Fabian Hanspach
Fabian Hanspach (* 6. Oktober 1995 in Wurzen) ist ein deutscher Diakon der evangelischen Kirche und Initiator des mehrfach ausgezeichneten Projektes GrenzGeschichten[1] der Evangelischen Jugendarbeit Wurzen.
Darüber hinaus ist er Co-Autor und Herausgeber des prämierten Buches Sie Waren Neun[2], die deutsche Version des amerikanischen Bestellers The Nine von Gwen Strauss, welches 2025 im SAX-Verlag erschien.
Überregionale Bekanntheit erreichte er vor allem durch sein Engagement in der Aufarbeitung der NS-Verbrechen in seiner Heimat und den Erhalt des Margot-Friedländer-Preises 2025.
Werdegang
Fabian Hanspach wurde als jüngster Sohn seiner Eltern Cornelia und Matthias Hanspach in Wurzen geboren. Er wuchs zusammen mit seinen Geschwistern Patrick (* 1984) und Philipp (* 1987) in Mark Schönstädt auf. Von 2002 bis 2006 besuchte er die Grundschule in Hohburg. 2014 machte er Abitur am Magnus-Gottfried-Lichtwer-Gymnasium in Wurzen. Schon während der Schulzeit zeigte Fabian Hanspach Interesse an Geschichte und Religion und begleitete von 2012 bis 2014 das deutsch-polnische Jugend-Projekt Heimatkirche – kaum zu glauben der Stiftung Evangelisches Schlesien.
Von 2014 bis 2018 studierte Hanspach Evangelische Religions- und Gemeindepädagogik an der Evangelischen Hochschule Moritzburg bei Dresden und schloss dieses Studium mit dem akademischen Grad Bachelor of Arts ab. Noch im selben Jahr begann er die Arbeit als Religionspädagoge in der Evangelisch Lutherischen Kirchgemeinde Wurzen St. Wenceslai und gründete daraufhin die Evangelische Kinder- und Jugendarbeit Wurzen, kurz EKJ.
Durch zusätzliche Studienleistungen am Diakonenhaus Moritzburg und das Bestehen der Gottesdienstprüfung trägt Fabian Hanspach seit Februar 2021 den kirchlichen Amtstitel Diakon.
GrenzGeschichten
Bereits zu Beginn seiner Dienstzeit wollte Hanspach an die Erfahrungen seiner Schulzeit anknüpfen und ein Jugendprojekt initiieren. 2019 startete er das Projekt GrenzGeschichten mit dem Ziel Spuren der Vergangenheit aufzuarbeiten und sie wieder erlebbar zu machen. In Kooperation mit Schulen, Vereinen und internationalen Partnern sollte so ein großes Netzwerk für die Aufarbeitung der NS-Zeit entstehen. Ein erster Teil des Projektes wurde 2019 in Wurzens Partnerstadt Milicz durchgeführt. Dort spürte Hanspach mit seinem Team einen seit 1945 verlassenen deutschen Friedhof auf und revitalisierten ihn[3].
Durch die Corona-Pandemie war ein weiterer Austausch mit deutschen und polnischen Jugendlichen nicht möglich. Dennoch wurde sich entschieden am Projekt weiterzuarbeiten, diesmal direkt in Wurzen. 2020 veröffentlichte die Evangelische Jugendarbeit Wurzen auf YouTube den Film INDICATION – ein Werk zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust und die vertriebenen Juden Wurzens. Zugrunde lagen alte Tonbänder, die der Wurzener Jude Hans Luchtenstein in seinem Londoner Exil aufnahm und bis zu seinem Tod unter Verschluss hielt. Nach seinem Tod im Jahr 2005 wurden sie gefunden und Kontakt mit der Stadt Wurzen aufgebaut. Hanspach und die Ev. Jugendarbeit arbeiteten gut ein Jahr mit den Tonbändern bis der Film fertig war.
Von 2021 bis 2023 startete Fabian Hanspach den dritten Teil des Projektes GrenzGeschichten mit dem Titel #lostnames[4]. Er und sein Team aus Jugendlichen arbeiteten mit alten Listen aus dem Friedhofsarchiv und entdeckten längst verlorene Namen polnischer Zwangsarbeiter, deren Gebeine noch auf dem Wurzener Friedhof begraben lagen, doch ihre Gräber waren längst nicht mehr zu sehen. Zeitzeugenberichte wurden gelesen und Interviews geführt. So konnten knapp 40 verschwundene Gräber der verstorbenen Zwangsarbeiter und darüber hinaus auch die Gräber der Zwangsarbeiter-Kinder ausfindig gemacht werden[5] und für sie alle Gedenktafeln mit ihren Namen errichtet werden. Für dieses Engagement erhielt die Evangelische Jugendarbeit um Diakon Hanspach den Hubertusburger Friedenspreis[6] und den Sächsischen Jugend-Geschichtspreis[7].
Durch einen Hinweis wurden Hanspach und die Ev. Jugendarbeit 2023 auf ein Buch und das Schicksal einer Gruppe von Zwangsarbeiterinnen aufmerksam. Der amerikanische Bestseller THE NINE von Gwen Strauss[8] erzählt die wahre Geschichte von neun Frauen und ihrem Kampf gegen Hitler und das Nazi-Regime. Das Buch berichtet von der Arbeit der Résistance, vom Leiden in Konzentrationslagern, dem Leben in Zwangsarbeit und vom Horror der Todesmärsche, welche von Leipzig aus bis nach Wurzen verliefen. Das Buch von Gwen Strauss wurde in den USA ein Bestseller und wurde innerhalb von 3 Jahren in 16 Sprachen weltweit übersetzt. Für eine deutsche Version hatte die Autorin keinen Verlag finden können. So entschied sich Fabian Hanspach, zusammen mit seiner Jugendarbeit und den Übersetzerinnen Ina Adler und Katharina Löffler in Eigenregie zu übersetzen. Nach zweijähriger Arbeit und hunderten Stunden Übersetzungsleistung wurde das Buch Sie Waren Neun[9] vom SAX-Verlag verlegt[10] und im April 2025 im Beisein der Autorin veröffentlicht.[11]
Im September 2025 wurde Fabian Hanspach und die Evangelische Jugendarbeit für die Aufarbeitung der NS-Verbrechen in ihrer Region und ihren unermüdlichen Einsatz für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit und im Kampf gegen Antisemitismus mit dem Hauptpreis des Margot-Friedländer-Preises geehrt.[12]
Auszeichnungen
Das von Fabian Hanspach initiierte Projekt GrenzGeschichten und die Evangelische Jugendarbeit Wurzen erhielten mehrere Auszeichnungen
- 2022 – Hubertusburger Friedenspreis
- 2022 – Sächsischer Jugendgeschichtspreis
- 2024 – Hubertusburger Friedenspreis
- 2025 – Margot-Friedländer-Preis
- 2026 - Ehrenamtspreis der Stadt Wurzen
Trivia
Neben seiner Arbeit als Religionspädagoge ist Fabian Hanspach Sänger der Band KultPiloten und Fußballer beim Hohburger SV 1990 e.V.
Er hat keine Kinder und lebt mit seiner Partnerin in Wurzen.
Einzelnachweise
- ↑ GrenzGeschichten – Ev.-Luth. Kirchgemeinde Wurzen und Kühren-Burkartshain. Abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ SIE WAREN NEUN | Der Weg in die Freiheit | Gwen Strauss | Sax-Verlag - Onlineshop. Abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Leipziger Volkszeitung: Mitglieder der Jungen Gemeinde Wurzen reisen für Gräberpflege nach Milicz. 18. September 2025, abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Leipziger Volkszeitung: Wurzener Jugend macht sich für Zwangsarbeiter-Gedenkstätte stark. 9. September 2025, abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Evangelische Jugend Wurzen erforscht NS-Verbrechen in Sachsen. 17. September 2025, abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Haig Latchinian: Hubertusburger Friedenspreis: Wurzener Schüler räumen groß ab. 11. September 2025, abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Haig Latchinian: Wurzener Junge Gemeinde mit Sächsischem Jugendgeschichtspreis geehrt. 11. September 2025, abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Gwen Strauss - The Nine. Abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Gwen Strauss: Sie waren neun: der Weg in die Freiheit. 1. deutschsprachige Auflage. Sax-Verlag, Markkleeberg 2025, ISBN 978-3-86729-404-1.
- ↑ Freiwillig Englisch und Geschichte pauken. Abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Stadt Wurzen: "Sie waren Neun" - Bewegender Abend mit amerikanischer Autorin im Wurzener Dom. 13. Mai 2025, abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Margot Friedländer Preis 2025: Würdigung der Menschlichkeit. 17. September 2025, abgerufen am 19. September 2025.