Feste Freiherr von der Goltz
Die Feste Freiherr von der Goltz war ein Teil der Moselstellung. Sie gehörte zum zweiten Festungsgürtel um Metz. Zuerst hieß sie Feste Mercy, nach dem Ort, an dem sie liegt, dann Feste Freiherr von der Goltz und nach 1918 auf Französisch Groupe fortifié La Marne. Benannt ist sie nach Colmar von der Goltz.[1][2]
Geschichte
Nach der Annexion des Départements Moselle durch Deutschland 1871 begann man, Metz als Festung auszubauen, zunächst den sogenannten Ersten Festungsgürtel ab 1871, dann ab 1899 den Zweiten Festungsgürtel. Die Festungen des Ersten Festungsgürtels waren nach klassischem Muster gebaut, ein zentrales, befestigtes Gebäude mit allen erforderlichen Waffen- und Versorgungswerken. Fortschritte in der Waffentechnik machten diese Festungen verwundbar. Neue Artilleriegeschütze und Explosivstoffe konnten sie zerstören. Für den Zweiten Festungsgürtel wählte man ein „moderneres“ Schema. Die einzelnen Gebäude wurden über ein großes Areal verstreut, tief eingegraben und durch unterirdischen Wege verbunden. Auch wenn einzelne Stellungen zerstört wurden, konnte die Festung noch Widerstand leisten. Diese Art der Festung diente als Vorbild für die Maginot-Linie und den Westwall.
Die Feste Freiherr von der Golz wurde als letzte ab 1907 gebaut. 1916, im Ersten Weltkrieg, beendete man den unvollendeten Ausbau. Durch den Stellungskrieg im Westen bestand keine Gefahr mehr für einen französischen Angriff.
Nachdem Lothringen nach 1918 wieder französisch geworden war, nutzten französische Truppen die Feste. Sie wurde nicht in die Maginot-Linie einbezogen, da sie zu weit von der deutschen Grenze entfernt lag. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde ein 37-cm-Mörser „Filloux“ installiert.
Im Zweiten Weltkrieg besetzten deutsche Truppen Lothringen. Als die alliierten Truppen 1944 näher rückten, transportierten die Deutschen die Munition aus dem Infanteriewerk Mercy ab. Bei einem Bombenangriff traf eine Bombe zufällig einen beladenen LKW, der explodierte und in einer Kettenreaktion zur Explosion der gesamten Munition innerhalb des Werks führte. Viele Menschen kamen ums Leben, Mercy wurde total zerstört, ein tiefer Krater, heute ein kleiner See, entstand.[3][4][5]
Heute (2025) sind noch viele Bauten erhalten, dürfen aber nicht betreten werden. Im Internet findet man umfangreiche Foto-Dokumentationen des heutigen Zustands.[3][4][2]
Anlage und Aufbau
Die Festung liegt zwischen Ortschaften Jury, Mercy und Ars-Laquenexy, ca. 6 km südöstlich vom Stadtzentrum Metz entfernt.
Das Gelände ist ca. 1800 m × 1300 m groß und umfasst ca. 200 ha. Die Anlage ist in drei Standorte aufgeteilt, die nach den Ortschaften benannt sind. Insgesamt betrug die Besatzung ca. 800 Mann.[5]
Die Gruppe Ars-Laquenexy ist das Zentrum der Feste. Sie besteht aus einem Infanteriestützpunkt, zwei 10 cm Panzerbatterien mit je drei Geschützen, dem Kommandostand und einer Kaserne. Sie umfasst mehrere gepanzerte Beobachtungs- und Wachttürme. Die einzelnen Gebäude waren durch unterirdische Gänge verbunden, ebenso mit den Standorten Jury und Mercy.[5]
Die Gruppen Jury und Mercy waren je ein Infanteriewerk. Sie bestanden aus einer Kaserne, Bereitschaftsräumen, zwei Grabenstreichen und einem Blockhaus. Um die Werke verlief ein 6 m tiefer, betonierter Graben. Sie waren mit 7,7 cm Kanonen ausgestattet.[5]
Zusätzlich zu diesen drei Standorten gab es noch das zentrale, unterirdische Kraftwerk, zwischen den Gruppen Laquenexy und Mercy gelegen. Das Kraftwerk bestand aus 10 Gasölmotoren der Fa. Deutz zu je 35 PS. Es war ebenfalls autonom bzgl. Wasser und Kraftstoff angelegt.[6][4]
Literatur
- Clayton Donnell: The German Fortress of Metz 1870–1944 Bloomsbury Publishing, 2013, ISBN 978-1-846-03777-1.
Einzelnachweise
- ↑ Groupe fortifié La Marne. In: ACADEMIC. 2025, abgerufen am 2. September 2025 (französisch).
- ↑ a b Feste Freiherr von der Goltz / Groupe fortifié La Marne / Feste Mercy. In: Darkplaces.org. 2025, abgerufen am 2. September 2025.
- ↑ a b Panzerfestung Freiherr von der Goltz. In: Festungen.info. 2025, abgerufen am 2. September 2025.
- ↑ a b c Feste von der Goltz. In: Festungsbauten.de. 2024, abgerufen am 2. September 2025.
- ↑ a b c d Feste von der Goltz (groupe fortifié la Marne). In: derelicta.fr. 2025, abgerufen am 2. September 2025 (französisch).
- ↑ La Feste von der Goltz. In: derelicta.fr. 2025, abgerufen am 2. September 2025 (französisch).
Koordinaten: 49° 5′ 15,4″ N, 6° 15′ 22,1″ O