Evangelische Kirche Markershausen
Die Evangelische Kirche Markershausen ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in Markershausen im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis. Es wird angenommen, dass das kleine Dorf im südlichen Ringgau, das als „Marquartishusen“ erstmals um 1300 urkundlich erwähnt wurde, bereits im 9. Jahrhundert im Schutz der ehemaligen Ritterburg Brandenfels entstand. Bedeutend für die Ortsgeschichte Markershausens waren die Treusch von Buttlar-Brandenfels, die seit der Mitte des 16. Jahrhunderts das adlige Gericht Brandenfels zum Lehen erhielten und die Gerichtsbarkeit über einen Zeitraum von fast dreihundert Jahren, bis 1824 besaßen. Als hessisch-sächsische Lehnsträger waren sie faktisch Alleineigentümer der Burg, die östlich von Markershausen auf der Kuppe des Schlossbergs lag. Der Ort wurde im Rahmen der hessischen Gebietsreform am 1. Dezember 1970 mit anderen Dörfern in die Gemeinde Herleshausen eingegliedert.[1]
Die Kirche zu Markershausen ist eine von zehn evangelischen Kirchen in den elf Ortsteilen der Gemeinde Herleshausen, die zum Kirchspiel Herleshausen-Nesselröden gehören. Das Kirchspiel ist Teil des Kirchenkreises Werra-Meißner, innerhalb der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im Sprengel Kassel.[2]
Kirchengebäude
Nach der Reformation, die in dieser Region vermutlich in der Mitte des 16. Jahrhunderts eingeführt wurde, soll der von der Adelsfamilie angestellte Pfarrer aus Willershausen private Andachten im Gutshaus abgehalten haben, an der auch die Bewohner des Dorfes teilnahmen. Mit der wachsenden Zahl der hier lebenden Menschen wurde in den 1740er Jahren ein erstes Gotteshaus errichtet, das ebenfalls der Willershäuser Pfarrer betreute. Es wurde im Jahr 1828 durch eine Kirche ersetzt, die neben dem Gutshof nach den Plänen von Johann Friedrich Matthei (* 1790 in Rodenberg; † 1874 in Witzenhausen) entstand. Matthei, der nach der kurhessischen Verwaltungsreform Landbaumeister wurde, war zuständig für öffentliche Bauten in den Landkreisen Eschwege und Witzenhausen. Für Markershausen entwarf Matthei einen schlichten, fast quadratischen Fachwerkständerbau mit zwei Geschossen, der von einem Walmdach bedeckt wird, dem ein achteckiger verschieferter Dachreiter mit einer glockenförmigen Haube aufsitzt. Nur an der südwestlichen Seite ist das ursprüngliche Fachwerk noch zu sehen. Die anderen Seiten sind mit Schindeln verkleidet worden.[3][4]
Kircheninneres
Das Innere prägen der hohe Baldachin an der Chorwand mit Altar und darüber stehender Kanzel aus dem Vorgängerbau sowie die flankierenden Patronatslogen. Zu den Besonderheiten gehören hier die zweigeschossige, bis zur Decke reichende und den gesamten Altarraum von drei Seiten umfassende Bauweise und die im offenen Winkel zur Gemeinde hin deutlich schmaler werdenden Seitenteile. Die beiden früheren separaten Eingänge zu ihnen wurden 1967 zugemauert. Im Gegensatz zum üblicherweise reich verzierten Patronatsgestühl fällt hier die Schlichtheit auf, die mit dem ehelichen Allianzwappen von 1746 des Georg von Buttlar-Brandenfels und der Sophie von Buttlar-Ziegenberg nur eine einzige Abbildung zeigt. Erwähnenswerte Ausstattungsgegenstände sind ebenfalls das hölzerne Taufbecken aus dem Jahr 1908 und eine buddhistische Tempelglocke, die Wolfgang Treusch von Buttlar-Brandenfels (1861–1928), von seinem Einsatz beim Boxeraufstand aus China mitbrachte. Später stiftete die Familie die Glocke der Kirche zu Markershausen, die sich seit dem feierlichen Gottesdienst am Buß- und Bettag 2012 im Kirchenschiff befindet.[3][4]
Familiengruft
Die einst von dem Kirchenschiff aus begehbare Familiengruft unter der Kirche wurde in den 1960er Jahren zugemauert. Die vierzehn Särge waren bereits 1958 in das Mausoleum außerhalb des Ortes überführt worden. Gebaut worden ist die Grabstätte im Jahr 1929 in der Form eines griechischen Antentempels auf Initiative der Witwe von Wolfgang Treusch von Buttlar-Brandenfels, Lili Stetson (1870–1963), die ihrem verstorbenen Ehemann eine besonders prunkvolle letzte Ruhestätte errichten wollte.[4][5]
Denkmalschutz
Wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung ist die Kirche nach § 2 Absatz 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes ein Kulturdenkmal. Sie wurde in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen unter der Nummer 38060 eingetragen.[6]
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen 1, Regierungsbezirke Gießen und Kassel. Deutscher Kunstverlag, Berlin und München 2008, ISBN 978-3-422-03092-3, S. 643.
- Peer Zietz in Zusammenarbeit mit Thomas Wiegand: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Werra-Meißner-Kreis 1, Altkreis Eschwege. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1991, ISBN 3-528-06240-1, S. 145 f.
- Emily Spanel: Eleganz und Finesse überzeugen. Das Gotteshaus in Markershausen. In: Die Kirche im Dorf lassen. Werra-Rundschau vom 7. Februar 2019.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Markershausen, Werra-Meißner-Kreis. In: Historisches Ortslexikon. Website des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS); abgerufen am 19. Oktober 2025.
- ↑ Kirchspiel Herleshausen-Nesselröden auf der Website des Evangelischen Kirchenkreises Werra-Meissner; abgerufen am 19. Oktober 2025.
- ↑ a b Peer Zietz in Zusammenarbeit mit Thomas Wiegand: Markershausen. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Werra-Meißner-Kreis 1, Altkreis Eschwege. S. 145 f.
- ↑ a b c Markershausen. In: Unsere Kirchen auf der Website des Kirchspiels Herleshausen-Nesselröden; abgerufen am 19. Oktober 2025.
- ↑ Emily Spanel: Eleganz und Finesse überzeugen. Das Gotteshaus in Markershausen. In: Die Kirche im Dorf lassen. Werra-Rundschau vom 7. Februar 2019.
- ↑ Markershausen, Osterlochweg 4 In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 19. Oktober 2025.
Koordinaten: 51° 2′ 34,2″ N, 10° 6′ 53,9″ O