Felsenkirche von Saint-Émilion

Die Felsenkirche von Saint-Émilion ist eine unterirdische Kirche im Erzbistum Bordeaux der Römisch-katholischen Kirche in der Stadt Saint-Émilion in der Region Nouvelle-Aquitaine im Südwesten Frankreichs. Die Felsenkirche ist vollständig in einen Kalkfelsen gegraben. Bis zur Französischen Revolution diente sie als Pfarrkirche von Saint-Émilion. Mit einer Länge von 38 Metern und einer Höhe von 12 Metern ist sie die größte unterirdische Kirche Europas.[1]

Lage

Die Felsenkirche liegt im historischen Zentrum von Saint-Émilion zwischen dem Place du Clocher (Platz des Glockenturms) und dem tiefer gelegenen Place de l'Église Monolithe (Platz der Felsenkirche). Der Zugang erfolgt von dem Place de l'Église Monolithe aus. Etwa 100 Meter weiter nördlich liegt jenseits der Rue du Clocher die heutige Pfarrkirche, die Église collégiale Saint-Émilion (Kollegiatkirche St. Émilion), mit ihrem Kreuzgang.

Geschichte

Der heilige Émilion war ein bretonischer Mönch, der an der Stelle der späteren Felsenkirche eine Einsiedelei bewohnt hatte und 767 gestorben war. Nach seinem Tod entstand dort ein Kloster. Mit dem Bau der Felsenkirche wurde im 11. Jahrhundert begonnen, vollendet wurde sie gegen Ende des 11. oder Anfang des 12. Jahrhunderts. Vermutlich bereits im 12. Jahrhundert wurde über der unterirdischen Kirche ein Turm errichtet, der später als Basis für den gotischen Glockenturm diente. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde die Felsenkirche mit gotischen Fenstern und einem Portal versehen. Im 16. Jahrhundert erhielt der Glockenturm eine Spitze.[2]

Nach der Französischen Revolution wurde die Kirche als Fabrik zur Herstellung von Salpeter verwendet, das für die Herstellung von Schießpulver benötigt wurde. Dabei wurden die meisten Wandverzierungen der Kirche zerstört. Seit 1886 ist die Felsenkirche als Monument historique klassifiziert, seit 1907 auch der Glockenturm.[2]

Statische Probleme, die durch das Eindringen von Wasser noch verstärkt wurden, und Einsturzgefahr für den Glockenturm veranlassten den World Monuments Fund, Kirche und Glockenturm 1996 in seine Liste der am meisten gefährdeten Kulturgüter aufzunehmen. Fundamente und Pfeiler wurden verstärkt, um sie zu stabilisieren, die Kirche restauriert und etwa ein Jahrzehnt nach der Aufnahme in die Liste wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[3]

Beschreibung

Äußerlich sind von der Kirche nur das durch einen Mittelpfeiler zweigeteilte gotische Stufenportal, das mit einem Relief über dem Türsturz und mit Figuren an den Stufen des Spitzbogens dekoriert ist, sowie drei Rundbogenfenster mit gotischem Maßwerk zu erkennen.

Im Inneren hat die Kirche ein Hauptschiff und zwei Seitenschiffe. Ihre sechs Joche sind durch breite monolithische Pfeiler voneinander getrennt. Der Chorraum weist Flachreliefs unter dem Gewölbe, an der Innenseite der Pfeiler und an der Westwand auf. Altäre stehen in der Nähe des Haupteingangs auf der Seite der Fenster. Westlich des Zugangs zur Kirche befinden sich mittelalterliche Katakomben.

Der Glockenturm steht auf einer Terrasse auf der Höhe des Place du Clocher über der Felsenkirche. Er trägt einen gotischen Spitzhelm und ist 53 Meter hoch. Die beiden unteren Geschosse sind massiver gebaut und fensterlos. Von dem Turm aus hat man einen einzigartigen Panoramablick auf die Stadt und ihre Umgebung. Die Turmspitze ist der höchste Punkt von Saint-Emilion.

Commons: Église monolithe, Saint-Émilion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. La France souterraine : 10 sites à explorer > Église monolithe de Saint-Émilion - Gironde. In: routard.com. Abgerufen am 23. Dezember 2025 (französisch).
  2. a b Eglise souterraine monolithe (ancienne église paroissiale Saint-Emilion). In: Plateforme ouverte du patrimoine. Ministère de la Culture, abgerufen am 23. Dezember 2025 (französisch).
  3. Saint-Emilion Monolithic Church. In: wmf.org. World Monuments Fund, abgerufen am 23. Dezember 2025 (englisch).

Koordinaten: 44° 53′ 35,9″ N, 0° 9′ 23″ W