Ferdinand von Purschka
Ferdinand Ritter von Purschka (* 3. Oktober 1870 in Fiume; † 13. Januar 1940 in Berlin) war ein österreichisch-ungarischer Marineoffizier. Nach seinem Abschluss an der Marineakademie Fiume der k.k. Marine im Jahr 1888 unternahm er mehrere Seereisen, bekleidete verschiedene Offizierspositionen auf mehreren Schiffen und war auch in der Marineverwaltung tätig. Im Ersten Weltkrieg kommandierte er mehrere Schlachtschiffe und nahm an Operationen im Mittelmeer teil. Zuletzt war er Kommandeur des regionalen Marinekommandos in Triest. Nach Kriegsende wurde er 1918 im Rang eines Konteradmirals in den Ruhestand versetzt. Ab 1930 lebte er in Berlin, wo er auch starb.
Lebenslauf
Er stammte aus einer Familie mit militärischer Tradition und war der Sohn von Oberst Ferdinand Purschka (1844–1926). Er besuchte das Militärgymnasium in Kaschau und anschließend die Marineakademie in Fiume (1884–1888).[1] 1888 trat er als Kadett in die Marine ein und absolvierte auf der Korvette SMS Saida unter Kapitän Becker[2] von 1888 bis 1890 eine Reise entlang der westafrikanischen Küste über den Atlantik in die Karibik und die USA.[3] 1891 wurde er zum Fähnrich befördert[4] und diente als Signaloffizier auf verschiedenen Schiffen. Er absolvierte einen Lehrgang im Umgang mit Torpedos und war unter anderem im Marinekorps-Hauptquartier in Pola eingesetzt, wo er auch kleinere Marineinfanterieeinheiten befehligte.
Er durchlief die Ränge (Leutnant 2. Klasse 1898[5], Leutnant 1. Klasse 1901)[6], war von 1897 bis 1899 Ausbilder auf dem Schulschiff SMS Radetzky[7] und übernahm anschließend das Kommando über kleinere Schiffe wie Torpedoboote. Von 1900 bis 1903 war er als Torpedooffizier auf dem Marinestützpunkt Castelnuovo eingesetzt, wo er seinem späteren Schwager Josef Mauler direkt unterstellt war.[8] Im Dezember 1903 wurde er unter Kapitän Franz Mirtl an Bord des Kreuzers SMS Kaiserin Elisabeth beordert, welches damals als Stationsschiff der Kaiserlichen Marine im Fernen Osten diente.[9] Als Navigationsoffizier auf diesem Schiff hielt er sich von 1903 bis 1905 in zahlreichen Häfen Chinas und Japans auf.[10] Während dieser Reisen führte er ein detailliertes Tagebuch, das als Manuskript erhalten geblieben ist und in Graz von der Familie seiner jüngsten Tochter (Elfriede Malvine Ertl) aufbewahrt wird.[11] Nach seiner Rückkehr war er wieder Kommandant kleinerer Schiffe und arbeitete außerdem für das Marinetechnische Komitee.[12]
Mit dem Rang eines Korvettenkapitäns (1. November 1909)[13] diente er als Erster Offizier auf der kaiserlichen Yacht SMS Miramar oder dem Panzerschiff SMS Kronprinz Erzherzog Rudolf (1909–1910).[14] Innerhalb des I. Geschwaders verbrachte er ein Jahr als Erster Offizier auf dem Kreuzer SMS Kaiser Karl VI. (1910–1911)[15] und war anschließend Kommandeur der II. Torpedobootsdivision auf dem Flaggschiff SMS Meteor (1911–1912). Er nahm an internationalen Operationen während der Balkankriege teil und wurde am 1. November 1912 zum Fregattenkapitän befördert.[16] 1913 wechselte er zwischen den Positionen als Stabschef der Marinedivision auf dem Schlachtschiff SMS Erzherzog Karl und als Stabschef der Kreuzerflotte an Bord des Kreuzers SMS Sankt Georg.
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde er am 1. Mai 1914 zum Linienschiffskapitän befördert[17] und übernahm im August 1914 das Kommando über den älteren Kreuzer SMS Kaiserin und Königin Maria Theresia. Im Juli 1915 wurde er als Kommandant des Schlachtschiffs SMS Babenberg mit einer Besatzung von 638 Mann innerhalb der II. Division eingesetzt, und im Januar 1916 übernahm er das Kommando über den kleineren Kreuzer SMS Saida. Mit diesen Schiffen nahm er an Kriegseinsätzen in der Adria teil. Purschka wurde schließlich im Juni 1917 Kommandant des Schlachtschiffs SMS Erzherzog Franz Ferdinand.[18] Im Februar 1918 wurde er zum Marinestützpunkt in Triest versetzt, wo er zunächst Erster Stellvertretender Kommandant und ab August 1918 schließlich selbst Kommandant war. Nach Kriegsende wurde er am 1. November 1918 zum Konteradmiral befördert und trat nach dem Zusammenbruch der Monarchie am 1. Januar 1919 in den Ruhestand.[19]
Er war dreimal verheiratet und hatte drei Kinder (Ferdinand, Daisy und Elfriede Malvine Purschka) aus seiner ersten Ehe mit Ersilia Frank. Nach der Scheidung heiratete er 1923 Charlotte Radel, mit der er 1930 nach Berlin zog. Nach dem Tod seiner zweiten Frau im Jahr 1934 heiratete er Elisabeth Ritter. Er starb am 13. Januar 1940 im Alter von 69 Jahren in Berlin und ist auf dem Bornstedter Friedhof in Potsdam begraben.[20]
Seine Schwester Melanie (1876–1933) war die Ehefrau von Vizeadmiral Josef Mauler von Elisenau (1852–1916),[21] der im Ersten Weltkrieg als Kriegsgefangener in Kiew starb.
Titel und Auszeichnungen
Er trug den Adelstitel Ritter von Purschka, den die Familie 1860 erhielt. Während seiner Dienstzeit bei der Marine wurde er in Österreich-Ungarn und im Ausland mit hohen Ehren ausgezeichnet.[22]
Österreich-Ungarn
- Jubiläums-Erinnerungsmedaille (1898)
- Militär-Jubiläumskreuz (1908)
- Militär-Verdienstmedaille (1909)
- Erinnerungskreuz (1913)
- Verdienstabzeichen für Offiziere III. Klasse (1913)
- Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Kriegsdekoration (1916)
- Karl-Truppenkreuz (1917)
- Ritterkreuz des Leopold-Ordens mit Kriegsdekoration (1917)
- Militär-Verdienstmedaille in Bronze mit Kriegsdekoration (1918)
Im Ausland
- Eisernes Kreuz II. Klasse (1917, Deutschland)
Literatur
- Milan Jelínek: Der Krieg an der Adria 1914–1918. Prag 2019, ISBN 978-80-7497-273-7.
- Ferdinand von Purschka. In: Antonio Schmidt-Brentano (Hrsg.): Die österreichischen Admirale. Band III: 1915–1924. Biblio Verlag, Bissendorf 2005, ISBN 3-7648-2520-0, S. 259–264.
- Karel Vavrínek: Almanach der böhmischen Adels- und Ritterfamilien. Prag 2011, ISBN 978-80-904241-5-9, S. 383–384.
Einzelnachweise
- ↑ Rangs- und Eintheilungs-Liste der k. k. Kriegs-Marine 1888. Wien 1888; S. 95 (online)
- ↑ Rangs- und Eintheilungs-Liste der k. k. Kriegs-Marine 1889. Wien 1889, S. 111 (online)
- ↑ Plavby válečných lodí c. k. námořnictva auf der Website kriegsmarine.hu (online)
- ↑ Schematismus für das Kaiserliche und Königliche Heer und für die K.u.K. Kriegsmarine 1892. Wien 1892, S. 1094 (online)
- ↑ Schematismus für das Kaiserliche und Königliche Heer und für die K.u.K. Kriegsmarine 1900. Wien 1899, S. 1177 (online)
- ↑ Schematismus für das Kaiserliche und Königliche Heer und für die K.u.K. Kriegsmarine 1902. Wien 1901, S. 1210 (online)
- ↑ Rangs- und Eintheilungs-Liste der k. u. k. Kriegs-Marine 1898. Wien 1898, S. 174 (online)
- ↑ Rangs- und Eintheilungs-Liste der k. u. k. Kriegs-Marine 1902. Wien 1902, S. 150 (online)
- ↑ Einteilungsliste der k. u. k. Kriegsmarine 1905. Wien 1905; S. 53 (online)
- ↑ Plavby válečných lodí c. k. námořnictva auf der Website kriegsmarine.hu (online)
- ↑ Der Wiener Traditionsverein Kriegsmarinearchiv publizierte 2015 diese Aufzeichnungen: K. u. K. Linienschiffsleutnant Ferdinand Ritter von Purschka: Missionsreise SMS K. ELISABETH 1904/1905 Ostasien.
- ↑ Rang- und Einteilungsliste der k. u. k. Kriegsmarine 1909. Wien 1909, S. 177 (online)
- ↑ Schematismus für das Kaiserliche und Königliche Heer und für die K.u.K. Kriegsmarine 1910. Wien 1909, S. 1350 (online)
- ↑ Rang- und Einteilungsliste der k. u. k. Kriegsmarine 1909. Wien 1909, S. 199 ([v online])
- ↑ Rang- und Einteilungsliste der k. u. k. Kriegsmarine 1910. Wien 1910, S. 186 (online)
- ↑ Schematismus für das Kaiserliche und Königliche Heer und für die K.u.K. Kriegsmarine 1913. Wien 1912, S. 1460 (online)
- ↑ Schematismus für das Kaiserliche und Königliche Heer und für die K.u.K. Kriegsmarine 1914. Wien 1914, S. 1267 (online)
- ↑ Mihály Krámli: Austro-hungarian Battleships and Battleships Designs 1904–1914. Szeged 2021, ISBN 978-615-6060-44-0, S. 46–47 (online)
- ↑ Antonio Schmidt-Brentano: Die k. k. bzw. k. u. k. Generalität 1816–1918 Wien 2007, S. 101 (online)
- ↑ Josef Mauler von Elisenau. In: Antonio Schmidt-Brentano: Die österreichischen Admirale, Bd. II. 1896–1914. Biblio Verlag, Bissendorf 2000, ISBN 3-7648-2519-7, S. 167–172
- ↑ Mauler von Elisenau, Josef (1852–1916), Admiral. In: biographien.ac.at
- ↑ Rangliste der k. u. k. Kriegsmarine 1918. Wien 1918, S. 12 (online)