Evangelische Kirche Langenhain (Wehretal)

Die Evangelische Kirche Langenhain ist ein denkmalgeschütztes Gebäude mit unverputztem Sandsteinmauerwerk in Langenhain im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis. Der Ort südlich der „Blauen Kuppe“, einem Naturdenkmal vulkanischen Ursprungs, wurde erstmals als „Langenhayn“ im Jahr 1332 urkundlich erwähnt, als Heinrich genannt von Honsten, Burgmann der Boyneburg, die Gefälle den Augustinern zu Eschwege übertrug. Nach der Aufhebung des Augustinerklosters fielen die Güter in Langenhain an die von Boyneburg-Hohenstein. die auch das Kirchenpatronat innehatten. Deren Erben haben im Jahr 1803 das Patronat dem Landesherrn überlassen. Am 1. April 1972 wurde der Ort im Rahmen der hessischen Gebietsreform mit anderen Dörfern zur neu gebildeten Gemeinde Wehretal zusammengeschlossen.[1]

Die Kirchengemeinde Langenhain bildet mit Oetmannshausen und Vierbach das Kirchspiel Oetmannshausen. Jedes der Dörfer hat eine eigene Kirche und einen eigenen Kirchenvorstand. Sitz des Pfarramtes ist Oetmannshausen. Gemeinsam mit benachbarten Gemeinden hat sich das Kirchspiel zum Kooperationsraum „An der Wehre“ zusammengeschlossen, das zum Kirchenkreis Werra-Meißner, innerhalb der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im Sprengel Kassel gehört.[2] Langenhain hatte im 16. Jahrhundert und danach zeitweise eigene Pfarrer. Nachdem aber der Ort im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) von kaiserlichen Heerscharen verwüstet und der damalige lutherische Pfarrer vertrieben wurde, kam es nach Reichensachsen und war seitdem, mit Unterbrechungen, beständiges Vikariat dieser Pfarrei.[3] Im Jahr 1986 wurde Langenhain aus dem Kirchspiel Reichensachsen ausgegliedert und mit dem Kirchspiel Oetmannshausen verbunden.

Kirchengebäude

Der Kirchenbau wurde etwa abseits der Durchgangsstraße, in der Nähe des Dorfangers im Jahr 1837 nach den Plänen von Johann Friedrich Matthei (* 1790 in Rodenberg; † 1874 in Witzenhausen) fertiggestellt. Matthei, der nach der kurhessischen Verwaltungsreform Landbaumeister wurde, war zuständig für öffentliche Bauten in den Landkreisen Eschwege und Witzenhausen. Für Langenhain entwarf Matthei einen würfelförmigen Bau, der mit unverputzten Sandsteinen errichtet wurde, den ein Walmdach bedeckt auf dem ein Dachreiter aufsitzt. Der Eingang ist in der Mitte der nach Westen orientierten Hauptfassade. Sie und die Seitenwände wurden mit großen vielsprossigen Fenstern versehen. In der zweigeschossigen Anordnung, die von einem umlaufenden Gesimsband geteilt wird, besitzen die Fenster im Obergeschoss einen Rundbogen, die im Untergeschoss werden geradlinig geschlossen. Das Langenhainer Gotteshaus ähnelt der ebenfalls von Matthei entworfenen Kirche in Oetmannshausen, die in etwa zur gleichen Zeit entstand.[4]

Kircheninneres

Der schlichte quergelagerte Saal mit seiner umlaufenden Empore entsprach den damaligen Anforderungen an eine auf die Wortverkündigung ausgerichteten protestantischen Kirche. Die Kanzel ist erhöht, von allen Seiten sichtbar, hinter dem Altar an der Stirnwand angebracht. Charakteristisch für Mattheis Sakralbauten ist auch eine helle Farbgebung. Die Wände des Innenraums bedeckt ein rötlicher Terrakotta-Farbton, die Emporen, Bänke und Säulen wurden Weiß und Grau gestrichen. Die Orgel fertigte in der Zeit um 1908 der Orgelbauer Friedrich Wilhelm Böttcher aus Weimar. Bei der inzwischen restaurierten pneumatischen Orgel entsteht wegen ihrer Mechanik immer eine kleine Verzögerung zwischen dem Tastenanschlag und dem Erklingen des Tons. Sie ersetzte, wie der Kirchenchronist Karl-Heinz Binzer berichtete, eine Vorgängerin, die nicht mehr „zur Erbauung der Gemeinde“ beitrage.[4][5]

Denkmalschutz

Wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung ist die Kirche nach § 2 Absatz 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes ein Kulturdenkmal. Sie wurde in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen unter der Nummer 39106 eingetragen.[6]

Literatur

  • Peer Zietz in Zusammenarbeit mit Thomas Wiegand: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Werra-Meißner-Kreis 1, Altkreis Eschwege. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1991, ISBN 3-528-06240-1, S. 601 f.
  • Stefanie Salzmann: Mit einem Anstrich aus Eschweger Bier. Die Dorfkirche in Langenhain. In: Die Kirche im Dorf lassen. Werra-Rundschau vom 6. November 2019.
Commons: Evangelische Kirche Langenhain (Wehretal) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Langenhain, Werra-Meißner-Kreis. In: Historisches Ortslexikon. (lagis-hessen.de Website des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen); abgerufen am 9. Oktober 2025.
  2. Kirchspiel Oetmannshausen auf der Website des Evangelischen Kirchenkreises Werra-Meissner; abgerufen am 10. Oktober 2025.
  3. Wilhelm Bach: Kirchenstatistik der evangelischen Kirche im Kurfürstenthum Hessen. 1835 S. 301 f. (books.google.de), abgerufen am 10. Oktober 2025.
  4. a b Peer Zietz in Zusammenarbeit mit Thomas Wiegand: Langenhain. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Werra-Meißner-Kreis 1, Altkreis Eschwege. S. 601 f.
  5. Stefanie Salzmann: Mit einem Anstrich aus Eschweger Bier. Die Dorfkirche in Langenhain. In: Die Kirche im Dorf lassen. Werra-Rundschau vom 6. November 2019.
  6. Ev. Kirche Langenhain In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 12. Oktober 2025.

Koordinaten: 51° 8′ 32,6″ N, 10° 2′ 3,7″ O