Fanny Pease

Fanny Jane Pease (* 1866 in Woolwich, London; † 1946 in Hove, East Sussex) war eine englisch-britische Krankenschwester und Suffragette.

Leben

Pease wurde als Tochter von Mary und Joseph Pease geboren,[1] die Nachkommen der im 19. Jahrhundert bekannten Industriellen-, Philanthropen- und Quäker-Familie Pease aus Nordengland waren.[2]

Sie ließ sich zur Krankenschwester ausbilden und war von 1888 bis 1891 Stationsschwester am Hospital for Consumption in South Kensington. 1924 wurde sie beim General Nursing Council registriert. Anschließend arbeitete sie als Privatpflegerin.[3]

Pease war Mitglied der Church League for Women’s Suffrage[4] und der Women’s Social and Political Union (WSPU).[5] Sie wurde am 18. November 1910, dem sogenannten Black Friday mit anderen Suffragetten bei dem Versuch verhaftet, dem Parlament eine Petition zu überreichen, und wegen Behinderung sowie Angriff auf einen Polizisten angeklagt. Diese Vorwürfe bestritt sie, da sie angab, sie habe versucht, den Polizisten zurückzuhalten, nachdem dieser eine ältere WSPU-Petitionärin geschlagen hatte. Pease erhielt eine 14-tägige Haftstrafe im Holloway Prison.[6]

Anfang März 1912 beteiligte sich Pease zusammen mit über 100 anderen Frauen an einer Protestaktion der WSPU in Form von Einschlagen von Schaufenstern im Zentrum Londons. Die Frauen verbargen große Steine und Hämmer unter ihren Röcken und zerstörten in einer koordinierten Aktion Schaufenster in der Regent Street, der Oxford Street und in der Umgebung. Pease wurde verhaftet, weil sie eine Fensterscheibe am Mansion House eingeschlagen hatte. Sie wurde wie andere zu zwei Monaten Zwangsarbeit im Holloway Prison verurteilt.[6] Während ihres Aufenthalts dort begab sie sich in einen Hungerstreik und wurde daraufhin zwangsernährt. Pease nutzte später ihren Status als Krankenschwester, um an den Innenminister und Zeitungen zu schreiben und gegen die ungesunden Bedingungen im Gefängnis zu protestieren.[7]

Pease war eine von 68 Frauen, die ihre Unterschrift oder Initialen auf das von den Gefangenen in Holloway im März 1912 bestickte sogenannte „Suffragetten-Taschentuch“ setzten.[8] Sie ist in der sogenannten Roll of Honour of Suffragette Prisoners der Suffragette Fellowship aufgeführt.[9]

1915, in den frühen Phasen des Ersten Weltkriegs, wurde Pease von den Abonnenten der Nursing Times ausgewählt, um als Militärkrankenschwester in Frankreich tätig zu werden.[10] Pease diente in den Territorial Forces Nursing Services (TFNS) in Frankreich, Ägypten und in Kingston upon Hull.[11][12] Für ihre militärische Pflegetätigkeit wurde ihr 1919 das Royal Red Cross zweiter Klasse verliehen.[13]

Nach dem Krieg nahm Pease ihre zivile Krankenpflegekarriere wieder auf und arbeitete wieder als angestellte Krankenschwester am Hospital for Consumption in London.[14]

Nach ihrer Pensionierung zog sie nach Hove und starb dort 1946, einen Nachlass von fast 1000 Pfund hinterlassend.[15]

Einzelnachweise

  1. Eintrag für „Fanny Jane Pease“ in: HM Government England & Wales: Birth, Marriage, Death & Parish Records England & Wales. 1866 , S. 706.
  2. Charges for Assault. In: Votes for Women. 25. November 1910, S. 129 (google.com).
  3. Henry Burdett (Hrsg.): Burdett’s Official Nursing Directory. Scientific Press, London 1898.
  4. The Names of CLWS Members on Active Service. In: The Church Militant. April 1915, S. 68.
  5. More Subscribers. In: The Standard. London 12. Juni 1914, S. 9.
  6. a b Sentences at the Mansion House. In: The Times. 6. März 1912, S. 3.
  7. Prison Treatment: Holloway Experience. In: The Standard. London 26. Juni 1912, S. 13.
  8. The Suffragette Handkerchief. Sussex Past, August 2011, archiviert vom Original am 13. Mai 2021; abgerufen am 18. Dezember 2024.
  9. Suffragette Fellowship: Roll of Honour of Suffragette Prisoners 1905-1914. In: London University: London School of Economics, The Women's Library, Papers of Annie Lacon. The National Archives, 1950, abgerufen am 4. Dezember 2024.
  10. Nursing Notes. In: Nursing Times. Band 11, Nr. 530, 26. Juni 1915, S. 773.
  11. Fanny J Pease: Letter from our nurse. In: Nursing Times. Band 11, Nr. 540, 4. September 1915, S. 1067.
  12. Nurses Posted to War Duty. In: The Nursing Times. Band 13, Nr. 628, 12. Mai 1917, S. 577.
  13. The Royal Red Cross. In: Supplement to the London Gazette. 4. April 1919, S. 4382.
  14. General Nursing Council for England and Wales (Hrsg.): Register of Nurses for 1925: General Part. London 1925, S. 1247.
  15. High Court of Justice in England (Hrsg.): Probate Registry. London 1946, S. 356.