Feuer und Schierling
Feuer und Schierling ist ein Fantasy-Roman der britischen Autorin Diana Wynne Jones, der 1985 in den Vereinigten Staaten durch den Verlag Greenwillow Books publiziert wurde. Die Erzählung basiert größtenteils auf den angel-schottischen Balladen Tam Lin und Thomas der Reimer.
Inhalt
Als Polly Whittacker ihr altes Schlafzimmer ausräumt, bemerkt sie, dass hinter ihren Erinnerungen an ihr ganz normales und gewöhnliches Leben noch weitere Erinnerungen stecken, die sie auf wundersame Weise vergessen haben muss.
Polly denkt zurück an diese „hinteren“ Erinnerungen, bis sie merkt, dass der Zeitpunkt, seitdem beide Teile ihrer Erinnerungen auseinander schweifen, der Zeitpunkt zu sein scheint, an dem sie zum ersten Mal mit zehn Jahren beim Spielen mit ihrer Freundin Nina in das alte „Hunsdon Haus“ geriet. Damals lernte sie einen Mann namens Thomas Lynn kennen, der dort einer Testamentsvollstreckung beigewohnt hatte und ihr Freund wurde. Sie laufen durch den Garten, unterhalten sich und schließlich führt er sie wieder in die Villa, damit sie für ihn sechs Bilder aus einem Stapel aussucht, von dem laut Testament jeder Verbliebene etwas mit nach Hause nehmen darf; eines davon ist eine Fotografie, unter der die Worte „Feuer und Schierling“ geschrieben stehen und auf der Menschen in einem Brand dargestellt werden. Polly darf es als Andenken behalten. Zum Abend hin führt Tom sie zurück zu ihrem Haus, in dem Pollys Großmutter lebt.
Über die folgenden Jahre werden Tom und Polly sehr gute, fast unzertrennliche, Freunde, und besuchen sich oft gegenseitig. Tom sendet Polly Bücher und Briefe mit Geschichten darin, die fast alle eine Bedeutung für sein weiterführendes Leben haben. Zusammen denken sich die zwei Geschichten über einen Helden namens Tan Coul und seinen Assistenten Hero aus, die eigentlich Mr. Lynn und Polly selbst darstellen. Jedoch werden die Geschichten alle früher oder später wahr: Zum Beispiel treffen die beiden ein echtes Pferd im Verkehr der Straßen von London, das aus dem Zirkus entflohen ist, nachdem sie über Tan Coul's Reittier diskutiert haben. Eine ausgedachte Stadt und ein dazugehöriger Eisenwaren-Laden werden im Verlauf der Geschichte echt, jedoch sind alle Bewohner das Gegenteil ihrer ausgedachten Äquivalente. Tom und Pollys Geschichten beinhalten noch drei andere Helden; später nämlich gibt Tom Polly eine Fotografie von allen Mitgliedern seines Orchesters und fragt sie, wer mit dabei sein soll. Sofort zeigt sie auf drei Musikanten und Tom meint verblüfft, mit genau denen habe er ein Streichquartett gründen wollen.
Währenddessen findet Polly mehr und mehr über die Familienmitglieder von Toms Ex-Frau heraus, die versuchen, sie zu bedrohen und von Tom Lynn fernzuhalten. Einer davon heißt Seb und er ist nur ein paar Jahre älter als Polly. Sie vermutet, Toms Ex-Frau Laurel würde eine Art Macht über die anderen haben; Tom aber will nicht darüber reden.
Polly wird langsam älter und der Zusammenhalt ihrer eigenen Familie gerät ins Wanken: Ihr Vater Reg verlässt sie und ein neuer Mitbewohner zieht ein und beginnt eine Beziehung mit Pollys Mutter Ivy. Als Ivy ihre Tochter zu ihrem Vater nach Bristol schickt, bemerkt sie schnell, dass sie auch dort nicht gewünscht ist. Ihr Vater verschwieg seiner neuen Freundin, dass Polly kommen, und auch, dass sie bleiben sollte. Also zieht sie bei ihrer Großmutter ein, die fortan einen starken Anker in ihrem Leben bildete.
An Pollys sechzehntem Geburtstag wird ihr klar, dass sie Tom schon immer geliebt hatte. Doch als sie von ihm zurückgewiesen wird (einerseits aufgrund des Altersunterschiedes und andererseits aufgrund ihrer Sicherheit, wie sie später herausfindet), zieht sie los, um schlussendlich das Geheimnis um Laurel zu lösen.
Hauptfiguren
- Polly Whittacker ist die Protagonistin und im Buch wird ihre Lebensgeschichte erzählt.
- Thomas Lynn ist eng mit Polly befreundet und muss von ihr gerettet werden.
- Granny ist Pollys leicht strenge Großmutter väterlicherseits, mit der Polly ab einem Alter von zehn Jahren zu wohnen beginnt.
- Laurel is die Antagonistenfigur und eine Art „Feenkönigin“.
- Ivy ist Pollys wankelmütige Mutter.
- Nina ist Pollys Kindheitsfreundin. In Pollys „überarbeiteten“ Erinnerungen kennen sie sich aber gar nicht.
- Fiona Perks wird Pollys beste Freundin und Mitbewohnerin und spielt eine wichtige Rolle bei der Errettung Toms.
Hauptthema
Feminismus – Die ursprüngliche „Tam Lin“-Geschichte erzählt von einer mutigen, jungen Frau namens Janet, die ihren Freund von den Feen errettet. Als Jones die Neuerzählung schrieb, wusste sie, dass sie eine „narrative Struktur brauchte, die nicht einfach eine weibliche Person an die Stelle einer sonst meist männlichen Person stellte“. In den Geschichten, die Tom und Polly sich ausdenken, ist Polly eine Heldin namens „Hero“, Tom Lynns Assistentin, die sich als Junge ausgeben muss.
Anspielungen auf andere Bücher
Feuer und Schierling spiegelt klar und deutlich die altenglische Sage „Tam Lin“ wider, die seit Mitte des 16. Jahrhunderts existierte. Diana Wynne Jones schrieb dazu, ihr Ziel war, „ein Buch zu schreiben, in dem das moderne Leben und heroische, mythische Aventiuren miteinander so dicht verschmelzen, dass man sie fast unmöglich wieder trennen kann.“ Das „Hunsdon House“, in dem die Beerdigung stattfand, soll Carterhaugh darstellen. Thomas Lynn ist eine Mischung aus Tam Lin und Thomas der Reimer, seine Ex-Frau Laurel stellt die Königin der Feen dar. Polly identifiziert sich im Buch sogar einmal direkt mit Janet, nachdem sie das Oxford Book of English Verse gelesen hat, und hofft, dass „sie nur halb so viel davon schaffen könnte, was Janet geschafft hatte“.
Verweise auf andere Bücher
Als Polly älter wird, schickt ihr Tom Lynn Bücher, von denen die meisten sie indirekt als geheime Botschaft über den Pakt mit Laurel aufklären sollen. An einem Punkt der Geschichte sagt Tom: „Nur bescheidene, schwache Denker können behaupten, dass Märchen Unsinn sind. Jede Geschichte hat ihre eigene, richtige Wahrheit, die du finden kannst, wenn du nach ihr suchst“.
Zu den Märchenbüchern gehören Der goldene Zweig, Östlich von der Sonne und westlich vom Mond und The Oxford Book of English Verse (in welchem Thomas der Reimer und Tam Lin beide enthalten sind). Weiterhin: Onkel Toms Hütte, Black Beauty, Sherlock Holmes, Der Krieg der Welten, Die neununddreißig Stufen und andere.
Nachdem Polly die Drei Musketiere von Alexandre Dumas gelesen hatte, nennt sie sich selbst in den Briefen an Tom Porthos, da das ihr Lieblingscharakter ist.
Publikation
Im Anschluss an die erste Publikation in den USA folgte 1985 die Veröffentlichung im Vereinigten Königreich durch Methuen Children's Books. Später wurde das Buch mehrere Male von verschiedenen Verlagen als Taschenbuch neu publiziert und auch ins Deutsche übersetzt.
Ausgaben (Auswahl):
- Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock. Greenwillow, 1985. ISBN 978-0-688039424
- Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock. Methuen, 1985. ISBN 0-416-50960-6.
- Diana Wynne Jones: Feuer und Schierling. Beltz, 2002. ISBN 978-3-407787422.
- Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock. (Taschenbuch) Firebird, 2012. ISBN 0-14242014X
Resonanz
Dave Langford rezensierte „Fire and Hemlock“ in White Dwarf und schrieb: „Dieses ambitionierte Buch ist fast schon zu kompliziert. Wenn die Handlung dann endlich richtig in Schwung kommt, wird der abrupte Wechsel von den vorherigen, gemächlichen Rätseln den Leser wahrscheinlich völlig überfordern und verwirren. Lesen Sie es mit Vorsicht.“[1]
Der Roman wurde bei der Verleihung des Phoenix Award im Jahr 2005 als Honor Book ausgezeichnet, während The Catalogue of the Universe von Margaret Mahy als Gewinner gekürt wurde.[2]
Literatur
- John Stephens, Robyn McCallum: Retelling Stories, Framing Culture: Traditional Story and Metanarratives in Children's Literature. Routledge, 1998. ISBN 978-0-815312987. S. 222, 224.
- Diana Wynne Jones: The heroic ideal – a personal Odyssey. In: The Lion and the Unicorn. Band 13, Nr. 1, Juni 1989, S. 129–140, doi:10.1353/uni.0.0435 (englisch).
Weblinks
- Jane: Introducing Two Sides BookBlogs: 1: Fire and Hemlock by Diana Wynne Jones. In: Two Sides BookBlog. 24. November 2007 (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ Dave Langford: Critical Mass. In: White Dwarf. Nr. 96. Games Workshop, Dezember 1987, S. 13 (englisch).
- ↑ Phoenix Award 2005. In: childlitassn.org. Abgerufen am 12. Dezember 2025.