Gegnern, wartete geduldig, bis sie ihre Stellung aufgaben, und schoss dann gezielt auf ihre Positionen. Neben seiner Arbeit als Scharfschütze lernte er auch, ein Panzerabwehrgewehr zu bedienen, und nahm an Aufklärungseinsätzen hinter feindlichen Linien teil.
Am 7. Juni 1944 wurde er für die Auszeichnung Held der Sowjetunion vorgeschlagen, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits 420 feindliche Soldaten getötet hatte. Die Auszeichnung wurde jedoch später auf den Orden des Roten Banners herabgestuft. Nur wenige Wochen später, am 23. Juni 1944, wurde er bei intensiven Kämpfen in Weißrussland schwer am Brustkorb verwundet – es war seine zwölfte Verwundung in einem Einsatz. Nach seiner Verlegung in eine Sanitätseinheit wurde er in ein Lazarett hinter der Front gebracht, um sich zu erholen. Aufgrund der Schwere seiner Verletzungen war er bis zum Frühjahr 1945, kurz vor Kriegsende, militärisch nicht einsatzfähig[1].
Am Ende des Krieges hatte Fjodor offiziell 429 feindliche Soldaten erschossen. Zusätzlich tötete er 27 weitere Feinde mit seinem Maschinengewehr, doch diese wurden bei seiner offiziellen Bilanz nicht berücksichtigt.[2][3]
Nachkriegszeit
Nach seiner Teilnahme an der Moskauer Parade zum Tag des Sieges am 24. Juni 1945 wurde er aus dem Militärdienst entlassen. Bei seiner Rückkehr in seinen Heimatort wurde er von den Einwohnern mit großer Begeisterung begrüßt.
Von 1945 bis 1949 leitete er die Militärabteilung des Komitees der Kommunistischen Partei im Bezirk Tattinski. Bereits 1946 wurde er Mitglied des Nationalitätensowjet. Zwischen 1949 und 1951 war er Direktor des Tattinski-Büros für Pelzbeschaffung. Anschließend leitete er bis 1954 das Tattinski-Büro des Jakutsker Fleischkonzerns. Von 1954 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1960 arbeitete er in einer Kollektivwirtschaft.
Am 6. Mai 1965 wurde ihm schließlich, über zwanzig Jahre nach seiner Nominierung, der Titel Held der Sowjetunion sowie der Leninorden verliehen[4]. Er verstarb wenige Jahre darauf, am 28. Mai 1968 in seinem Heimatort. Gemeinsam mit seiner Frau Anna, die als Heldenmutter ausgezeichnet wurde, hatte er zehn Kinder.
Auszeichnungen
- Held der Sowjetunion (6. Mai 1965)[4]
- Leninorden (6. Mai 1965)[4]
- Rotbannerorden (26. Juli 1944)
- Orden des Vaterländischen Krieges (17. Oktober 1943)
- Zweimal Orden des Roten Sterns (27. August 1942; 4. Dezember 1942)
- Tapferkeitsmedaille (18. Juli 1944)
Einzelnachweise
- ↑ a b Henry Sakaida: Heroes of the Soviet Union : 1941-45. Osprey Publishing, London 2004, S. 17–18.
- ↑ Borzenko, Sergej: Soviet Military Review. Krasnaja Swesda, Moskau 1970, S. 45–50.
- ↑ Ochlopkov, Fjodor Matvejevič (tschechisch). Abgerufen am 17. Oktober 2025
- ↑ a b c Газета «Социалистическая Якутия» No 107 (13434) от 8 мая 1965 года (стр. 1)