Evangelischer Friedhof in Kępa Zawadowska
Der Evangelische Friedhof in Kępa Zawadowska ist ein seit dem Jahr 1944 nicht mehr genutzter Begräbnisplatz im Warschauer Stadtbezirk Wilanów. Hier wurden seit den 1830er Jahren Angehörige deutschstämmiger Familien der Umgebung bestattet.
Lage und Zustand
Der rund 8000 Quadratmeter große Friedhof liegt auf einer leichten Erhebung nahe der Kreuzung der Syta-Straße mit der Bruzdowa-Straße. Er ist von einer Ziegelsteinmauer umgeben und verfügt über eine schmiedeeiserne Zugangspforte.[1] Die Mauer ist an mehreren Stellen eingestürzt, der baumbestandene Friedhof befindet sich in einem gepflegten Zustand, es sind nur noch wenige Grabsteine vorhanden.
Geschichte
Zur Entstehungsgeschichte des Dorfes, ursprünglich als Kępa Zawadzka bezeichnet, gibt es unterschiedliche Aussagen. Gesichert ist, dass die Eigentümerfamilie der Herrschaft Wilanów deutsch-niederländischen Bauern anbot, sich auf ihrem Gebiet anzusiedeln und bis dahin brachliegende Landflächen als Ackerland zu nutzen. Die den Kolonisten zugewiesenen, tiefliegenden und häufig von Überschwemmungen betroffenen, nahe der Weichsel gelegenen sumpfigen Gebiete[2] mussten zunächst entwässert und mit Dämmen geschützt werden.
Möglicherweise wurden bereits 1777 unter der Herrschaft von Izabela Lubomirska friesische Siedler (sogenannte „Olęders“) angeworben.[3] Nach anderen Quellen geschah das erst unter ihrem Schwiegersohn, Stanisław Kostka Potocki, zu Beginn des 19. Jahrhunderts.[4] Die Neuankömmlinge brachten ihre in der Heimat erworbene Fähigkeit mit, Feuchtgebiete effektiv zu bewirtschaften.[2] Die Siedler bauten auf dem gewonnenen Ackerland vorwiegend Gemüse an.[5] Auch Potockis Sohn Aleksander und dessen Sohn August setzten die Ansiedlungspolitik fort, um die brachliegenden Feuchtgebiete zu erschließen. In den Jahren 1819, 1823 und 1824 wurden entsprechende Verträge mit eintreffenden Gruppen von Kolonisten unterzeichnet.[1]
Es entstand die Siedlung Kępa Zawadzka, 1827 gab es dort bereits sieben Höfe mit 64 Einwohnern. Nach weiterem Zuzug wurde 1832 eine Schule errichtet, etwa zur selben Zeit entstand auch eine Kapelle und ein protestantischer Friedhof (später der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zugehörig).[4] Die Gegend wurde in Folge auch als „deutsche Insel“ bezeichnet.[6] Um den Friedhof hochwassersicher anzulegen, war zunächst ein Hügel aufgeschüttet worden.
In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre wuchs der Einfluss nationalsozialistischen Gedankenguts innerhalb der Gemeinschaft. Es kam zu ersten Auseinandersetzungen zwischen den Dorfbewohnern.[2] Nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen 1939 wurden die deutschstämmigen Bewohner genötigt, die Volksliste zu unterzeichnen.[1] Der politisch aktive Rektor der Grundschule in Zawady, Władysław Lerch, wurde 1940 in Palmiry erschossen, weil er sich weigerte, zu unterschreiben. Ein Jahr später wurden die polnischen Bewohner aus der Siedlung vertrieben.[2] Wegen des Vormarsches der Roten Armee wurden 1944 die meisten Einwohner von Kępa Zawadowska evakuiert. Die letzten Nachkommen der Kolonisten verließen ihre Häuser 1947.[1] Der Friedhof wurde bis Juli 1944 genutzt. Das letzte Haus der Kolonisten wurde 1998 abgerissen.[3]
In den 1950er Jahren wurden auf Initiative von Henryk Wójcik, dem Vorsitzenden des örtlichen Landwirtschaftsvereins, Pappeln am Friedhofsrand gepflanzt. Im Jahr 2002 ließ die Bezirksverwaltung von Wilanów die Anlage aufräumen und teilweise instand setzen; dabei wurde auch eine Informationstafel aufgestellt.[2] Nur wenige Grabsteine mit lesbaren deutschen Inschriften sind erhalten geblieben, darunter die der Familien Gatzke, Heinrich Witzke, August Wolff, Ludwig Litke und Paulina Weiss.[2]
Weblinks
Einzelnachweise und Anmerkungen
- ↑ a b c d Alicja Sadomska, Szlakiem olęderskich osadników na południowych przedmieściach Warszawy, in: Informator Parafii Ewangelicko-Augsburskiej Świętej Trójcy w Warszawie, Nr 4/2014 (75), S. 33 (polnisch, abgerufen am 11. Dezember 2025)
- ↑ a b c d e f Cmentarz kolonistów w Kępie Zawadowskiej, Szlaki Turystyczne Mazowsza (Centralny Ośrodek Turystyki Górskiej PTTK), polnisch, abgerufen am 11. Dezember 2025
- ↑ a b Paul Komosa, Kępa Zawadowska, 2. Januar 2020, okolicekonstancina.pl (polnisch, abgerufen am 15. Dezember 2025)
- ↑ a b Michał Krasucki (Interview), Konserwator zabytków: Powązki - pierwszy duży bezpieczny cmentarz powstał poza Warszawą, 2. November 2024, Dzieje.pl (polnisch, abgerufen am 11. Dezember 2025)
- ↑ Małgorzata Kaczyńska, Wpływ założenia pałacowo-ogrodowego w Wilanowie i jego założeń filialnych na przemiany krajobrazu, Promotionsarbeit, Warschau 2011, S. 109 (polnisch, abgerufen am 15. Dezember 2025)
- ↑ Tatiana Hardej, Kępa Zawadowska, in: Chwilowa stolica Polski, Stolica (Zeitschrift), 6–7/2012 (2243-4), S. 28/29 (polnisch, abgerufen am 11. Dezember 2025)
Koordinaten: 52° 9′ 5″ N, 21° 7′ 45″ O