Ferreto de’ Ferreti

Ferreto de’ Ferreti (geboren um 1295; gestorben 1337) war ein aus Vicenza stammender spätmittelalterlicher Poet und Geschichtsschreiber. Er gilt als ein bedeutender Vertreter des frühen Renaissance-Humanismus.

Ferreto stammte aus einer recht vornehmen Familie wohl aus Vicenza und ergriff, wie sein Vater (Giacomo) und Großvater (Ferreto) bereits vor ihm, die Laufbahn eines Notars, nachdem er seinen Vater bereits früh verloren hatte und, obwohl nur der zweitälteste Sohn, die Familie versorgen musste. Er genoss eine gute Ausbildung, einer seiner Lehrer war der angesehene Dichter und Notar Benvenuto Campesani. Als junger Mann wurde er Zeuge des Italienzugs des römisch-deutschen Königs Heinrich VII. und war später als Notar im Dienst Vicenzas tätig. Er scheint ein gutes Ansehen in seiner Heimatstadt besessen zu haben; die Heirat mit der Richtertochter Anna brachte ihm eine nicht unerhebliche Mitgift von 500 Lire ein, doch blieb die Ehe kinderlos.[1]

Ferreto hat eine klassische Bildung genossen. Er kannte mehrere lateinische Dichter, allen voran Vergil und Ovid, die er in seinen Werken zitierte. Zu diesen Werken zählen mehrere Dichtungen, die aber nicht vollständig erhalten sind. Lodovico Antonio Muratori hat denn auch seinen Stil gelobt. Von den erhaltenen Dichtungen ist eine an Albertino Mussato gerichtet, den er offenbar persönlich kannte. Ein Gedicht ist dem Tod Dantes gewidmet, während das umfangreiche Gedicht Carmen de Scaligerorum origine poema Cangrande I. della Scala gewidmet ist und dessen Taten als die eines Friedensbringers rühmt.[2]

Wie Mussato widmete sich Ferreto auch der Geschichtsschreibung und verfasste um 1330 ein lateinisches Geschichtswerk (Historia rerum in Italia gestarum) in sieben Büchern, das im Jahr 1250 beginnt und im Jahr 1318 abrupt abbricht. Ferreto ließ darin seine Kenntnisse der klassischen Geschichtsschreibung einfließen und berief sich an einer Stelle direkt auf Sallust. Der Italienzug Heinrichs VII. nahm im Geschichtswerk Ferretos recht breiten Raum ein (Buch 4 und 5 der historia), wobei er sogar, unüblich für die meisten italienischen Geschichtsschreiber, die Vorgänge im deutschen Reichsteil zumindest kurz schilderte. Die Bewertung des Italienzugs ist bei Ferreto recht ambivalent: Er sah Heinrichs Verhalten teilweise als räuberisch und die Erneuerung des Kaisertums als realitätsfern an. Gleichzeitig charakterisierte er den Kaiser aber auch als milden und gerechten Herrscher.[3] Pragmatisch beurteilte Ferreto denn auch das Scheitern der kaiserlichen Politik an den politischen Gegebenheiten in Reichsitalien. Ferreto steht mit seiner Schilderung der Person Heinrichs der kaiserlichen Sache alles in allem näher als der guelfischen. Es wurde in der Forschung vermutet, dass Ferretos insgesamt positive Darstellung Heinrichs als Kontrastfolie zur Herrschaft der Stadtherren (Signori) in Oberitalien dienen sollte, die er ablehnte.[4]

Neben Ferreto und Mussato hat sich auch der Frühhumanist Giovanni da Cermenate mit dem Romzug Heinrichs VII. befasst, wenngleich seine Schilderung unabhängig von beiden entstand.

Ausgaben

  • Ferreto de´ Ferreti: Le opere di Ferreto de´Ferreti Vicentino (Fonti per la storia d´Italia, Scrittori Secolo XIV.). 3 Bände. Hrsg. von Carlo Cipolla. Rom 1908–1920. (Digitaler Zugriff über BEIC: Bd. 42, 43, 43bis)

Literatur

  • Sante Bortolami: Ferreti, Ferreto de. In: Dizionario Biografico degli Italiani 47 (1997), Sp. 57–60.
  • Maria Elisabeth Franke: Kaiser Heinrich VII. im Spiegel der Historiographie. Eine faktenkritische und quellenkundliche Untersuchung ausgewählter Geschichtsschreiber der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (= Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte. Band 9). Böhlau, Köln u. a. 1992, ISBN 3-412-10392-6, S. 108 ff.
  • Rino Modonutti: Cultura preumanistica e storiografia: Albertino Mussato e Ferreto Ferreti. In: F. Delle Donne u. a. (Hrsg.): Scrivere storia nel medioevo. Regolamentazione delle forme e delle pratiche nei secoli XII-XV. Rom 2021, S. 63–78.
  • Ronald G. Witt: In the Footsteps of the Ancients. The Origins of Humanism from Lovato to Bruni. Brill, Leiden u. a. 2001.

Anmerkungen

  1. Überblick bei Sante Bortolami: Ferreti, Ferreto de. In: Dizionario Biografico degli Italiani 47 (1997), Sp. 57 ff.
  2. Vgl. dazu Ronald G. Witt: In the Footsteps of the Ancients. The Origins of Humanism from Lovato to Bruni. Leiden u. a. 2001, S. 163 f.
  3. Vgl. Maria Elisabeth Franke: Kaiser Heinrich VII. im Spiegel der Historiographie. Köln u. a. 1992, S. 129 und S. 132.
  4. Vgl. Maria Elisabeth Franke: Kaiser Heinrich VII. im Spiegel der Historiographie. Köln u. a. 1992, S. 129.