Fawzia al-Otaibi

Fawzia al-Otaibi (arabisch فوزیہ العتیبی) ist eine saudi-arabische Bürgerrechtlerin und Influencerin, die durch ihre öffentlich artikulierte Kritik am System der männlichen Vormundschaft und als Schwester der Aktivistinnen Manahel und Maryam al-Otaibi bekannt wurde.[1] Seit 2023 lebt sie im Exil in Edinburgh im Vereinigten Königreich.[1]

Leben

Al-Otaibi wuchs in der Stadt al-Rass auf und ist die jüngste dreier Schwestern, die sich in Saudi-Arabien öffentlich für Frauenrechte einsetzten.[1] Im Jahr 2016 gehörte sie mit ihren Schwestern zu den ersten Aktivistinnen, welche zur Forderung des Endes der männlichen Vormundschaft den Hashtag #IAmMyOwnGuardian nutzten.[1] 2017 wurde ihre Schwester Maryam wegen Aktivismus 104 Tage festgehalten und lebt seither unter Ausreiseverbot und Einschränkungen der Meinungsfreiheit.[2] 2019 wurde Fawzia al-Otaibi nach der Veröffentlichung eines Videos, das sie tanzend bei einem Konzert in Riad zeigte, wegen „Unanständigkeit“ mit einer Geldstrafe belegt und verließ daraufhin Saudi-Arabien in Richtung Dubai.[1] Im September 2022 wurde sie bei einem Besuch in Saudi-Arabien von der Polizei vorgeladen, floh über Bahrain weiter in die Türkei, und gegen sie wurde unmittelbar eine Ausreisesperre verhängt.[1] 2023 zog sie nach Edinburgh, wo sie politisches Asyl erhielt.[3]

Wirken

Al-Otaibi nutzt zur Forderung des Endes der männlichen Vormundschaft und weitergehende Frauenrechte in Saudi-Arabien Plattformen wie Snapchat, Instagram und X/Twitter.[4] Laut Fallunterlagen wirft die Staatsanwaltschaft ihr – ähnlich wie ihrer Schwester Manahel – „Anstiftung“ und Verstöße gegen gesellschaftliche Normen vor; eine gesonderte Festnahmeanordnung gegen sie wurde dokumentiert.[5] Nachdem Manahel am 9. Januar 2024 in geheimer Sitzung zu elf Jahren Haft verurteilt worden war, beschrieben internationale Medien und Menschenrechtsorganisationen den Fall als beispielhaft für eine anhaltende Repressionswelle gegen Meinungsäußerung im Netz.[6] Gegen Fawzia selbst wurden ähnliche Vorwürfe erhoben, sie entzog sich jedoch der Festnahme, indem sie 2022 das Land verließ, und lebt seither im Exil, von wo aus sie öffentlich die Freilassung ihrer Schwester fordert.[7] Ihre Aussagen und Beiträge – unter anderem gegenüber Amnesty International – lenkten internationale Aufmerksamkeit auf anhaltende Beschränkungen und Willkür gegen Frauen in Saudi-Arabien.[4]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f ‘They’ve destroyed us because of some tweets’: why has Saudi Arabia targeted these three sisters? In: The Guardian. 7. Mai 2024, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
  2. Women’s rights activist re-sentenced. In: Amnesty International Canada. Abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
  3. ‘Crumbs of freedom’: Saudi sisters prove limits of social change. In: Digital Journal (AFP). 7. März 2024, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
  4. a b Saudi Arabia: Woman jailed for 11 years for online expression supporting women’s rights. In: amnesty.org. 30. April 2024, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
  5. Trial hearing for imprisoned women’s rights activist. In: amnesty.org.uk. Abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
  6. Saudi woman jailed for 11 years over rights posts, Amnesty says. In: Reuters. 1. Mai 2024, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
  7. Saudi women’s rights activist secretly sentenced to 11 years in prison for ‘choice of clothing’. In: The Independent. 1. Mai 2024, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).