Fabergé Museum

Fabergé Museum
Daten
Ort Baden-Baden
Eröffnung 9. Mai 2009
Website

Das Fabergé Museum wurde am 9. Mai 2009 vom russischen Kunstsammler Alexander Iwanow in der baden-württembergischen Kurstadt Baden-Baden eröffnet.[1]

Nach Angaben des Museums ist es der Juwelierkunst des russischen Hofjuweliers Peter Carl Fabergé gewidmet. Die Sammlung umfasst über 1.500 Objekte aus dem Umfeld der Firma Fabergé.[2] Das Museum führt darunter auch Objekte, die es als sogenannte „imperiale“ Ostereier bezeichnet.

Museum

Iwanow gab bekannt, dass es rund 17 Mio. Euro gekostet habe, das Museumsgebäude zu kaufen und zu renovieren, inklusive 1 Mio. Euro für das Sicherheitssystem. Er entschied sich für Baden-Baden. Das Städtchen ist „ruhig und schön, in der Mitte von Europa, in der Nähe zu Frankreich und der Schweiz, ein Urlaubsort für die Reichen, und historisch ist es immer der beliebteste Ferienort für die Russen gewesen“,[3] sagt der Kunstsammler.

Aufgrund der Sicherheit entschied er sich für Deutschland. Der Kunstsammler sagte der britischen Zeitung Independent: „Es ist sehr schwierig [in Russland] wegen der vielen administrativen Hürden […] Man muss immer jemandem danken, und man kann nie das Gefühl haben, dass seine Sammlung sicher ist: nicht vor dem Staat, nicht vor Banditen, vor niemandem. Natürlich, in Deutschland geben wir viel Geld für das Sicherheitssystem aus, aber zumindest wissen wir, dass der Staat selbst nichts tun wird.“[4]

In naher Zukunft ist noch eine Erweiterung des Museums vorgesehen; dieser Anschluss würde mehr als 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche für europäische Gemälde der alten Meister und präkolumbischen Schmuck aus Mexiko, Costa Rica und Peru bedeuten.[1] Außerdem soll auf mehr als 2000 Quadratmetern Iwanows Oldtimer-Sammlung gezeigt werden.[5]

Sammlung

Nach Angaben des Museums umfasst die Sammlung mehr als 1.500 Objekte aus dem Umfeld der Firma Fabergé. Dazu zählen Schmuckstücke, kunsthandwerkliche Arbeiten sowie Gebrauchsgegenstände aus der Zeit vor 1918.

Das Museum führt darunter auch Objekte, die es als sogenannte „imperiale“ Ostereier bezeichnet, darunter ein als „Anniversary Wedding“ bezeichnetes Ei (1904) sowie ein als „Constellation“ (1917, unvollendet) geführtes Objekt und ein als „Karelian Birch“ (1917) bezeichnetes Ei. Die Zuordnung und Authentizität einzelner dieser Stücke ist Gegenstand fachlicher Diskussionen.

Neben diesen Objekten umfasst die Sammlung auch nicht-imperiale Fabergé-Eier sowie weitere Arbeiten aus der Werkstatt Fabergé. Zur Sammlung zählt unter anderem eine seltene Silberkaraffe von Fabergé in Form eines Hasen. Weitere dem Juwelier Fabergé zugeschriebene Schmuckstücken und qualitätsvollen Gegenständen des täglichen Bedarfs (vor 1918) bilden den Hauptteil der Fabergé Ausstellung.

Geschichte

Die Firma Fabergé wurde 1842 von Gustav Fabergé in Sankt Petersburg gegründet und wurde 1872 von dessen Sohn Peter Carl Fabergé weitergeführt, war von 1885 bis 1917 der offizielle Ausstatter des russischen kaiserlichen Hofes. Sie lieferte auch luxuriöse Waren an die russische und europäische Aristokratie. Neben den russischen Zaren waren auch die Königin von England und die königliche Familie von Siam (heute Thailand) Kunden von Fabergé. Nach der Oktoberrevolution wurde die Firma Fabergé geschlossen und ihre exquisiten Werke wurden fast vergessen. Fabergé ist in den 1960er-Jahren unter westlichen Sammlern wieder populär geworden. Anfang des 21. Jahrhunderts sind die Preise aufgrund der Nachfrage durch Russen wie Alexander Nikolajewitsch Iwanow, die Gefallen an den schönen Kunstwerken des Erbes ihres Landes finden, gestiegen.

Namensstreit

Während der ersten zwölf Monate hatte das Fabergé Museum einen Gewinn erwirtschaftet, der deutlich geringer ausfiel als ursprünglich erwartet. Zum großen Teil lag dies wohl an einem Prozess mit der Firma Fabergé Ltd. Denn 2009, nur einen Monat vor der offiziellen Eröffnung des Museums, hatte die auf den Cayman Islands registrierte Fabergé Ltd, die der südafrikanischen Familie Gilbertson gehört, einen Streit über Rechte an der Marke „Fabergé“ initiiert. Während dieses Rechtsstreits durfte das Museum den Namen „Fabergé“ nicht verwenden; das bedeutete keine Werbung, aber auch kein Hinweisschild an der Tür. 2010 wurde der Prozess vor einem deutschen Gericht zugunsten des Fabergé Museums entschieden, und das Museum begann den Namen „Fabergé“ zu nutzen.

Rezeption und Kontroversen

Das Museum wurde in der Berichterstattung wiederholt im Kontext der internationalen Sammler- und Museumslandschaft für Fabergé-Objekte behandelt. In Verbindung mit einer Fabergé-Sonderausstellung in der Eremitage wurden von Fachleuten und Kunsthändlern öffentlich Zweifel an der Authentizität einzelner Stücke geäußert, darunter auch an Objekten wie das Rothschild Ei, die aus dem Umfeld des Fabergé Museums Baden-Baden stammen bzw. dort verortet wurden.[6][7]

In der Fach- und Kunsthandelsöffentlichkeit wurden wiederholt Zweifel an der Einordnung und Authentizität einzelner Objekte geäußert, die vom Fabergé Museum Baden-Baden als sogenannte „imperiale“ Ostereier bezeichnet werden. Dies betrifft insbesondere drei vom Museum entsprechend geführte Stücke.

Das vom Museum als „Anniversary Wedding“ bezeichnete Ei (1904) ist Gegenstand besonderer Kontroversen. In der Fachliteratur und in öffentlichen Stellungnahmen wird darauf hingewiesen, dass für die Jahre 1904 und 1905 keine Übergabe imperialer Ostereier durch den russischen Zarenhof belegt ist. Dieser Umstand wird in der Forschung übereinstimmend mit den politischen und militärischen Ereignissen jener Jahre (Russisch-Japanischer Krieg und Revolution von 1905) erklärt.[6] Diese Kritik wurde unter anderem im Zusammenhang mit einer Fabergé-Sonderausstellung der Eremitage öffentlich vorgetragen und von internationalen Medien aufgegriffen. Das Fabergé Museum Baden-Baden sowie dessen Gründer Alexander Iwanow haben die Einordnung des Objekts als imperiales Osterei verteidigt und die geäußerten Zweifel zurückgewiesen.

Besonders diskutiert wird das vom Museum als „Constellation“ bezeichnete Objekt (1917, unvollendet). In der Forschung gilt als gesichert, dass für Ostern 1917 ein imperiales Ei für Zarin Alexandra Fjodorowna in Auftrag gegeben wurde, dessen Fertigstellung jedoch infolge von Krieg und Revolution unterblieb. Archivmaterial und zeitgenössische Berichte, unter anderem von Franz Birbaum, dem Werkstattleiter Fabergés, beschreiben das geplante Ei als Uhr in Form eines himmlischen Globus aus dunkelblauem Glas, gelagert auf Wolken aus Bergkristall.[8] Unvollendete Bestandteile dieses Eis, darunter der Glasglobus und die Kristallwolken, wurden 2001 im Bestand des Fersman-Mineralogischen Museums in Moskau identifiziert, wo sie sich seit den 1920er-Jahren befinden. Die archivalische und kunsthistorische Einordnung dieses Objekts wurde unter anderem von Tatiana Muntian (Kreml-Museum) und Marianna Chistyakova (Fersman-Museum) umfassend untersucht.

Auch das vom Museum als „Karelian Birch“ bezeichnete Ei (1917) ist Gegenstand von Kontroversen. In der Fachdarstellung wird das Karelian-Birch-Ei als eines von zwei für 1917 geplanten imperialen Ostereiern beschrieben (neben dem Constellation-Ei), die infolge der Februarrevolution nicht mehr ausgeliefert wurden.[9]

Die Diskussion betrifft vor allem die Frage, ob das in Baden-Baden gezeigte Objekt mit dem historisch belegten, für 1917 vorgesehenen imperialen Ei identisch ist bzw. ob eine lückenlose, öffentlich nachvollziehbare Provenienz und archivalische Absicherung vorliegt. In der Presse wurde berichtet, dass Alexander Iwanow bzw. das Umfeld des von ihm geleiteten „Russian National Museum“ das Ei Anfang der 2000er Jahre aus einer Privatsammlung erworben habe und dabei Dokumente zur Herkunft angeführt wurden.[10]

Im Kontext der Hermitage-Ausstellung „Fabergé: Jeweller to the Imperial Court“ (2020/2021) wurden entsprechende Fragen zur Zuschreibung mehrerer aus dem Umfeld Iwanows stammender Objekte öffentlich diskutiert; die Eremitage wies den Vorwurf zurück, Fälschungen zu zeigen.[11][12]

Im Zusammenhang mit einer Fabergé-Sonderausstellung in der Eremitage wurden diese Fragen in internationalen Medien aufgegriffen; das Fabergé Museum Baden-Baden sowie sein Gründer Alexander Iwanow haben die Authentizität und Einordnung der gezeigten Objekte zurückgewiesen.

Auswahl gezeigter Objekte

  • Ein als „Karelian Birch“ (1917) bezeichnetes Ei
  • Ein als „Constellation“ (1917, unvollendet) geführtes Objekt
Commons: Fabergé Museum – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b Barbara Weber: Adel, Spieler und Oligarchen. In: deutschlandfunk.de. Deutschlandfunk, 22. August 2010, abgerufen am 29. Januar 2022.
  2. Welcome to the Fabergé Museum. In: faberge-museum.de. Abgerufen am 3. Januar 2026.
  3. Fabergé Museum. Abgerufen am 29. Januar 2022.
  4. Shaun Walker: Russian billionaire feathers his Fabergé nest egg. In: independent.co.uk. Independent, 10. Dezember 2010, abgerufen am 29. Januar 2022 (englisch).
  5. Tycoon Ivanov Vies Faberge. Abgerufen am 29. Januar 2022.
  6. a b In an Explosive Claim, an Art Dealer Says the Hermitage’s Fabergé Exhibition Includes Fakes. In: Artnet. 2021, abgerufen am 3. Januar 2026.
  7. Müller, Hans-Joachim: „Ein Ei allein ist zu einsam“. In: Die Welt, 22. Januar 2012.
  8. The Imperial Constellation Egg by Fabergé – Wartski. Abgerufen am 3. Januar 2026 (britisches Englisch).
  9. Karelian Birch Egg. In: Britannica. Abgerufen am 3. Januar 2026.
  10. Egg-Hunting, Pro Division. In: Forbes. 2004, abgerufen am 3. Januar 2026.
  11. Hermitage director responds to accusations of fakery in Fabergé exhibition. In: The Art Newspaper. 17. März 2021, abgerufen am 3. Januar 2026.
  12. Authenticity Dispute Over Hermitage Fabergé Exhibit. In: The Moscow Times. 17. Februar 2021, abgerufen am 3. Januar 2026.

Koordinaten: 48° 45′ 43,5″ N, 8° 14′ 36,3″ O