Fats and his Cats

Fats and His Cats

Fats and His Cats bei einem Auftritt im Frankfurter Musikclub Sinkkasten

Allgemeine Informationen
Herkunft Deutschland
Genre(s) Rock ’n’ Roll, Beat
Aktive Jahre
Gründung 1955
Auflösung 1990
Website
Letzte Besetzung
Gesang, Trompete, Bass
Otto „Fats“ Ortwein
Gitarre
Thomas Ortwein
Piano
Norbert Hens
Saxophon
Horst Müller
Saxophon
Hermann Bärsch
Schlagzeug
Norbert Zwicker
Ehemalige Mitglieder
Gitarre
Ferry Radics
Gitarre
Rick Cunningham
Piano
Werner Sondhof
Saxophon
Arthur Frohwein
Saxophon
Dieter Ressmann
Saxophon
Herbert Zimmer
Saxophon
Gerd Dudek
Saxophon
Heinz Kübler
Schlagzeug
Arno Neumann
Schlagzeug
Paul Pflanz
Schlagzeug
Ernst Schlieske
Schlagzeug
Walter Spangenberg

Fats and his Cats war eine deutsche Rock-’n’-Roll- und Beatband, die 1955 von Otto Ortwein gegründet wurde. Die Gruppe gehörte zu den frühen Vertretern des Genres in Deutschland und war über drei Jahrzehnte, unter anderem als Begleitband internationaler Künstler, aktiv.

Geschichte

Gründung und frühe Jahre

Die Band wurde 1955 von dem Musiker Otto Ortwein gegründet, der zuvor als Jazzmusiker und Louis-Armstrong-Imitator tätig war. Ursprünglich trat die Formation unter dem Namen „The Hit-Cats“ auf. Die Gruppe hatte ihren Ursprung im Raum Frankfurt am Main und etablierte sich schnell in der lokalen Szene. In der Anfangszeit spielte die Band vorwiegend in Clubs und Bars, die von stationierten US-Soldaten besucht wurden. Zu den festen Spielorten gehörten der „Rocket Club“ auf der Rhein-Main Air Base und die „Star Bar“ in Hanau. Darüber hinaus traten sie im „St. Pauli Club“ in Frankfurt sowie im „Club Holiday“ auf.

Aufgrund Ortweins authentischer Interpretationen von Stücken der Musiker Fats Domino, Louis Prima und Ray Charles gaben ihm die US-Soldaten den Beinamen „Fats“. In der Folge benannte sich die Gruppe in „Fats and his Cats“ um.

Überregionaler Erfolg in den 1960er Jahren

In den 1960er Jahren erlangte die Band überregionale Bekanntheit. Sie absolvierte Gastspiele im Hamburger Star-Club, wo 1963 auch ein Live-Album aufgezeichnet wurde. Hinzu kamen diverse Fernsehauftritte sowie Tourneen durch Belgien und die Niederlande. Zu den bedeutenden Konzerten der Bandgeschichte zählten Auftritte in der Berliner Waldbühne (damals Waldstadion) sowie beim Beat-Festival 1965 im Circus-Krone-Bau in München. Die Eintrittspreise für das Festival im Circus Krone lagen damals, dem Zeitgeist entsprechend, zwischen 3,00 und 7,50 DM.

Neben ihren eigenen Konzerten fungierten Fats and his Cats häufig als Begleitband (Backing Band) für etablierte Rock-’n’-Roll- und Schlagergrößen. Sie standen unter anderem gemeinsam mit Bill Haley, Little Richard, Hank Snow, Joey Dee, Ted Herold und Fats Domino auf der Bühne.

Zusammenarbeit mit Marika Kilius

Ein besonderer Höhepunkt war die Zusammenarbeit mit der Eiskunstlauf-Weltmeisterin Marika Kilius im Jahr 1965. Kilius, die nach ihrem Wechsel ins Profilager eine erfolgreiche Karriere als Schlagersängerin einschlug, nahm gemeinsam mit der Band die Single Erst kam ein verliebter Blick / Himmelblaue Rosen gibt es nicht auf. Die Single erreichte im November 1965 Platz 26 der deutschen Charts und hielt sich dort zwei Monate. Diese Kooperation war bezeichnend für die damalige Vermarktungsstrategie des Labels CBS Records, das die enorme Popularität des „Eis-Traumpaars“ (Kilius und Hans-Jürgen Bäumler) mit dem Sound von Fats and his Cats kombinierte, um ein breiteres Publikum zu erreichen. Die Band begleitete Kilius im Studio und auch bei verschiedenen Fernsehauftritten. Charakteristisch für den Stil der Band ist, dass beide Titel der Single ein Saxophonsolo enthalten.

Spätphase

Auch nach dem Ende der Beat-Ära und während des Rockabilly-Revivals der 1970er und 1980er Jahre blieb die Band aktiv und behielt ihren Stil ohne aufwendige Bühnenshows bei. Im Jahr 1976 trat die Gruppe als Hauptact im Theater Offenbach auf, wobei der Eintrittspreis bei 5 DM lag. 1981 war die Band Teil der „Rock ’n’ Roll-Night“ in der Westfalenhalle Dortmund, bei der sie an der Seite weiterer Künstler auftraten. Die Kartenpreise für dieses Event lagen zwischen 24 und 28 DM.[1]

Ende 1981 stieß Otto Ortweins Sohn zur Band. Am 5. Oktober 1990 verstarb Otto Ortwein.[2]

Stil

Das musikalische Repertoire der Band orientierte sich stark am US-amerikanischen Rhythm & Blues sowie dem „New-Orleans-Sound“. Stilistisch bewegte sich die Musik zwischen Rock ’n’ Roll, Honky-Tonk und Jump Blues. Im Gegensatz zu vielen deutschen Bands jener Zeit, die den Rock ’n’ Roll schlagerartig interpretierten, orientierte sich Otto Ortwein an einer authentischen, afroamerikanischen Spielweise.

Diskografie

Die Band veröffentlichte den Großteil ihrer Tonträger beim Label CBS.[1]

Alben

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen/​‑monate, AuszeichnungChartsChartplatzierungen[3]Template:Charttabelle/Wartung/Monatsdaten
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen/Mo­nate, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
 DE
1965 Fat Beat DE29
(1 Mt.)DE
Erstveröffentlichung: 1965

Singles

Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen/​‑monate, AuszeichnungChartsChartplatzierungen[3]Template:Charttabelle/Wartung/Monatsdaten
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen/Mo­nate, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
 DE
1963 Mr. Domino
DE40
(3 Mt.)DE
Erstveröffentlichung: 1. März 1963
No No
DE18
(2 Mt.)DE
Erstveröffentlichung: 1. Mai 1963
Joey Dee with Fats and His Cats
Slop With Me
DE33
(4 Mt.)DE
Erstveröffentlichung: 1. Juli 1963
1964 Lazy Lady
DE28
(2 Mt.)DE
Erstveröffentlichung: 1. August 1964
1965 Die hübschen Girls aus Germany
DE28
(2 Mt.)DE
Erstveröffentlichung: 1. Februar 1965
Erst kam ein verliebter Blick
DE26
(2 Mt.)DE
Erstveröffentlichung: 1. November 1965
Marika Kilius / Fats and his Cats

Alben (LPs)

  • 1963: Fats and His Cats at the Star-Club Hamburg (Live-Aufnahme, BPW 82000)
  • 1964: Dance-Party with Fats and His Cats (CBS 62342)
  • 1965: Fat Beat (CBS 62414)
  • 1966: Stimmungsparty bei Fats and His Cats (CBS 62906)
  • 1967: Let’s Rock and Roll Again (CBS 63327)
  • 1972: Fats and His Cats in the Star-Club Hamburg (CBS 53253)
  • 1980: Fats and His Cats – Live (Neuauflage der Star-Club LP, Biton Bit 2105)
  • 1981: Hallo Mr. D.J. – For All Friends (WPL 5769)
  • 1983: Fats & His Cats – On the Road Again (ZYX 20030, auch als MC ZYX 26000)

Extended Plays (EPs)

  • o. J.: Dance Party with Fats and His Cats (CBS EP 5691, Frankreich)
  • o. J.: All of Me / Teenager / Rush Back to My Heart / Honky Tonk (CBS EP 5831)

Singles

  • 1963: Hello / Gigolo (Carina F 103)
  • 1963: Mr. Domino / Tick Tack (Linda F 136)
  • 1963: Our Slop Is Here to Stay / My Hully Gully Baby (CBS 1298)
  • 1963: Last Night / Mary Ann (CBS 1299)
  • 1964: Happy Birthday / Ich wünsch Dir zum Geburtstag... (CBS 1431)
  • 1964: Lazy Lady / I Love You My Darling (CBS 1471)
  • 1964: You Done Me Wrong / Sweet Little Sixteen (CBS 1558)
  • 1965: Die hübschen Girls aus Germany / Komm zu mir (CBS 1640)
  • 1965: Ring Dang Doo / You Gotta Move (CBS 1865)
  • 1965: Schade um die schönen Damen / Really Happy (CBS 1870)
  • 1966: Hey Baby / Morgen nehme ich Dein Foto von der Wand (als Inge & Fats, CBS 2166)
  • 1966: Ruh Dich mal aus bei mir / Du läßt mich nicht los (als Inge & Fats, CBS 2217)
  • 1967: Detroit City / So weit (CBS 2597)
  • 1967: Slop with Me / Well Allright (CBS 2780)
  • 1967: Lautlose Schatten / Vorbei die Tage (CBS 3279)
  • 1970: Happy Birthday / Ich wünsch Dir zum Geburtstag... (Wiederveröffentlichung, CBS 7212)
  • 1981: Mr. D.J. / Fan vom guten alten Rock and Roll (WPL LB 21467)
  • 1982: Schau in den Spiegel / Domino Zeit (WPL LB 21510)

Samplerbeiträge (Auswahl)

  • 1976: Star-Club Hits (Arcade, Titel: Well Allright)
  • 1979: Live im Chicago (Polydor, Titel: I’m Ready und Hello)

Literatur

  • Helmut Wenske: Fats and his Cats 25 Jahre Rock'n'Roll. ISBN 3-88178-061-0 (englisch).
Commons: Fats and his Cats – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Helmut Wenske: Fats and hins Cats. Hrsg.: Helmut Wenske. Büchse der Pandora, 1984, ISBN 3-88178-061-0.
  2. Xx: Musik: Fats and his Cats. In: Musik. 20. März 2014, abgerufen am 10. Januar 2026.
  3. a b Chartquellen: DE