Evangelische Kirche Eichenberg-Dorf (Neu-Eichenberg)
Die Evangelische Kirche Eichenberg ist ein denkmalgeschütztes Gebäude im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis. Sie steht, oval ummauert im historischen Kern Eichenbergs, das im Rahmen der hessischen Gebietsreform am 1. Februar 1971 mit anderen Dörfern zur neu gebildeten Gemeinde Neu-Eichenberg zusammengeschlossen wurde. Die Kirche erhebt sich unmittelbar an der Kreisstraße 68, die als Karlsbrunnenstraße und Bahnhofstraße durch den Ort führt und ihn an die östlich verlaufende Bundesstraße 27 anschließt. Vor dem Kirchhof liegt der hufeisenförmig ummauerte Anger, einst Versammlungsort und Gerichtsstätte für die niedere und peinliche Gerichtsbarkeit derer von Bodenhausen, die seit 1570 auch das Kirchenpatronat innehatten.[1]
Die evangelische Kirchengemeinde Eichenberg bildet mit Berge, Hebenshausen, Hermannrode und Marzhausen das Kirchspiel Berge-Eichenberg-Hebenshausen-Hermannrode-Marzhausen. Jedes Dorf im Kirchspiel hat noch eine eigene Kirche und einen eigenen Kirchenvorstand. Sie sind Teile des Kirchenkreises Werra-Meißner im Sprengel Kassel, innerhalb der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.[2]
Geschichte
Über das Vorgängergebäude der heutigen Kirche in dem Ort, dessen früheste bekannte Erwähnung als „silvam de Eikenberge“ in das Jahr 1258 datiert, ist wenig bekannt. Pfarrer Wilhelm Bach vermutet in seiner 1835 erschienenen „Kirchenstatistik der evangelischen Kirche im Kurfürstenthum Hessen“, dass sie, einer Inschrift am Turm zufolge, 1558 erbaut worden ist. Im Jahr 1645, während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) „wurde sie im Innern zerstört, der Kirchenkasten geplündert und die beste Glocke zerschlagen und weggeführt“. Erst ab 1650 konnten Glaubensfeste wieder in der Kirche gefeiert werden. Gottesdienste fanden damals auch in dem eine besondere Hausparochie bildenden Schloss Arnstein statt. Nachdem 1802 die Decke des Kirchensaals, der sich im dritten Stockwerk befand, teilweise einstürzte, wurden die Andachten hier eingestellt und die Bewohner von Arnstein besuchen seitdem die Gottesdienste in Eichenberg.[3] Trotz erheblicher Ausbesserungen in den Jahren 1738 und 1792 war die Kirche zu Anfang des 19. Jahrhunderts in einem so schlechten Zustand, dass sie abgerissen und wieder neu gebaut werden musste. Verantwortlich für die Umsetzung war Johann Friedrich Matthei (* 1790; † 1874), der nach der kurhessischen Verwaltungsreform Landbaumeister für die Kreise Eschwege und Witzenhausen wurde und zuständig für öffentliche Bauten war, für die er Pläne zeichnete, Bauausführungen beaufsichtigte und kontrollierte. Für das neue Gotteshaus in Eichenberg lieferte Matthei drei Entwürfe, von denen die ersten beiden Konzeptionen mit einem querorientierten Raum als typisch für seine Arbeiten gelten. Die Gemeinde entschied sich aber für die dritte Fassung, eines eher konservativen, längsorientierten Gebäudes, das im Jahr 1840 errichtet wurde.[4]
Kirchengebäude
Die Kirche in Eichenberg, die mit unverputzten rötlichen Sandsteinen erbaut wurde, besteht aus einem würfelförmigen Schiff und einem in der Mitte der westlichen Seite vorgelagerten, halb in den Saal eindringenden Kirchturm. Den achteckigen Oberbau des Turmes schließt ein spitzes, schiefergedecktes Pyramidendach ab. Sein oberstes Geschoss beherbergt hinter den als Biforien gestalteten Klangarkaden den Glockenstuhl. Das Kirchenschiff wird von einem nach Osten abgewalmten Satteldach bedeckt. An den Längsseiten des Schiffes wurden nebeneinanderliegende gekuppelte Öffnungen mit einem Rundbogen angeordnet. Die Fensterpaare in ihnen werden durch einen Mittelpfeiler mit angedeutetem Kapitell und abschließenden Abakus getrennt. Die Fenster im Obergeschoss besitzen einen Rundbogen, die im Untergeschoss werden geradlinig geschlossen. Die beiden Fensterpaare in der Chorwand werden ebenfalls rundbogig geschlossen. Der Zugang in das Innere der Kirche führt durch ein mit einem Rundbogen geschlossenes Portal, mit einem darüber aufgelegtem Architrav, durch das Untergeschoss des Turmes. In der Vorhalle steht ein datierter Grabstein aus dem Jahr 1695, ein anderer noch vorhandener weist starken Abrieb auf und stammt vermutlich aus dem frühen 18. Jahrhundert.
Im Inneren wird der fast quadratische Saal von einer dreiseitigen Empore umzogen und mit einer kassettierten Flachdecke nach oben geschlossen. Die großen Fenster schaffen mit dem Anstrich von Wänden und Gestühl in Weiß und in Pastellfarben einen lichtdurchfluteten Raum, der einst nach den Anforderungen an eine auf die Wortverkündigung ausgerichteten protestantischen Kirche der damaligen Zeit gestaltet wurde. Als besonderes Ausstattungsstück der Kirche wird die Orgel angesehen, die 1844 von Friedrich Christian Knauf gebaut wurde. Sie wurde 1962 umgebaut und 2006 mit Mitteln aus einer Spendensammlung der Gemeinde renoviert.[4][5]
Denkmalschutz
Wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung ist die Kirche nach § 2 Absatz 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes ein Kulturdenkmal und wurde in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen unter der Nummer 41154 eingetragen.[6] Sie ist Teil der Gesamtanlage 1, in dessen Zentrum sie sich erhebt und die den historischen Kern des Ortes umschließt. Dieser Bereich, zu dem Hofanlagen mit Fachwerkwohnhäusern aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert gehören, wird aus geschichtlichen Gründen als schützenswert angesehen und besitzt im Denkmalverzeichnis des Landes Hessen die Nummer 41136.[7]
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen 1, Regierungsbezirke Gießen und Kassel. Deutscher Kunstverlag, Berlin und München 2008, ISBN 978-3-422-03092-3.
- Peer Zietz, Landesamt für Denkmalpflege Hessen [Hrsg.]: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Werra-Meißner-Kreis 3, Altkreis Witzenhausen. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1995, ISBN 3-528-06228-2, S. 357 f.
Weblinks
- Internetauftritt des Kirchspiels Berge-Eichenberg-Hebenshausen-Hermannrode-Marzhausen.
- Kristin Weber: Die Kirche im Dorf lassen: Die Kirche in Eichenberg wurde 1840 erbaut. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) vom 21. Juli 2024.
Einzelnachweise
- ↑ Eichenberg, Werra-Meißner-Kreis. In: Historisches Ortslexikon. Website des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS): abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Kirchspiel Berge-Eichenberg-Hebenshausen-Hermannrode-Marzhausen auf der Website des Evangelischen Kirchenkreises Werra-Meissner; abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Eichenberg. In: Wilhelm Bach: Kirchenstatistik der evangelischen Kirche im Kurfürstenthum Hessen. S. 438 f. 1835 - Google Book; abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ a b Eichenberg. In: Peer Zietz; Landesamt für Denkmalpflege Hessen [Hrsg.]: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Werra-Meißner-Kreis. 3 Altkreis Witzenhausen. S. 502 f.
- ↑ Eichenberg, Kreis Witzenhausen. In: Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Deutscher Kunstverlag, München, Berlin 1966, Seite 175.
- ↑ Ev. Kirche Eichenberg, Kirchplatz 8. In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Gesamtanlage I Eichenberg. In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 3. Januar 2026.
Koordinaten: 51° 22′ 16,9″ N, 9° 53′ 55,5″ O