Solothurn-Niederbipp-Bahn

Solothurn–Niederbipp–Oensingen
Streckennummer (BAV):411 (Solothurn–Niederbipp–Oensingen)
Fahrplanfeld:413
Streckenlänge:(ehem. 14,5 km)
16,41 km
Spurweite:1000 mm (Meterspur)
Stromsystem:1200 V =
Maximale Neigung: 46 
Minimaler Radius:43 m
SBB von Burgdorf und von Busswil (bis 2003)
Solothurn RBS, von Solothurn
Solothurn SBB, von Olten / Wanzwil nach Biel/Bienne
0,12 Solothurn ASm (bis 2010 Bhf) 432 m ü. M.
Rötibrücke (127 m), Aare
0,80 Solothurn Baseltor 443 m ü. M.
1,13 Solothurn Sternen 440 m ü. M.
1,75 St. Katharinen 437 m ü. M.
2,35 Feldbrunnen 452 m ü. M.
3,62 Bei den Weihern 471 m ü. M.
4,18 Riedholz 471 m ü. M.
5,24 Hinteres Riedholz 432 m ü. M.
6,23 Flumenthal (bis 2017 Bhf) 463 m ü. M.
Hauptstrasse H5/12/22 (33 m)
7,00 Siggere 455 m ü. M.
Siggern (37 m)
7,76 Attiswil 464 m ü. M.
10,21 Depot und Werkstätte
10,32 Wiedlisbach 470 m ü. M.
11,71 Oberbipp (bis 2020 Bhf) 487 m ü. M.
11,81 Beginn Dreischienengleis
12,33 Oberbipp Industrie 475 m ü. M.
13,10 Buchli 465 m ü. M.
13,38 SBB von Solothurn / Industrie
14,39 ASm von Langenthal
14,54 Niederbipp SBB / ASm 468 m ü. M.
Niederbipp Dürrmühle LJB (bis 1943)
14,86 Ende Dreischienengleis
15,67 Niederbipp Industrie (seit 2012) 464 m ü. M.
Aengi
Oensingen Stampfe
16,53 Oensingen SBB, OeBB / ASm (seit 2012) 462 m ü. M.
SBB nach Olten und OeBB nach Balsthal
Dünnern (~20 m)
Oensingen Schulhaus LJB (bis 1928)

Quellen: [1][2][3][4]

Die Bahnstrecke Solothurn–Niederbipp–Oensingen – auch heute noch als Solothurn-Niederbipp-Bahn bezeichnet – ist eine 1918 eröffnete Meterspurbahn in den Kantonen Solothurn und Bern in der Schweiz.

Sie geht namentlich auf die ehemalige Bahngesellschaft Solothurn-Niederbipp-Bahn (SNB) zurück. Diese fusionierte 1999 mit dem Regionalverkehr Oberaargau (RVO), der Biel-Täuffelen-Ins-Bahn (BTI) und den Oberaargauischen Automobilkursen (OAK) zur Aare Seeland mobil (ASm), welche seither die von Solothurn nach Niederbipp verlaufende und seit 2012 nach Oensingen auf 16,4 km verlängerte Strecke betreibt.

Geschichte

Betriebsaufnahme

Die Solothurn-Niederbipp-Bahn mit Sitz in Solothurn eröffnete am 9. Januar 1918 ihre meterspurige Bahnstrecke von Niederbipp im Kanton Bern zur Station Baseltor in Solothurn im gleichnamigen Kanton. In Niederbipp bestand eine Gleisverbindung zur ebenfalls meterspurigen Langenthal-Jura-Bahn (LJB), die den Betrieb auf der Strecke Langenthal–Niederbipp–Oensingen Schulhaus bereits 1907 aufgenommen hatte. Entsprechend früh suchte man die Zusammenarbeit mit der LJB und der 1917 eröffneten Langenthal-Melchnau-Bahn (LMB). Beim Stromsystem fiel die Wahl auf die bereits von der LJB verwendeten 1200 Volt Gleichstrom.

In Solothurn beim Baseltor endete die SNB-Strecke nördlich der Aare, am Rande der Altstadt, während sich der Bahnhof der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) südlich der Aare befand. Die wirtschaftlich wichtige Nähe zum SBB-Bahnhof konnte mit dem Bau der Rötibrücke über die Aare und der Eröffnung des darüber verlaufenden, strassenbahnähnlich trassierten Abschnitts Solothurn Baseltor–Solothurn (SBB) am 7. September 1925 erzielt werden. Der Endpunkt der SNB befindet sich seither auf dem Bahnhofplatz an der Nordseite des SBB-Bahnhofs.

Die SNB war in den folgenden Jahren kaum von grossen Änderungen betroffen, diejenigen bei den Nachbarbahnen LJB und LMB tangierten sie nur am Rande. Nachdem 1928 die LJB ein Teilstück in Oensingen stillgelegt hatte, folgte am 9. Mai 1943 der gesamte Abschnitt Niederbipp–Oensingen, womit Niederbipp für die Meterspurbahnen zu einem Kopfbahnhof wurde.

Fusionen

Per 1. Januar 1958 fusionierten die LJB und die LMB zu den Oberaargau-Jura-Bahnen (OJB), mit der die SNB 1959 einen neuen Zusammenarbeitsvertrag abschloss. Durch die Zusammenarbeit konnte die SNB auf eine eigene Werkstatt verzichten, der Fahrzeugunterhalt erfolgt seither durch die OJB-Werkstätte Langenthal.

Ein erstes Vorzeichen für die spätere Fusion ist ein formales Abkommen, das am 5. April 1984 zwischen BTI, OJB, SNB, OAK, der Ligerz-Tessenberg-Bahn (LTB) und der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft (BSG) unter dem Namen Oberaargau-Solothurn-Seeland-Transport (OSST) abgeschlossen wurde.

Bevor es zur Fusion kam, änderte die Partnerbahn OJB per 2. Juli 1990 nochmals ihren Namen in Regionalverkehr Oberaargau (RVO). Die OSST-Partner BTI, RVO, SNB und OAK vollzogen 1999 schliesslich die Fusion zur Aare Seeland mobil (ASm). Die LTB wurde 2003 ebenfalls in die ASm fusioniert, während die BSG bis heute rechtlich selbständig geblieben ist.

Strecke

Verlängerung nach Oensingen

Die heutige ASm-Strecke wurde von Niederbipp aus bis zum Bahnhof Oensingen verlängert. Der Spatenstich erfolgte am 1. Dezember 2010, die Inbetriebnahme der 1,7 Kilometer langen Streckenergänzung erfolgte zum Fahrplanwechsel vom 9. Dezember 2012.[5]

Die Streckenführung verläuft weitgehend parallel zur bestehenden SBB-Strecke mit einer zusätzlichen Haltestelle Niederbipp Industrie. Die Eröffnung fand auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2012 statt.

In den Grundzügen – allerdings als Strassenbahn trassiert – bestand diese Strecke bereits von 1907 bis 1943 unter der LJB und wurde bereits damals von der SNB mitbenutzt.

Personenverkehr

Im Fahrplanjahr 2021 wird die Strecke halbstündlich von durchgehenden Regionalzügen mit Be 4/8-Triebwagen auf der Verbindung Solothurn–Oensingen–Langenthal bedient, wobei in Randstunden und sonntags nicht durchgehend auf der ganzen Strecke der Halbstundentakt besteht. In Zukunft ist ein 15-Minuten-Takt zwischen Solothurn und Flumenthal vorgesehen.[6]

Rollschemel- und Rollbockverkehr

Um normalspurige Güterwagen der SBB auf der Meterspurstrecke zu befördern, wurde bei Eröffnung der SNB eine Rollschemelanlage in Niederbipp in Betrieb genommen, über die Zustellungspunkte bis Riedholz bedient werden konnten. Die Anlage wurde auch von der LJB mitbenutzt, die dasselbe System seit 1909 in Langenthal verwendete. Seit 1986 werden Rollböcke verwendet.[7]

Dieses für grosse Transportvolumen äusserst aufwändige System wurde auf der SNB durch die Inbetriebnahme des Dreischienengleises zwischen Niederbipp und der Anschlussgleisanlage Oberbipp (Tanklager) am 7. März 1970 weitgehend abgelöst.

Fahrzeuge

Triebwagen

  • Be 4/4 301–304 (1966–1978), ex 83–86
  • Be 4/8 110–112 (2008) und 113–115 (2011)
  • Be 4/4 14 und Bt, ex FWB
  • GTW Be 2/6 511 (ehemalig GTW Be 2/6 7001 CEV)

Steuerwagen

  • Bt 351–354, ex 102–105

Zwischen 1966 und 1978 beschafften die SNB und die OJB gemeinsam insgesamt sechs vierachsige Triebwagen (81–86) und fünf dazu passende vierachsige Steuerwagen (101–105). Unter der OSST wurde für alle beteiligten Bahngesellschaften ein einheitliches Nummerierungsschema eingeführt, die SNB-Fahrzeuge erhielten dabei 300er-Nummern, die (baugleichen) OJB-Fahrzeuge dagegen 100er-Nummern. Die orangefarbig lackierten, gelegentlich als «Schüttelbecher» bezeichneten, Fahrzeuge wurden abgestellt, verkauft oder verschrottet.

Aktuelle Fahrzeuge

Trivia

Die Bahn wird lokal als Bipperlisi bezeichnet. Diese Bezeichnung ist dem Volksmund längst entwachsen und findet sich selbst in offiziellen Mitteilungen des Kantons Solothurn.[8]

Literatur

  • Jürg Aeschlimann: 100 Jahre Solothurn-Niederbipp-Bahn. In: Eisenbahn Amateur, 6/2018, S. 242–249.
Commons: Solothurn-Niederbipp-Bahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
  2. Eisenbahnatlas Schweiz, Edition Schweers + Wall, EK-Verlag, 2024, ISBN 978-3-84466-441-6.
  3. map.geo.admin.ch mit Layern: swissTLM3D Eisenbahn (swisstopo), Schienennetz (BAV), Swissimage Zeitreise – Luftbilder (swisstopo) und Zeitreise Kartenwerke – Topografische Karten (swisstopo).
  4. maps.trafimage.ch mit Layern: Infrastruktur SBB/Tochtergesellschaften und Infrastruktur übrige Bahnen.
  5. Neubau Niederbipp-Oensingen: Umsetzung. Aare Seeland mobil, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 11. November 2013; abgerufen am 13. April 2012.
  6. Bipperlisi soll von Solothurn bis Flumenthal den Viertelstundentakt erhalten. Abgerufen am 3. Januar 2021 (Schweizer Hochdeutsch).
  7. Verein Rollmaterialverzeichnis Schweiz, Ablieferung Rollböcke 1985, Inbetriebnahme 1986
  8. Meldungen Kanton Solothurn vom 9. Januar 2018