Ferdinand Boberg

Gustav Ferdinand Boberg (* 11. April 1860 in Falun; † 7. Mai 1946 in Stockholm) war schwedischer Architekt. Er war einer der bekanntesten und produktivsten Architekten Schwedens um die Jahrhundertwende 1900.

Leben

Ferdinand Boberg studierte 1878 bis 1881 an der Technischen Hochschule und von 1881 bis 1884 an der Schwedischen Kunstakademie in Stockholm. Nach Abschluss seiner Studien unternahm er eine Grand Tour durch Italien, Frankreich, Deutschland, Spanien und England, so hielt er sich von 1885 bis 1889 im Ausland auf.[1] Er war mit der Malerin Anna Boberg (1864–1935, geborene Scholander) verheiratet.

Erste Projekte verwirklichte er als Konzessionsnehmer des Architekten Eugène Viollet-le-Duc. 1890 eine Feuerwehrkaserne in Gävle, 1891–1893 ein Gaswerk in Stockholm, sowie dort 1892 auch ein Elektrizitätswerk. Unter dem Einfluss von Richardson und Sullivan gab er die Formensprache des Historismus und des dekorativen Eklektizismus auf. 1893 nahm er an der Columbian Exposition in Chicago teil. 1898 bis 1905 realisierte er die Hauptpost in Stockholm, sowie von 1900 bis 1904 den Banken- und Wohnbaukomplex Carlsberg in Rosenbad. 1905 folgte die Hauptpost von Malmö.[1]

Boberg erhielt private Aufträge der Oberschicht. So entwarf er die 1904 gebaute Villa von Prinz Eugen in Djurgården. Für Ernest Thiel entstand eine Villa zur Präsentation von dessen Kunstsammlung.[1] Boberg war der führende Vertreter der Moderne und trug wesentlich zur Verbreitung des Jugendstils in Schweden bei. Von 1897 bis 1915 war er der führende Architekt für große Ausstellungen (Stockholmer Ausstellung 1897 und 1909, Baltische Ausstellung in Malmö 1914 u. a.) Außerdem zeichnete Boberg verantwortlich für die schwedischen Pavillons bei den Weltausstellungen in Paris 1900 (Exposition Universelle et Internationale), St. Louis 1904 (Louisiana Purchase Exposition) oder San Francisco 1915 (The 1915 Panama-Pacific Exposition).

Zwei der letzten großen Aufträge waren eine 1912 bis 1913 errichtete Kirche in Saltsjöbaden und der Hauptsitz des Unternehmens Nordiska von 1912 bis 1915.[1] Nach dem Ersten Weltkrieg bekam er weniger Aufträge, sein Stil war veraltet und in Schweden galt nun der Klassizismus der 1920er Jahre als modern. Im Alter von 55 Jahren gab er den Architektenberuf auf. Während dieser Zeit beschäftigte er sich damit, durch Schweden zu reisen und ältere, hauptsächlich ländliche Bauten zu dokumentieren. Boberg arbeitete auch als Designer, vor allem für Möbel, Keramik (u. a. für die Manufaktur Rörstrand) und Glas (für Kosta und Reijmyre). Mit Antonio Fradeletto[1] stand er weiterhin in Briefkontakt. Mit dem Italiener war er seit seiner Zeit als regelmäßiger Teilnehmer der Biennale di Venezia befreundet.

Werke (Auswahl)

Literatur

  • Barbo Hovstadius (Hrsg.): Ferdinand Boberg. Arkitekten som allkonstnär. Nationalmuseum, Stockholm 1997, ISBN 91-7100-544-7. (Ausstellungskatalog)
  • Ann T. Walton: Ferdinand Boberg, architekt. The complete work. MIT Press, Cambridge (Massachusetts) 1994, ISBN 0-262-23176-X.
Commons: Ferdinand Boberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Marco Mulazzani: I padiglioni della Biennale di Venezia (= Sergio Polano [Hrsg.]: Collana « Luoghi e architetture ». Band 2). 3. Auflage. Mondadori Electa, Milano 2011, ISBN 88-370-3180-7, S. 56.