Ferdinand Seif

Ferdinand Seif (* 3. Jänner 1844 in Wien; † 20. Juli 1912 in Wien) war ein österreichischer Architekt und Baumeister.[1][2]

Leben

Ferdinand Seif stammte aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater Tobias war Bediensteter am Theresianum, über die Mutter Theresia (geborene Blieml) ist nichts Näheres bekannt. Der junge Ferdinand absolvierte vermutlich eine Maurerlehre und möglicherweise die Werkmeisterschule. Ab 1882 scheint er als Maurermeister und ab 1888 als Inhaber eines Bauunternehmens auf. Die Konzession als Baumeister wurde ihm 1890 verliehen. Von 1904 bis zu seinem Todesjahr war er Bauaufsichtsrat des Stadtbauamtes für den 4. Bezirk und in zahlreichen weiteren politischen Funktionen tätig.

Der Aufstieg des Ferdinand Seif hing vor allem mit der rasanten Stadterweiterung infolge der Eingemeindung der Vororte und des dadurch benötigten Wohnraums in der Stadt zusammen. Typisch für diese Phase des Baubooms lag die Planung und Errichtung von Wohnhäusern in der Hand der Baumeister, während die Prunk- und Repräsentativbauten den akademischen Architekten vorbehalten waren. Stilistisch lehnte Seif die zeitgenössische Moderne ab und blieb der Tradition treu. Aus seiner 1869 geschlossenen Ehe mit Marie Schuster (* 1846, † 1909) gingen sechs Töchter hervor, die teilweise in der gehobenen Wiener Gesellschaft verkehrten, darunter: Therese (* 1869), verh. Schwänzel; Emilie (* 1876), verh. Widter; Rosa (* 1879), verh. Dietz v. Weidenberg; Emma (* 1882), verh. Nadhera. Für seine Familie und sich errichtete er 1897 ein repräsentatives Haus in guter Lage im 4. Bezirk (Margaretenstraße 20), das noch heute erhalten ist.

Das Leben Seifs fand nach seinem rasanten Aufstieg zum Baulöwen ein tragisches Ende. Noch vor seinem 70. Geburtstag, am 20. Juli 1912, stürzte er sich in der Josefstadt aus einem Stiegenfenster im fünften Stock und verstarb. In den offiziellen Nachrufen war von einer missglückten Augenoperation zu lesen. So hieß es in der Neuen Zeitung vom 21. Juli:

„Selbstmord des Stadtbaumeisters Ferdinand Seif. Im Hause Josefstädterstraße 7 hat sich gestern vormittags der Stadtbaumeister Ferdinand Seif aus einem Fenster des fünften Stockwerks in den Hofraum gestürzt und blieb als Leiche auf dem Pflaster liegen. Er hat einen Bruch des linken Oberschenkels, Verletzungen an der Stirne sowie eine vollständige Abtrennung der rechten oberen Extremität erlitten. Er war nämlich im Sturze an das Geländer einer eisernen Stiege aufgefallen. Herr Seif war 70 Jahre alt und wohnte Margaretenstraße 200. Er hat sich vor kurzer Zeit einer schweren Augenoperation unterziehen lassen müssen, welche jedoch nicht den erhofften Erfolg hatte. Der alte Herr fürchtete nun, zu erblinden und aus diesem Grunde verübte er den Selbstmord.“.[3]

Nach übereinstimmender Darstellung anderer Zeitungen wurde hingegen der linke Arm abgetrennt. Es kann nur spekuliert werden, ob auch wirtschaftliche Probleme eine Rolle gespielt haben könnten. Seif war nach einigen Berichten zum Zeitpunkt seines Todes in der Margaretenstraße 200 ansässig (gemeint ist vermutlich Margaretenstraße 20). Der Bote aus Mistelbach vom 2. August 1912 hingegen wusste zu berichten, dass Seif zum Zeitpunkt seines Dahinscheidens in Hietzing, Nisselgasse 8, einem sehr bescheidenen Vorstadt-Mietshaus, wohnhaft war.[4] Der Baumeister ließ noch am Tag vor seinem Tod die Firma am Handelsgericht löschen. Auch der Ort seines Suizides dürfte nicht zufällig gewählt worden sein. Das Haus Josefstädterstraße 7 gehörte Ferdinand Seif, er kannte somit die örtlichen Gegebenheiten und wusste vorab, dass es sich um ein hohes Gebäude handelt. Es ist also von einer länger geplanten Tat auszugehen.

Werk

Wohn- und Geschäftsbauten:

  • 1884 Miethäuser, Wien 4, Große Neugasse 2–4/Wiedner Hauptstraße 58
  • 1888 Miethaus, Wien 3, Gärtnergasse 2
  • 1888 Miethaus, Wien 3, Löwengasse 12
  • 1889 Miethaus, Wien 7, Bandgasse 20
  • 1889 Miethaus, Wien 4, Kleine Neugasse 7 1889 Miethaus, Wien 7, Burgggasse 92
  • 1889 Miethaus, Wien 7, Zieglergasse 72
  • 1890 Miethaus, Wien 4, Rubensgasse 13 (E: Ludwig Schöne)
  • 1890 Miethaus, Wien 3, Münzgasse 4
  • 1891 Miethaus „Berta-Hof“, Wien 1, Wollzeile 15
  • 1892 Miethaus, Wien 6, Wallgasse 26 1892 Miethaus, Wien 2, Kleine Stadtgutgasse 4
  • 1893 Miethaus, Wien 3, Ungargasse 58
  • 1894–1895 Miethäuser, Wien 1, Schulerstraße 18–20
  • 1895 Miethaus, Wien 7, Schottenfeldgasse 70
  • 1895 Miethaus, Wien 4, Wohllebengasse 19/Argentinierstraße 17
  • 1896 Miethaus, Wien 2, Glockengasse 3
  • 1897 Miethaus, Wien 4, Margaretenstraße 20
  • 1897 Miethaus, Wien 4, Margaretenstraße 61
  • 1897 Miethaus, Wien 6, Hofmühlgasse 25–27
  • 1898 Miethaus, Wien 5, Strobachgasse 2 „Jubiläums-Hof“
  • um 1900 Villa, Wien 17, Dornbach (Adresse unbekannt)
  • um 1900 Miethaus, Wien 3, Sechskrügelgasse 14
  • um 1900 Miethaus, Wien 3, Seidlgasse/Gesaugasse
  • 1902 Miethaus, Wien 5, Hamburgerstraße 14 (ehem. Wienstraße)
  • 1902 Anbau Villa Milton, Wien 13, Lainzer Straße 8
  • 1903 Miethaus, Wien 3, Reisnerstraße 6
  • 1904 Miethaus, Wien 6, Gumpendorfer Straße 48
  • 1905 Wohnhäuser der Arbeiter Unfallversicherung, Wien 20, Leopoldauer Straße 79 (Leopold Simony u. Theodor Bach)
  • 1905 Miethaus, Wien 5, Reinprechtsdorferstraße 17
  • um 1906 Villa, Wien 13, Wenzgasse 21 (nicht erhalten)
  • um 1910 Villa Winnie, Mödling, NÖ (Adresse unbekannt)

Öffentliche Bauten:

  • 1884 Svetlinsche Heilanstalt, Wien 3, Leonhardgasse 3–5
  • 1893–1894 Reitinstitut, Wien 2, Afrikanergasse 1

Literatur

  • Robert C. Hula: Geschichte(n) eines Hauses, Wien VI., Wallgasse 26. KDP, 2025, ISBN 979-8-29-938589-2.
Commons: Ferdinand Seif – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ursula Prokop: Ferdinand Seif. In: Architekturzentrum Wien. Architekturzentrum Wien, 16. Februar 2007, abgerufen am 18. Dezember 2025.
  2. Robert C. Hula: Geschichte(n) eines Hauses, Wien VI., Wallgasse 26. KDP, 2025, ISBN 979-82-9938589-2, S. 19 ff.
  3. Selbstmord der Stadtbaumeisters Ferdinand Seif. In: Die Neue Zeitung. Wien 12. Juli 1912, S. 3 (onb.ac.at).
  4. Todessprung vom fünften Stock. In: Mistelbacher Bote. Mistelbach 2. August 1912, S. 13 (onb.ac.at).