Fire Music (Album)
| Fire Music | ||||
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| Studioalbum von Archie Shepp | ||||
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Veröffent- |
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Aufnahme |
16. Februar/9. März 1965 | |||
| Label(s) | Impulse! Records | |||
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Format(e) |
LP, CD, Download | |||
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Titel (Anzahl) |
5 | |||
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38:20 | ||||
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Besetzung |
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Studio(s) |
Van Gelder Studio, Englewood Cliffs, New Jersey | |||
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Fire Music ist ein Musikalbum von Archie Shepp. Die am 16. Februar und am 9. März 1965 im Rudy Van Gelder Studio, Englewood Cliffs, New Jersey, entstandenen Aufnahmen erschienen 1965 auf Impulse! Records.
Hintergrund
Ein halbes Jahr nach seiner Probesession Derailleur: The 1964 Demo Session und seinem ersten Impulse-Album Four for Trane nahm der Saxophonist Archie Shepp im Februar 1965 in Sextett-Besetzung vier Stücke für ein weiteres Impulse!-Album auf; es entstanden neben Eigenkompositionen Shepps Coverversionen der Standards „Prelude to a Kiss“ und „The Girl from Ipanema“. Seiner Band gehörten Ted Curson (Trompete), Joseph Orange (Posaune), Marion Brown (Altsaxophon), Reggie Johnson (Bass) und Joe Chambers (Schlagzeug) an.
Der Titel „Malcolm, Malcolm, Semper Malcolm“, dem Bürgerrechtler Malcolm X gewidmet,[1] entstand am 9. März 1965 in Triobesetzung mit David Izenzon (Bass) und J. C. Moses (Schlagzeug). Bei letzterer Session entstand weiteres Material, das teilweise („The Pickaninny“) für das Folgealbum On This Night genutzt wurde.[2] Zwei Takes von dem bei der Triosession entstandenen „The Chase“, ein Alternativer Take von „Mac Man“ erschienen zunächst auf der LP Further Fire Music; ein weiterer Take von „The Chase“ wurde 1965 auf der Kompilation The Definitive Jazz Scene, Volume Three (Impulse! A-9101) veröffentlicht.[3]
Titelliste
- Archie Shepp: Fire Music (Impulse! – AS-86)[4]
- Hambone 12:05
- Los Olvidados 8:36
- Malcolm, Malcolm, Semper Malcolm 4:40
- Prelude to a Kiss (Duke Ellington) 4:41
- The Girl from Ipanema (Antônio Carlos Jobim, Norman Gimbel, Vinícius de Moraes) 8:18
Wenn nicht anders vermerkt, stammen die Kompositionen von Archie Shepp.
Rezeption
Jim Allen verlieh dem Album in Allmusic fünf Sterne und schrieb, es sei eines der richtungsweisenden frühen Alben Archie Shepps. Fire Music habe den Ton für vieles angegeben, was in den nächsten Jahren kommen sollte, sowohl in Shepps eigener Karriere als auch in der Jazzszene insgesamt. Fire Music bewege sich weit über den Bebop hinaus in Richtung avantgardistischerer Gefilde und sei gleichzeitig ein zentrales Dokument der „New Thing“-Jazzschule der Mitte der 1960er und ein Pfeil gewesen, der auf die späteren Erkundungen von Cecil Taylor, Ornette Coleman und anderen zeigte. Der Titel beziehe sich auf eine afrikanische Zeremonie, und hier herrsche eine Dringlichkeit, die von den Bürgerrechtsunruhen der damaligen Zeit genährt und auf die aufkeimende Black-Power-Bewegung gerichtet sei; beides sollten für einige Zeit zentrale Subtexte des Jazz bleiben. Fire Music sei keineswegs das erste Free-Jazz-Album; Coleman und andere hätten zuvor bereits mit Free-Form-Improvisation experimentiert. Doch das Album untergrabe die Konventionen der Bebop-Generation gründlich, indem es Melodien und Harmonien sowohl nach innen als auch nach außen wende und so die Türen zu offenen Strukturen und klanglichen Experimenten öffne.[5]
Jason Robinson analysierte Fire Music hinsichtlich seines Beitrages zu einer schwarzen Ästhetik: Shepps Musik wechsele auf dem Album zwischen Rhythm-and-Blues-inspirierten Grooves, vom Bebop geprägter Kantigkeit, kollektiver Improvisation und dramatischen sozialen Kommentaren. Ein kraftvoller Moment von Fire Music sei der Titel „Malcolm, Malcolm, Semper Malcolm“, in dem Shepp ein Gedicht zu Ehren von Malcolm X deklamiere. Seine stimmliche Interpretation des Gedichtes zeuge von einem ausgeprägten theatralischen Bewusstsein, das in einem performativen Sinn verwurzelt sei. Das sei dem ganz ähnlich, wie die Black-Arts-Autoren den Jazz als kreatives Modell nutzten. Musikalisch versuchte Shepp, sich wieder mit älteren Formen afroamerikanischer Musik zu verbinden. Shepp behauptete, dass seine Musik „in gewisser Weise eher ein Rückgriff als eine Projektion in eine ungewisse Zukunft sei. Ein Rückgriff in Richtung der afrikanischen Einflüsse in die Musik“. Obwohl er als „avantgardistisch“ wahrgenommen worden sei, habe er seine Musik als „Rückgriff“, als historisch relevant und verbunden mit einem breiten Bewusstsein für schwarzen musikalischen Ausdruck verstanden. Zugleich warnte er „vor romantischen Vorstellungen von Schwarzsein“ und hielt politisch die Dichotomie von schwarz und weiß für problematisch.[6]
Einzelnachweise
- ↑ Ellen McLarney: The Burning House: Revolution and Black Art. In: Souls. Band 23, Nr. 3–4, 2022, S. 185–210.
- ↑ Tom Lord The Jazz Discography (online, abgerufen am 23. Oktober 2025)
- ↑ Richard Cook & Brian Morton: The Penguin Guide to Jazz on CD Penguin, London 2003, (6. Auflage). ISBN 0-14-051521-6
- ↑ Archie Shepp: Fire Music. In: Discogs. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Besprechung des Albums von Jim Allen bei AllMusic (englisch). Abgerufen am 24. Oktober 2025.
- ↑ Jason Robinson: The challenge of the changing same: The jazz avant-garde of the 1960s, the black aesthetic and the Black Arts Movement. In: Critical Studies in Improvisation/Études critiques en improvisation. Band 1, Nr. 2, 2005, S. 20–37.