Evangelische Kirche Rommerode

Die Evangelische Kirche Rommerode ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in Rommerode, einem Stadtteil von Großalmerode im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis. Sie steht in zentraler Lage an der Einmündung der Landesstraße 3299 in die Landesstraße 3225, die als Walburger und Friedrichsbrücker Straße durch den Ort führen. Vor der Kirche befindet sich der ehemalige Gerichtsplatz mit einer alten Gerichtslinde, die bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Naturdenkmal erklärt wurde.[1]

Die evangelische Kirchengemeinde Rommerode wurde im Januar 2023 in das Kirchspiel Laudenbach integriert, zu dem neben Laudenbach auch Uengsterode und Trubenhausen gehören. Mit den Gemeinden des Kirchspiels Walburg ist das Kirchspiel Laudenbach in den Gesamtverband der evangelischen Kirchengemeinden am Meißner eingebunden. Sie sind Teile des Kirchenkreises Werra-Meißner, innerhalb der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im Sprengel Kassel.[2]

Geschichte

In dem erstmals im Jahr 1109 als „Rodemanrodeh“ und 1195 als „Roothmanrodt“ urkundlich erwähnten Dorf lässt sich eine Kirche im Ort spätestens im Jahr 1642 nachweisen. Allerdings ist bereits auf einer Karte der Landgrafschaft Hessen von den Kartografen Arnold und Johannes Mercator aus dem Jahr 1592 eine Kirche zu erkennen. Über diese Kirche ist wenig bekannt. Sie wurde vermutlich im Lauf der Zeit so baufällig, dass sie abgebrochen und ersetzt werden musste. In den Jahren 1838 und 1839 wurde die heutige Kirche am selben Ort wie der Vorgängerbau nach den Plänen von Johann Friedrich Matthei (* 1790; † 1874) mit unverputzten, rötlichen Sandsteinen errichtet. Matthei, der nach der kurhessischen Verwaltungsreform Landbaumeister für die Kreise Eschwege und Witzenhausen wurde, war zuständig für öffentliche Bauten, für die er Entwürfe zeichnete, Bauausführungen beaufsichtigte und kontrollierte.[3]

Kirchengebäude

Für Rommerode entwarf Matthei einen würfelförmigen Bau im klassizistischen Stil, der von einem Walmdach bedeckt wird, mit einem Fassadenturm an der westlichen Seite. Im Inneren entsprach der schlichte Saal den Anforderungen an eine auf die Wortverkündigung ausgerichteten protestantischen Kirche der damaligen Zeit. Nach dem reformierten Verständnis, in der die Predigt im Zentrum des Gottesdienstes steht, wurde das Gestühl auf den Altar und die sich dahinter erhebende Kanzel ausgerichtet. Hohe Fenster mit Rundbögen spenden dem unteren Hauptraum und der dreiseitig umlaufenden Empore reichlich Licht.

Ein besonderes Ausstattungsstück in dem schmucklosen Saal ist die Orgel aus dem Jahr 1842 von der Orgelbauerfamilie Ziese aus Ellingerode. Sie ist auch heute noch erhalten, allerdings nicht mehr in ihrem originalen Zustand. Im Jahr 1917, während des Ersten Weltkriegs wurden die Zinnpfeifen des Orgelprospekts ausgebaut und durch Zinkpfeifen ersetzt. Die entfernten Pfeifen wurden eingeschmolzen, um das Metall zur Herstellung von Kriegsgerät zu verwenden.[3][4]

Ähnlich wie die Zinnpfeifen der Orgel verlief auch die Geschichte der Glocken im Turm. Die beiden Glocken aus der alten Kirche wurden mit einer 1838 neu gegossenen ergänzt. Sie und eine der älteren gingen jedoch im Laufe der Zeit zu Bruch und wurden 1901 durch zwei neue Glocken, die in Apolda gegossen wurden, ersetzt. Diese mussten 1942, in der Zeit des Zweiten Weltkriegs, zu Kriegszwecken hergegeben werden. Mit Mitteln aus einer erfolgreichen Spendensammlung konnten schon 1950 zwei neue Glocken bestellt werden, die nun zusammen mit einer kleinen Glocke aus dem Jahr 1600 im Turm läuten.[4]

Denkmalschutz

Wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung ist die Kirche nach § 2 Absatz 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes ein Kulturdenkmal. Sie wurde in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen unter der Nummer 40592 eingetragen.[5]

Literatur

  • Peer Zietz, Landesamt für Denkmalpflege Hessen [Hrsg.]: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Werra-Meißner-Kreis 3, Altkreis Witzenhausen. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1995, ISBN 3-528-06228-2, S. 357 f.
  • Georg Dehio. Bearbeitet von Magnus Backes: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen. 1. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1966, S. 702.
Commons: Evangelische Kirche Rommerode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rommerode, Werra-Meißner-Kreis. In: Historisches Ortslexikon. Website des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS); abgerufen am 20. Dezember 2025.
  2. Kirchspiel Laudenbach auf der Website des Evangelischen Kirchenkreises Werra-Meissner; abgerufen am 20. Dezember 2025.
  3. a b Rommerode. In: Peer Zietz; Landesamt für Denkmalpflege Hessen [Hrsg.]: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Werra-Meißner-Kreis 3. Altkreis Witzenhausen. S. 357 f.
  4. a b (alh): Gotteshaus feiert Geburtstag. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) vom 3. September 2013; abgerufen am 20. Dezember 2025.
  5. Ev. Kirche Rommerode, Friedrichsbrücker Straße 1. In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 20. September 2025.

Koordinaten: 51° 13′ 54,2″ N, 9° 46′ 8″ O