Ferdinand Mühlau
Heinrich Ferdinand Mühlau (* 20. Juni 1839 in Dresden; † 18. September 1914 in Wernigerode) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Theologe und Hochschullehrer.[1]
Leben und Wirken
Nach seiner Reifeprüfung 1857 am Heilig-Kreuz-Gymnasium Dresden studierte Ferdinand Mühlau Evangelische Theologie und zwar von 1857 bis 1861 an der Universität Leipzig und von 1861 bis 1862 an der Universität Erlangen. In Leipzig legte er das Predigerexamen ab und promovierte 1862 zum Dr. phil. Bis 1867 arbeitete er als Lehrer an einem Mädchengymnasium in Leipzig und habilitierte sich dann 1868 an der Universität Leipzig. Zunächst lehrte er dort bis 1871 als Privatdozent für alttestamentliche Exegese. Im Jahre 1871 wechselte er an die Universität Dorpat und war dort bis 1895 Professor für exegetische Theologie. Neben Ämtern als Dekan und Prorektor war er von 1890 bis 1895 auch Direktor der Universitätsbibliothek Dorpat.
Auch durch die Fürsprache seines ehemaligen Schülers Adolf von Harnack erhielt der „streng lutherische“ Mühlau Ende 1894 eine Berufung als Nachfolger von Emil Schürer auf die ordentliche Professur für neutestamentliche Exegese an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.[2] Er trat dieses Amt am Ende des Sommersemesters 1895 an und lehrte hier bis zu seiner Emeritierung 1909. 1908 erhielt er den Titel Geheimer Konsistorialrat.[3] Neben verschiedenen theologischen Abhandlungen war Mühlau u. a. vor allem mit der Neubearbeitung des Handwörterbuchs zum Alten Testament von Wilhelm Gesenius (Hebräisch/Aramäisch) befasst.
1885 erhielt er die theologische Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig. 1903 wurde er mit dem Roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife ausgezeichnet.[4]
Einer seiner Söhne, der Buchhändler Walter G. Mühlau (1878–1908), gründete 1902 in Kiel die Universitäts-Buchhandlung Walter G. Mühlau, die nach seinem frühen Tod von Heinrich Hunke unter dieser Firma weitergeführt wurde, bis 2005 bestand und auch als Verlag arbeitete.[5]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Geschichte der hebräischen Synonymik. Ein literaturhistorischer Versuch. Kreysing, Leipzig 1863.
- (Neu-Hrsg.): Julius Friedrich Böttcher / Neue exegetisch-kritische Aehrenlese zum Alten Testamente. 2. u. 3. Abth. Barth, Leipzig 1864/1865.
- (Neubearb.): Julius Friedrich Böttcher / Ausführliches Lehrbuch der hebräischen Sprache. Zwei Bände. Barth, Leipzig 1866/1868.
- Ueber die Preisrichter der Grossen Dionysien zu Athen. Schnakenburg, Dorpat 1878.
- [Die Theokratie Israels]. Festrede zur Jahresfeier der Stiftung der Universität Dorpat am 12. December 1878. Universität Dorpat 1879.
- Besitzen wir den ursprünglichen Text der Heiligen Schrift? Reval & Fellin, Dorpat 1884.
- (Neubearb., mit Wilhelm Volck): Wilhelm Gesenius / Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. 11. Auflage. Vogel, Leipzig 1890.
- (mit Emil Kautzsch): Liber Genesis sine punctis exscriptus. 3. Auflage. Barth, Leipzig 1893.
- Die Bibel und der Alkohol. Meyer, Flensburg 1897.
- Zur paulinischen Ethik. In: Abhandlungen Alexander von Oettingen zum siebenzigsten Geburtstag gewidmet. Beck, München 1898, S. 220–244.
- Martinus Seusenius’ Reise in das heilige Land im Jahre 1602. Klaunig & Schmidt, Kiel 1902.
- Die Ostseeprovinzen Russlands und ihre deutsche Kultur. Mühlau, Kiel 1906.
Weblinks
- Werke von und über Ferdinand Mühlau in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Eintrag in der Erik-Amburger-Datenbank
Einzelnachweise
- ↑ Mühlau, Heinrich Ferdinand. In: Wilhelm Lenz (Hrsg.): Deutschbaltisches biographisches Lexikon 1710–1960. Böhlau, Köln/Wien 1970, ISBN 3-412-42670-9, S. 531; Mühlau, Heinrich Ferdinand. In: Baltisches Biographisches Lexikon Digital. (abgerufen am 21. Dezember 2025).
- ↑ Siehe zur Berufung Claudia Kampmann: Evangelische Theologie Zwischen Staat, Kirche und Universität: Eine Ortsbestimmung Ausgehend Von der Korrespondenz Zwischen Adolf Harnack und Friedrich Althoff (1886-1908). Berlin: de Gruyter 2025, ISBN 978-3-11-221319-3, S. 107–109
- ↑ Ferdinand Mühlau. In: Friedrich Volbehr u. a. (Hrsg.): Professoren und Dozenten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1665–1954. 4. Aufl. Hirt, Kiel 1956, S. 9.
- ↑ Literarisches Centralblatt für Deutschland 1903, S. 193
- ↑ Waltraud Hunke/Thiel J. Martensen: 100 Jahre Universitätsbuchhandlung Walter G. Mühlau. Eine Chronik. Mühlau Verlag, Kiel 2002, S. 6 u. 8, ISBN 3-87559-089-9 (mit Foto Walter G. Mühlau).