Fermate
Die Fermate (italienisch fermare âanhaltenâ) ist in der Musik ein Ruhezeichen in Form eines in Notenrichtung offenen Halbkreises mit Punkt in der Mitte an einer Note oder Pause, das auch als Aushaltezeichen verwendet wird, Innehalten in der Bewegung anzeigt oder dem Solisten signalisiert, diese Stelle nach seinem individuellen BedĂŒrfnis zu verzieren. FrĂŒhere Benennungen des Zeichens waren Point dâOrgue und Corona oder Coronata.[1]
Bedeutungen
Die ĂŒbliche Bedeutung einer Fermate ist, dass der notierte Notenwert bei der AuffĂŒhrung deutlich verlĂ€ngert werden soll; dabei ist der Interpret verantwortlich fĂŒr die Dauer der tatsĂ€chlichen Ausdehnung. Beispiele fĂŒr berĂŒhmte Fermaten sind der Anfang der fĂŒnften Sinfonie von Beethoven oder die OuvertĂŒre zur Zauberflöte von Mozart. Einige Komponisten prĂ€zisieren ihre WĂŒnsche, indem sie breve (kurz) oder lunga (lang) ĂŒber dem Fermatenzeichen notieren:
In modernen Partituren ist das Fermatenzeichen auch in eckiger Form zu finden (umgekippter Kasten mit Punkt), eine lange Fermate wird hier durch mehrere, ĂŒbereinander positionierte Zeichen dargestellt.
Auch eine Generalpause wird durch die Fermate gekennzeichnet, wenn diese Generalpause nicht streng im Tempo auszufĂŒhren ist (etwa in langsamen SĂ€tzen bei Haydn). Ăber der Fermate wird dann oft G.P. notiert (viele Beispiele bei Anton Bruckner).
Daneben zeigt die Fermate in Orchesternoten von Solokonzerten auch den Beginn der Kadenz an, bei der die ĂŒbrigen Stimmen schweigen.
In den weit verbreiteten strengen Kanons kennzeichnen Fermaten die Stellen, wo beim Beenden die einzelnen Stimmen stehenbleiben. Eine VerlĂ€ngerung der Noten oder ein Aushalten ist bei dieser Verwendung des Zeichens nicht gemeint. Beispiele dafĂŒr siehe unter Uhrenkanon und O wie wohl ist mir am Abend. Schon im 15. Jahrhundert zeigten Fermaten an den Stimm-Enden eines Kanons an, dass der jeweilige Ton gehalten werden sollte, bis alle Stimmen ihren Schluss erreicht haben.
Fermaten gliedern auĂerdem ChoralsĂ€tze, indem sie die SchlussklĂ€nge der einzelnen Abschnitte markieren, wobei nicht unbedingt eine Haltepause entstehen muss.[2] Oft findet man sie in Ă€lterer Literatur ĂŒber dem Schlussstrich eines Satzes.
Darstellung bei Unicode
Die Unicode-Codierungen fĂŒr die Fermate finden sich im Unicodeblock Notenschriftzeichen.
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
- â Johann Gottfried Walther: Musikalisches Lexikon [...]. Wolffgang Deer, Leipzig 1732, S. 186 und 486
- â Johannes Krey (Jena): Zur Bedeutung der Fermaten in Bachs ChorĂ€len Bach-Jahrbuch, Bd. 43, (1956), S. 105, abgerufen am 7. August 2025.