Evangelische Kirche Rittmannshausen
Die Evangelische Kirche Rittmannshausen ist ein denkmalgeschütztes Gebäude im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis, mit einem wehrhaften Chorturm aus dem 14. Jahrhundert und einem Schiff im klassizistischen Stil, das 1828 nach den Plänen von Johann Friedrich Matthei (* 1790 in Rodenberg; † 1874 in Witzenhausen) angefügt wurde. Sie erhebt sich im historischen Dorfkern von Rittmannshausen, einem Ortsteil der Gemeinde Ringgau. Der Ort an der Landesgrenze zu Thüringen wurde erstmals im Jahr 1195 als „Ridanßhusen“ in einer Urkunde erwähnt, in der Papst Coelestin III. den dortigen Besitz des Klosters Germerode bestätigt.[1][2]
Die Kirchengemeinde Rittmannshausen ist mit der Kirchengemeinde Lüderbach pfarramtlich verbunden und bildet mit Weißenborn und Rambach das Kirchspiel Weißenborn-Rambach. Alle vier Dörfer grenzen an den thüringischen Wartburgkreis und jedes Dorf hat eine eigene Kirche und einen eigenen Kirchenvorstand. Das Kirchspiel gehört zum Kirchenkreis Werra-Meißner, innerhalb der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im Sprengel Kassel.[3]
Kirchengebäude
Der älteste Teil der Kirche ist der Turm aus dem 14. Jahrhundert. Die dicken Mauern, die ohne besondere Schmuckzutaten errichtet wurden, betonen den wehrhaften Charakter und lassen vermuten, dass die Bevölkerung in früheren Notzeiten hier Zuflucht finden konnte. Es wird angenommen, dass der hochgelegte Eingang mit Maßwerk im Tympanon und das Fenster an der Südseite zusammen mit den mächtigen Strebepfeilern an den Ecken des Turmes in späterer Zeit entstanden. Bedeckt wird das Mauerwerk durch ein Krüppelwalmdach. Im Untergeschoss des Turmes sind Reste von Wandmalereien mit Fragmenten einer Kreuzigungsdarstellung aus spätgotischer Zeit erhalten geblieben.
Die kleine Vorgängerkirche am Turm wurde im Frühjahr 1828 abgebrochen. Für das neue Kirchenschiff entwarf Matthei, der nach der kurhessischen Verwaltungsreform Landbaumeister für die Kreise Eschwege und Witzenhausen wurde, einen blockhaften klassizistischen Saalbau, der mit großen Fenstern versehen wurde. In der zweigeschossigen Anordnung auf der westlichen Eingangsseite und der südlichen Seitenwand, die von einem umlaufenden kräftigen Gesims geteilt wird, besitzen die Fenster im Obergeschoss einen Rundbogen, die im Untergeschoss werden geradlinig geschlossen. Die Steine für den Neubau wurden im Mai 1828 im gemeindeeigenen Steinbruch gewonnen und durch unterschiedliche Bearbeitung der Mauerstruktur des Turmes angeglichen. Am 30. August 1830 galten die Bauarbeiten als abgeschlossen.[4]
Kircheninneres
Zu den umgesetzten Stilmerkmalen von Mattheis Entwürfen gehören der schlichte Innenraum mit einer hellen Farbgebung, in dem die großen Fenster dem unteren Hauptraum und der dreiseitig umlaufenden Empore reichlich Licht spenden. Das Gestühl wurde auf die Kanzel und den Altar an der Turmseite ausgerichtet. Die einst vorhandenen Patronatslogen wurden 1970 während der Instandsetzungsarbeiten entfernt.[2][4]
Besondere Ausstattungsstücke der Kirche sind der achteckige Taufstein und die Orgel von der Orgelbauerfamilie Holland.
Der rund 55 Zentimeter hohe, aus Buntsandstein bestehende Taufstein ist bei dem Abbau des Blockaltars in dessen Kern bei der Renovierung im Jahr 1970 gefunden worden. Die Taufsteinkuppa trägt die Abkürzung mit Jahreszahl „In (Carnatione) D (omini) 15.2.0“ (Nach der Fleischwerdung des Herrn 1520). Die als hochwertig angesehene Steinmetzarbeit und der unversehrte Zustand bewirkten, dass der wiederentdeckte Stein, dessen originaler Schaft sich nicht erhalten hatte, auf einen neuen Fuß gesetzt und vor der Kanzel aufgestellt wurde.
Die Orgel wurde 1838 mit dem Erlös einer Sammlung finanziert. Die Orgelbauer waren Johann Michael Holland (* 1778; † 1842) und sein Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm Holland (* 1804; † 1879) aus Schmiedefeld bei Suhl im südlichen Thüringen.[4]
Geläut
Die Kirche besitzt zwei Glocken aus dem 14. Jahrhundert, von denen eine die in lateinischer Sprache verfasste Inschrift trägt: „Ave Maria Gracia Plena Dominus Tecum Bened“ (Gegrüßt seist du, holdselige Maria, der Herr sei mit dir, du Gesegnete).[4]
Denkmalschutz
Wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, und städtebaulichen Bedeutung wird die Kirche als ein Kulturdenkmal geschützt. Sie ist Teil der Gesamtanlage Rittmannshausen, zu der der historische Ortskern in der Umgebung der Kirche und des benachbarten Angers sowie Gebäude entlang der Rambacher Straße gehören. Sie steht aus geschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz.[2] Im Denkmalverzeichnis des Landes Hessen hat die Kirche die Nummer 38486[5] und die Gesamtanlage Rittmannshausen die Nummer 38484.[6]
Literatur
- Peer Zietz in Zusammenarbeit mit Thomas Wiegand: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Werra-Meißner-Kreis 1, Altkreis Eschwege. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1991, ISBN 3-528-06240-1, S. 334 f.
- Georg Dehio. Bearbeitet von Magnus Backes: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen. 1. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1966, S. 697 (dehio.org).
- Emily Spanel: Turm aus dem 14. Jahrhundert. Eine Chronologie des Gotteshauses in Rittmannshausen. In: Die Kirche im Dorf lassen. Werra-Rundschau vom 10. Oktober 2018.
Weblinks
- Internetauftritt des Kirchspiels Weißenborn - Rambach.
Einzelnachweise
- ↑ Rittmannshausen, Werra-Meißner-Kreis. In: Historisches Ortslexikon. Website des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS); abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ a b c Peer Zietz in Zusammenarbeit mit Thomas Wiegand: Rittmannshausen. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Werra-Meißner-Kreis 1, Altkreis Eschwege. S. 334 f.
- ↑ Kirchspiel Weißenborn-Rambach auf der Website des Evangelischen Kirchenkreises Werra-Meissner; abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ a b c d Emily Spanel: Turm aus dem 14. Jahrhundert. Eine Chronologie des Gotteshauses in Rittmannshausen. In: Die Kirche im Dorf lassen. Werra-Rundschau vom 10. Oktober 2018.
- ↑ Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Ev. Kirche In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen.; abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Gesamtanlage Rittmannshausen In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen.; abgerufen am 16. November 2025.
Koordinaten: 51° 5′ 19,7″ N, 10° 7′ 45,7″ O