Evangelische Kirche Küchen

Die Evangelische Kirche Küchen ist ein denkmalgeschütztes klassizistisches Gebäude im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis, das in den 1820er Jahren nach den Plänen des Landbaumeisters Matthei errichtet wurde. Küchen, das erstmals im Jahr 1363 als „Kuchenn“ urkundlich erwähnt wurde, liegt im Tal der Wehre am Fuß des Hohen Meißners. Im Rahmen der hessischen Gebietsreform wurde das Dorf am 1. Januar 1974 nach Hessisch Lichtenau eingemeindet.[1]

Die evangelische Kirchengemeinde Küchen bildet mit Hausen, Velmeden und Walburg das Kirchspiel Walburg. Gemeinsam mit den Gemeinden Laudenbach, Trubenhausen, Uengsterode und Rommerode des Kirchspiels Laudenbach sind sie Teil des Gesamtverbands der evangelischen Kirchengemeinden „Am Meißner“. Die Gemeinden gehören alle zum Kirchenkreis Werra-Meißner, innerhalb der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im Sprengel Kassel.[2]

Kirchengebäude

Die Kirche erhebt sich in zentraler Lage auf einer leicht erhöhten Stelle an der innerörtlichen Kreuzung von Meißnerstraße und Leipziger Straße. Auf dem Platz, auf dem zuvor eine im Lauf der Zeit baufällig gewordene Kirche stand, wurde die neue evangelische Pfarrkirche des Ortes nach den Plänen von Johann Friedrich Matthei (* 1790 in Rodenberg; † 1874 in Witzenhausen) errichtet. Matthei, der nach der kurhessischen Verwaltungsreform Landbaumeister wurde, war zuständig für öffentliche Bauten in den Landkreisen Eschwege und Witzenhausen. Für Küchen entwarf Matthei einen würfelförmigen quergelagerten Saalbau aus unverputztem rötlichen Sandstein mit Stilelementen des Klassizismus. Die nach Süden ausgerichtete Hauptfassade, wird durch einen aus der Mauerflucht vorspringendem Mittelrisalit und dem darüber aufsteigenden Fassadenturm akzentuiert. Eingebettet in den Risalit ist das Eingangsportal mit der Weiheinschrift auf dem Sturz: „Zur Verehrung Gottes erbauet im Jahr 1827“. Über dem Portal wurde in einer vertikal verlaufenden Achse, über Obergeschossfenster und dem Zifferblatt der Turmuhr, der verschieferte Fachwerkturm ausgerichtet. Der quadratische Turm, der die südliche Hälfte des Walmdaches einnimmt und bis zum First reicht, bildet mit seinem achteckigen Aufsatz mit vier umlaufenden Ädikulä und der glockenförmigen Haube den markanten Abschluss. Zu Seiten des Risalits vervollständigen vielsprossige Fenster die Fassade. In der zweigeschossigen Anordnung besitzen die oberen Fenster einen Rundbogen, die unteren werden geradlinig geschlossen.[3]

Kircheninneres

Für das Innere entwarf Matthei einen quergelagerten Saal, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts den zeitgemäßen Anforderungen an einen auf die Wortverkündigung ausgerichteten protestantischen Predigtraum entsprach. Die Kanzel erhebt sich hinter dem Altar in der Mitte der rückwärtigen Längswand, rechts eingebettet von dem Pfarrstand mit Platz für den Geistlichen und links von dem Kanzelaufgang.

„[Altar und Kanzel werden an drei Seiten] von ansteigenden, halbkreisförmigen Sitzreihen wie im griechischen Theater umschlossen und so in die Mitte der Gemeinde gerückt. Es gibt keinen Mittelgang. Vier seitlich angeordnete Gänge teilen das Gestühl in drei Blöcke. Diese den meisten Parlamentssälen entsprechende Anordnung bricht die früheren Hierarchien und Trennungen auf und demokratisiert den Gemeinderaum den Zeittendenzen entsprechend.[4]

Fritz Roßberg: Auf den Spuren des Landbaumeisters Matthei, 2006.

Die Brüstung der von vier toskanischen Säulen getragenen Empore folgt in ihrer Kurvatur dem Verlauf der unteren Sitzreihen. In der Mitte der Empore steht die Orgel aus dem Jahr 1840 mit pfeifenlosem Prospekt von der Orgelbaufamilie Ziese. Sie wird von zwei Säulen flankiert, die den Turm von der Innenseite her stützen. Zu den umgesetzten Stilmerkmalen von Mattheis Entwürfen gehört auch eine helle Farbgebung. Die Wände bedeckt ein heller rötlicher Farbton, die Brüstung der Emporen und die Bänke wurden Weiß und Grau gestrichen.[3][5]

Denkmalschutz

Wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung ist die Kirche nach § 2 Absatz 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes ein Kulturdenkmal. Sie wurde in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen unter der Nummer 40981 eingetragen.[6]

Literatur

  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen 1, Regierungsbezirke Gießen und Kassel. Deutscher Kunstverlag, Berlin und München 2008, ISBN 978-3-422-03092-3, S. 528.
  • Peer Zietz, Landesamt für Denkmalpflege Hessen [Hrsg.]: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Werra-Meißner-Kreis 3, Altkreis Witzenhausen. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1995, ISBN 3-528-06228-2, S. 453 f.
  • Kristin Weber: Die klassizistische Kirche in Küchen von 1827. In: Witzenhäuser Allgemeine - HNA vom 25. September 2022.
Commons: Evangelische Kirche Küchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Küchen, Werra-Meißner-Kreis. In: Historisches Ortslexikon. Website des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS); abgerufen am 23. Oktober 2025.
  2. Kirchspiel Walburg auf der Website des Evangelischen Kirchenkreises Werra-Meissner; abgerufen am 23. Oktober 2025.
  3. a b Küchen. In: Peer Zietz: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Werra-Meißner-Kreis 3, Altkreis Witzenhausen. S. 453 f.
  4. Fritz Roßberg: Auf den Spuren des Landbaumeisters Matthei. In: Mitteilungen des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde. Nr. 47 vom Juli 2006. S. 39 f.
  5. Kristin Weber: Die klassizistische Kirche in Küchen von 1827. In: Witzenhäuser Allgemeine - HNA vom 25. September 2022.
  6. Ev. Kirche Küchen, Meißnerstr. 1. In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 23. Oktober 2025.

Koordinaten: 51° 10′ 37,3″ N, 9° 49′ 1,1″ O