Femina (französische Zeitschrift)

Femina war eine französische Frauenzeitschrift, die 1901 von Pierre Lafitte herausgegeben wurde und bis 1954 bestand. Das Magazin war ab 1922 Namensgeber des Prix Femina.[1]

Geschichte

Der Untertitel „Die ideale Zeitschrift für Frauen und Mädchen“ und der Name dieser illustrierten Zeitschrift leiten sich vom lateinischen Wort femina für Frau ab. Es handelte sich um das erste französische Magazin, das sich an eine weibliche Leserschaft richtete, die hauptsächlich aus der Bourgeoisie stammte, und in dem Freizeitaktivitäten, insbesondere Sport, einen großen Platz einnahmen. So zeigte das Titelblatt der Ausgabe vom 1. April 1902 das Foto zweier Frauen, die Tischtennis spielen. Das andere Magazin des Lafitte-Verlags, La Vie au grand air[2] (Das Leben im Freien), hatte bereits zuvor sportbegeisterte Frauen auf seinem Titelblatt abgebildet.[3] Femina war erfolgreich; mit in der Spitze 135.000 Exemplaren übertraf sie feministische Blätter wie La Fronde und politische Zeitungen wie Le Temps oder Le Figaro deutlich.[4]

1902 brachte Hachette eine konkurrierende Monatszeitschrift mit dem Titel La Vie heureuse (Das glückliche Leben) heraus, die den Untertitel „illustrierte Frauenzeitschrift“ trug und im November 1904 einem Literaturpreis den Namen „Prix La Vie heureuse“ gab, der von einer Jury aus Schriftstellerinnen vergeben wird.

Am 1. Mai 1903 titelte Femina „Les Artistes femmes au Salon de 1903“ (Die Künstlerinnen im Salon von 1903) und widmete drei illustrierte Seiten Frauen, die an diesem Salon ausgestellt hatten: Louise Abbéma, Louise-Cathérine Breslau, Camille Claudel, Maximilienne Guyon[5], Louise Clément-Carpeaux[6] (auf dem Titelblatt), Laure Coutan-Montorgueil und Juana Romani. Zu den Autorinnen der Zeitschrift gehörten Jane Catulle-Mendès (Jeanne Mette)[7], Gabrielle Réval[8], Jeanne Lapauze und Marcelle Tinayre. Auch Männer mit feministischen Sympathien schrieben für das Magazin: Marcel Prévost, Jules Claretie, Maurice Donnay, Paul Margueritte und Émile Faguet.

Femina hatte eine starke visuelle Anziehungskraft. Die aktuelle Mode in Sachen Kleidung und Inneneinrichtung wurde mit Fotos illustriert, die im Falle von Kleidungsstücken im Studio oder bei gesellschaftlichen Veranstaltungen (wie denen, die von den Brüdern Séeberger[9] bei Pferderennen aufgenommen wurden) entstanden waren, sowie mit handgezeichneten Illustrationen, darunter Anleitungen zum Anlegen von Kleidungsstücken, beispielsweise zum richtigen Ausziehen von Handschuhen. Fotografische Porträts trugen dazu bei, die Leser für Persönlichkeiten der Elite zu begeistern, und Bilder ihrer prestigeträchtigen Wohnräume ohne Personen weckten die Neugierde der ambitionierten Leser.[10] Nach einigen Jahren wurde das Cover des Magazins, das meist eine Fotografie war, durch eine zweifarbige Illustration ergänzt. 1906 zeigte die Ausgabe vom 1. November auf dem Cover eine Zeichnung einer stillenden Frau, signiert von Paul César Helleu. 1909 sprach die Académie française die Frage der Wahl weiblicher Mitglieder an: Sofort forderte Femina seine Leserinnen auf, 40 Schriftstellerinnen aus Gegenwart und Vergangenheit zu wählen, um eine imaginäre Frauenakademie zu besetzen, und veröffentlichte auf einer Doppelseite eine Illustration, die die 40 Gewählten unter der Kuppel der Institution sitzend darstellte.[3]

Nachdem Pierre Lafitte die Zeitschrift 1917 eingestellt hatte, verkaufte er den Titel an Hachette, der ihn mit La Vie heureuse fusionierte, aber den Namen Femina beibehielt und im Januar 1922 eine neue Monatszeitschrift herausbrachte. Der „Prix Femina-La Vie Heureuse“ wurde daraufhin in Prix Femina umbenannt.[11] Das Magazin erschien dann regelmäßig bis 1939 mit Lafitte und Robert Ochs als Co-Direktoren (Ochs wurde 1935 Direktor) und Martine Rénier als Chefredakteurin für Mode. Ab 1945 erschien es erneut in einer luxuriösen vierteljährlichen Sonderausgabe in Farbe, die manchmal von großen Künstlern illustriert wurde, bevor es nach einer Ausgabe vom Dezember 1953 bis Januar 1954 endgültig verschwand.

Redaktionelle Ausrichtung

Femina war als Frauenmagazin für eine bürgerliche und konservative Leserschaft konzipiert. Anne R. Epstein schreibt dazu: „Das Projekt und die redaktionelle Strategie von Pierre Lafitte, dem Herausgeber, sind vom erfolgreichen englischen Ladies Magazine inspiriert. Er plant eine luxuriöse, trendige, mondäne und familienorientierte Zeitschrift: gleichzeitig Vorläufer der Promi-Magazine und Lebens- und Modeführer für wohlhabende Frauen.“[12] Femina verschloss sich den feministischen Forderungen dieser Zeit jedoch nicht und nahm ab 1906 eine zunehmend politischere Haltung ein, die unter anderem das Frauenwahlrecht befürwortete. Daneben spielte weiter Sport eine große Rolle (insbesondere Golf), was sich auch in dem ab 1906 vergebenen Femina-Pokal ausdrückte.

Literatur

  • Lenard R. Berlanstein: Selling Modern Femininity: Femina, a Forgotten Feminist Publishing Success in Belle Epoque France. In: French Historical Studies. 2007, doi:10.1215/00161071-2007-010.
  • Helen Chenut: L’esprit antiféministe et la campagne pour le suffrage en France, 1880–1914. In: Érudit. 2012, doi:10.7202/1011115ar.
  • Colette Cosnier: Les Dames de Femina. Un féminisme mystifié. Presses universitaires de Rennes, 2009, ISBN 978-2-7535-0812-5 (google.de).
    • dazu: Anne R. Epstein: Colette Cosnier, Les Dames de Femina. Un féminisme mystifié. In: Clio. 2011, doi:10.4000/clio.10185.
  • Sylvie Ducas: Le prix Femina : la consécration littéraire au féminin. In: Recherches féministes. 2004, doi:10.7202/007343ar.
  • Rachel Mesch: Having It All in the Belle Epoque; How French Women’s Magazines Invented the Modern Woman. Stanford University Press, 2013, ISBN 978-0-8047-8713-0 (sup.org).
  • Vincent Soulier: Presse féminine : la puissance frivole. Archipel, 2008, ISBN 978-2-8098-1091-2 (google.de).
Commons: Femina (French magazine) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Siehe Literaturliste Ducas 2004
  2. Angaben zu La Vie au grand air in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  3. a b Siehe Literaturliste Berlanstein 2007
  4. Steven Hause: The Failure of Feminism in Provincial France. In: Proceedings of the ... Annual Meeting of the Western Society for French History. 1980, S. 423–435.
  5. Angaben zu Maximilienne Guyon in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  6. Louise CLÉMENT-CARPEAUX. In: Académie française. Abgerufen am 9. Oktober 2025 (französisch).
  7. Angaben zu Jane Catulle-Mendès in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  8. Gabrielle REVAL. In: Académie française. Abgerufen am 9. Oktober 2025 (französisch).
  9. Angaben zu Séeberger frères in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  10. Francesca Berry: Designing the Reader’s Interior: Subjectivity and the Woman’s Magazine in Early Twentieth-Century France. In: Journal of Design History. 2005, doi:10.1093/jdh/epi006.
  11. Histoire du prix Femina (Memento vom 22. Oktober 2013 im Internet Archive)
  12. Siehe Literaturliste Epstein 2011, Abs. 2