FAB-1500

FAB-1500


FAB-1500M-46

Allgemeine Angaben
Bezeichnung: FAB-1500
Typ: Fliegerbombe
Herkunftsland: Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: GSKB-47, NPO Basalt
Entwicklung: 1940er-Jahre
Indienststellung: 1948
Einsatzzeit: im Dienst
Technische Daten
Gefechtsgewicht: 1.476–2.587 kg
Länge: 2,59–3,53 m
Durchmesser: 580–630 mm
Spannweite: 780–794 mm
Ausstattung
Gefechtskopf: 436–870 kg Sprengstoff
Zünder: Aufschlagzünder, Verzögerungszünder
Waffenplattformen: Kampfflugzeuge, Bomber
Liste von Bomben nach Herkunftsnation

FAB-1500 (russisch ФАБ-1500; фугасная авиационная бомба) bezeichnet eine Serie von Fliegerbomben mit einem Gewicht von rund 1500 Kilogramm. Ende des Zweiten Weltkriegs in der Sowjetunion entwickelt, werden sie noch heute in Russland produziert.

Entwicklung

Nach dem Zweiten Weltkrieg schritt die Entwicklung von Strahlflugzeugen in der Sowjetunion schnell voran. Für die sich in Entwicklung befindenden strahlgetriebenen Bomber Jak-28 „Brewer“, Il-28 „Beagle“ sowie Tu-16 „Badger“ wurde eine neue Fliegerbombe mit großer Sprengkraft benötigt, woraufhin die Einwicklung der FAB-1500 angestoßen wurde. Mit der Entwicklung wurde das Konstruktionsbüro Nr. 47 (GSKB-47) beauftragt, welches dem Ministerium für Landmaschinen unterstand. Das Ursprungsmodell FAB-1500M-46 war im Jahr 1948 bereit und Ausführung FAB-1500M-54 wurde 1954 eingeführt. Danach folgten die Modelle FAB-1500T sowie FAB-1500-2500TS und Ende der 1960er-Jahre entstand die Ausführung FAB-1500Sch für den Abwurf aus dem Tiefflug. Heute werden die FAB-1500-Bomben bei NPO Basalt produziert und der Vertrieb erfolgt durch Aviaexport, Techmasch und Rosoboronexport.[1][2][3]

Technik

Die FAB-1500 sind schwere Mehrzweck-Fliegerbomben, die gegen ein breites Zielspektrum eingesetzt werden können. Aufgrund ihrer Größe und dem Gewicht können Kampfflugzeuge nur eine geringe Anzahl der Bomben mitführen. Bei der Explosion entstehen eine Detonationswelle und eine starke Hitzeentwicklung; der Bombenkörper wird in scharfkantige Splitter zerlegt. Seit den 1940er-Jahren entstanden unterschiedlicher Modelle der FAB-1500. Je nach Fabrikat können sie z. B. als Sprengbomben oder Panzersprengbomben (Penetrationsbomben) verwendet werden. Steht die Sprengwirkung im Vordergrund, so sind die Bomben dünnwandig ausgeführt. Für eine erhöhte Eindringtiefe oder Splitterwirkung sind die Bomben dickwandig ausgebildet. Die einzelnen Modelle haben sowohl einen langen wie auch einen kurzen Bombenkörper. Die Bombenkörper haben eine zylindrische, längliche Rumpfform, mit einem kreisrunden Querschnitt und einer ogivalen Spitze. Diese kann spitz oder abgerundet ausgeführt sein. Zum Bombenheck hin verjüngt sich der Rumpfdurchmesser. Der Bombenkörper besteht aus mehreren zusammengeschweißten Teilen aus St25-Gussstahl. Am Heck befinden sich vier bis acht Stabilisierungsflügel (Heckflossen), um die ein Boxwing angebracht ist. Die Masse des Sprengstoffs in der Bombe beträgt 30 bis 46 % ihres Gewichts. Als Sprengstoff wurde anfänglich TNT verwendet, welcher bei den späteren Modellen durch TGAG und TGAF (Mischungen aus TNT, RDX und Aluminiumpulver) ersetzt wurde. Der Bombenkörper hat entweder einen feldgrauen oder schwarzen Anstrich. Bezündert sind die Bomben mit einem Kopf- und/oder Heckzünder. Dafür sind an der Bombenspitze und am Heck jeweils Vertiefungen mit einem Durchmesser von 52 mm sowie einem Gewinde angebracht. Es können verschiedene Aufschlagzünder und Verzögerungszünder verwendet werden. Letztere werden nur im Bombenheck eingesetzt. Hinter den Zündern können in einer Vertiefung zusätzliche Verstärkerladungen aus jeweils drei mal 510 g Tetryl geladen werden. Verschiedene Jagdbomber und Bomber sowjetischer und russischer Bauart können die FAB-1500-Bomben einsetzen. Die Bomben können, je nach Modell aus großer und mittlerer Flughöhe sowie aus dem Tiefflug abgeworfen werden. Weiter kann an die FAB-1500-Bomben der UMPK-Rüstzusatz montiert werden, womit sie als präzisionsgelenkte Gleitbomben eingesetzt werden können.[1][3][4][5][6]

Varianten

FAB-1500M-46

Die Ende des Zweiten Weltkrieges entwickelte FAB-1500M-46 war 1948 einsatzbereit und ist für den Abwurf aus dem Waffenschacht von Strahlflugzeugen konzipiert. Der Bombenkörper ist auf darauf ausgelegt Transsonischen Strömungen standzuhalten. Die Wanddicke beträgt 18 mm und vergrößert sich zur Bombenspitze hin auf 160 mm. Die Bombenspitze ist spitz zulaufend und als Anti-Rikoschettkopf ausgebildet, um ein Wegrutschen auf der Erdoberfläche zu verhindern. Am langgezogenen Bombenheck sind vier Stabilisierungsflügel mit einem Boxwing angebracht. Befüllt ist die Bombe entweder mit TNT oder TGAG. Verwendet wird entweder der mechanische AW-139-Zünder oder der elektromechanische WDW-Zünder. Alternativ kann auch der APUW-1-Zünder aus der Zeit vom Zweiten Weltkrieg eingesetzt werden. Die FAB-1500M-46 kann aus einer Flughöhe von bis zu 10.000 m sowie mit einer maximalen Geschwindigkeit von 1.000 km/h abgeworfen werden. Explodiert die FAB-1500M-46 mit 0,3 Sekunden Verzögerung in sandigem Erdreich, so erzeugt die Bombe einen Explosionskrater mit einem Durchmesser von 15 m und einer Tiefe von rund 4 m. Die Bombe verursacht bei der Explosion eine Detonationswelle, welche Gebäude herkömmlicher Bauart in einem Radius von 25–35 m komplett zerstört. Bei der Explosion zerlegt sich die Bombenhülle in scharfkantige Splitter die bis in eine Entfernung von rund 900 m schwere Verletzungen verursachen können.[1][3][4]

Bombe Länge Durchmesser Spannweite Sprengstofffüllung Gewicht
FAB-1500M-46 2,763 m 630 mm 630 mm 676 kg TNT/TGAG 1.476 kg

FAB-1500M-54

Die FAB-1500M-54 ist seit 1954 bereit und stellt das heutige Standardmodell der FAB-1500-Bomben dar. Dieses Modell war ursprünglich für den Transport und Abwurf aus dem Waffenschacht von Bombern vorgesehen, wird aber auch an den Außenlaststationen von Bombern und Jagdbombern transportiert. Die abgerundete Spitze ist als Anti-Rikoschettkopf ausgebildet, um ein Wegrutschen auf der Erdoberfläche zu verhindern und die Bombe während dem Fall in Drehung um die Längsachse zu versetzen. Am Bombenheck sind acht Stabilisierungsflügel mit einem Boxwing angebracht. Verwendet werden die Zünder AW-139, WDW-2 und AWDm. Daneben können auch die älteren Zünder AW-1 und AW-2 verwendet werden. Das Modell FAB-1500M-54MS ist mit TNT und das Modell FAB-1500M-54TGA mit der Sprengstoffmischung TGAF befüllt. Die FAB-15000M-54 kann aus einer Flughöhe von bis zu 16.000 m sowie mit einer maximalen Geschwindigkeit von 1.200 km/h abgeworfen werden.[1][4][7]

Bombe Länge Durchmesser Spannweite Sprengstofffüllung Gewicht
FAB-1500M-54 2,765 m 630 mm 792 mm 675 kg TNT/TGAF 1.551 kg

FAB-1500-2500TS

Die FAB-1500-2500TS war 1956 bereit und ist eine Panzersprengbombe. Äußerlich gleicht dieses Modell der FAB-1500M-54. Gegenüber diesem wurde die Bombenspitze verstärkt und die Wanddicke auf 30 mm vergrößert. Damit kann die FAB-1500-2500TS in Gebäudestrukturen oder Erdreich einzudringen, bevor sie gezündet wird. Verwendet wird der AW-139-Verzögerungszünder, der im Heck eingesetzt wird. Die FAB-1500-2500TS kann aus einer Flughöhe von bis zu 20.000 m sowie mit einer maximalen Geschwindigkeit von 1.500 km/h abgeworfen werden. Aus mittlerer und großer Höhe abgeworfen kann die Bombe rund 20 m Erdreich und danach bis zu 2,5 m Stahlbeton durchschlagen bevor sie explodiert.[1][8][9][10]

Bombe Länge Durchmesser Spannweite Sprengstofffüllung Gewicht
FAB-1500-2500TS 2,84 m 630 mm 792 mm 436 kg TGAF 2.587 kg

FAB-1500Sch

Dieses Modell entstand Ende 1960er-Jahre und ist für den Einsatz im Tiefflug ausgelegt. Zu diesem Zweck ist im hohlen Heckteil ein PG-5997-58-Bremsschirm untergebracht, der sich nach dem Abwurf öffnet. Durch diesen wird der Fall der Bombe abgebremst, so dass sich bei deren Explosion das Flugzeug nicht mehr im Gefahrenbereich befindet. Die Bombe wird ab Werk mit eingebautem AWU-526-Aufschlagzünder geliefert. Dieses Bombenmodell ist nicht sehr verbreitet und wird vermutlich nicht mehr produziert. Weiter wird auch die modifizierte Ausführung FAB-1500SchA erwähnt, über die nichts weiteres bekannt ist. Die FAB-1500Sch kann aus einer Flughöhe von 150 bis 12.000 m sowie in einem Geschwindigkeitsbereich von 500 bis 1.200 km/h abgeworfen werden.[1]

Bombe Länge Durchmesser Spannweite Sprengstofffüllung Gewicht
FAB-1500Sch 2,59 m 630 mm 794 mm 647 kg TGAF 1.517 kg

FAB-1500T

Die FAB-1500T wurde speziell für den Transport und Abwurf aus großer Höhe mit bis zu doppelter Schallgeschwindigkeit entwickelt. Gegenüber den Vorgängermodellen ist die FAB-1500T dickwandiger. Der schlanke Bombenkörper hat einen geringen Strömungswiderstand und auf der Oberfläche ist eine hitzebeständige Beschichtung angebracht. Am langgezogenen Bombenheck sind vier Stabilisierungsflügel mit einem schmalen Boxwing angebracht. Verwendet wird entweder der mechanische AW-139-Zünder oder der elektromechanische AWU-ETM-139-Zünder. Die FAB-1500T kann aus einer Flughöhe von bis zu 25.000 m sowie in einem Geschwindigkeitsbereich von 700 bis 2.500 km/h abgeworfen werden.[1][8][9][10]

Bombe Länge Durchmesser Spannweite Sprengstofffüllung Gewicht
FAB-1500T 3,533 580 mm 780 mm 870 kg TGAF 1.488 kg

FAB-1500DS

Dieses Modell ist eine Aerosolbombe und entstand in den 1980er-Jahren. Eine weitere Bezeichnung lautet FAB-1500DS-PZ. Über die FAB-1500DS ist nur wenig bekannt und die Bombe wurde vermutlich nie in Großserie hergestellt. Möglicherweise handelt es sich um einen Vorläufer der späteren ODAB-1500-Aerosolbombe.[1]

Verbreitung

Die FAB-1500-Bomben befinden sich bei den Streitkräften Russlands im Dienst. Daneben werden die Bomben auch exportiert.[4]

Siehe auch

Literatur

  • Jefim Gordon: Soviet/Russian Aircraft Weapons since World War Two. Midland Publishing, 2004, ISBN 978-1-8578-0188-0.
  • Jeremy Flack: Lenk- und Abwurfwaffen der NATO-Luftwaffen. Motorbuch Verlag, 2005, ISBN 978-3-613-02525-7.
  • Nikolay Spassky: Russia’s Arms and Technologies. The XXI Century Encyclopedia. Vol. 10 - Aircraft armament and avionics. A & T Publishing House / Oruzhie i tekhnologii, Russland, 2004, ISBN 978-5-93799-016-7.
  • Nikolay Svertilov: Russia’s Arms and Technologies. The XXI Century Encyclopedia. Vol. 12 - Ordnance and Munitions. A & T Publishing House / Oruzhie i tekhnologii, Russland, 2006, ISBN 978-5-93799-023-5.
  • Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 0-7106-0866-7.
  • SPRE Basalt: Unguided Air Bombs. Offizieller Produktekatalog der Federal State Unitary Enterprise Basalt, Moskau, Russland, 2008.
Commons: FAB-1500 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Jefim Gordon: Soviet/Russian Aircraft Weapons since World War Two. Midland Publishing, 2004. S. 157–162.
  2. ФАБ-1500: Мощная авиационная бомба, которая изменяет поле боя. In: https://homester.com.ua. Homester, abgerufen am 10. Dezember 2025 (ukrainisch).
  3. a b c Фугасная авиабомба ФАБ-1500 М-46. In: mass-destruction-weapon.blogspot.com. Оружие массового поражения, abgerufen am 10. Dezember 2025 (russisch).
  4. a b c d Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, 2003, S. 430–427, S. 430–431.
  5. THE MAKERS OF RUIN: Glide Bombs, UMPK, and Their Civilian Cost. (PDF) In: nako.org.ua. NAKO, abgerufen am 10. Dezember 2025 (englisch).
  6. Как модернизация ФАБ-1500 и ФАБ-3000 влияет на ход СВО. In: iz.ru. МИЦ Известия, abgerufen am 10. Dezember 2025 (englisch).
  7. Jeremy Flack: Lenk- und Abwurfwaffen der NATO-Luftwaffen. Motorbuch Verlag 2005, S. 62.
  8. a b SPRE Basalt: Unguided Air Bombs. Offizieller Produktekatalog der Federal State Unitary Enterprise Basalt, 2008. S. 8–10.
  9. a b Nikolay Svertilov: Russia’s Arms and Technologies. The XXI Century Encyclopedia. Vol. 12 - Ordnance and Munitions. A & T Publishing House / Oruzhie i tekhnologii, 2006, S. 540–541.
  10. a b Nikolay Svertilov: Russia’s Arms and Technologies. The XXI Century Encyclopedia. Vol. 10 - Aircraft armament and avionics. A & T Publishing House / Oruzhie i tekhnologii, 2001, S. 190–192.